Karin Leitenmaier erzieht zur Selbstständigkeit, indem sie Kindern Verantwortung gibt.
Woche 2
10/28/2013

Karin Leitenmaier und die "Großen"

So bereitet die Pädagogin ihre Kinder auf den Übergang in die Schule vor.

von Ute Brühl

Jeden Tag nach dem Mittagessen gehen David, Miriam und ihre Freunde zu Karin in die Vorschulgruppe. Sie vermerken das mit ihrem Namenszeichen auf der Magnetwand und machen sich auf den Weg ans andere Ende des Kindergartens. „"Uns ist die Erziehung zur Selbstständigkeit sehr wichtig. Und besonders den älteren Kindern geben wir mehr Verantwortung“," erklärt Karin Leitenmaier vom ZPC-Kindergarten im zweiten Bezirk in Wien.

Die Verantwortung für die jüngeren erleben sie täglich in den Familiengruppen: Dort schneiden die Großen ihren kleinen Kollegen etwa das Essen mit Messer und Gabel in mundfertige Stücke.

„Maxi-Club“

Im täglichen „Maxi-Club“ bietet Leitenmaier den Vorschulkindern zusätzliche Herausforderungen. Die Kinder können sich in ihrer Altersgruppe erleben, mit Kindern aus anderen Gruppen anfreunden und sich mit dem Thema Schule beschäftigen.

Die Kinder arbeiten etwa intensiv an einem Jahres-Thema: „Im Vorjahr hatten wir das Thema Erste Hilfe. Wir haben verschiedene Notfalls-Situation besprochen und im Rollenspiel ausprobiert. Etwa wie man am Telefon Hilfe ruft. Die Kinder haben sich sogar die Notruf-Nummern gemerkt“, erinnert sich Leitenmaier, die sich dafür auch Hilfe von ihrem erwachsenen Sohn beim Zivildienst holte. Krönender Abschluss war der Besuch beim Roten Kreuz.

Auch die Sprachentwicklung hat sie dabei im Auge. Wie geht sie bei komplexeren Themen mit Kindern um, die weniger gut deutsch können? „Ich hole mir Hilfe von anderen Kindern. Da erklärt dann eines dem anderen im Zweiergespräch, was es nicht so gut verstanden hat“, so die innovative Kindergärtnerin, die bereits seit 13 Jahren im Haus arbeitet und insgesamt 25 Dienstjahre Erfahrung hat.

Elternarbeit

In der Arbeit mit den Kindern kann sie detailliert deren Entwicklungsstand beobachten und mit den gruppenführenden Pädagoginnen und den Eltern besprechen. „Manchmal empfehle ich den Eltern etwa passende didaktische Spiele oder gebe ihnen Ideen, wie sie ihr Kind unterstützen können. Gerade die Konzentrationsfähigkeit ist ein wichtiges Thema beim Übergang in die Schule“, so Leitenmaier. Sie lobt auch die zunehmende Sensibilität bei den Eltern.

Gegen Ende des Jahres besucht Leitenmaier mit ihren Kids eine Schulklasse und verabschiedet sie am Ende mit einer großen Zeremonie aus dem Kindergarten: „Da sind letztes Mal die Vorschüler durch einen großen Bogen aus Luftballons gegangen und die Kleinen haben ihnen nachgewinkt. "Für die Kinder ist das ja ein großer Schritt“," betont Leitenmaier.

Was arbeitest du?

Derzeit beschäftigen sich die Kinder mit ihrem Schwerpunkt-Thema Berufe. Leitenmaier hat dafür schon Termine bei Feuerwehr, Polizei, Bäckerei und Zahnarzt ausgemacht. „Die Kinder sollen sich auch damit befassen, was ihre eigenen Eltern arbeiten und mit ihnen darüber reden. Unter dem Motto: "Was tut ihr, während wir im Kindergarten sind?“," erklärt die Pädagogin. „Auf das Thema haben mich die Kinder selbst gebracht. Sie haben mich nämlich gefragt: „Welche Arbeit hast du eigentlich? Denn du spielst ja den ganzen Tag nur im Kindergarten.“

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