Thema | graetzel
03.08.2014

"Wir wollen vertriebenen Juden Respekt erweisen"

Das Gedenkprojekt Volksopernviertel recherchiert die Geschichte ehemaliger jüdischer Bewohner des Grätzels.

In den 1930ern war der Alsergrund – nach der Leopoldstadt – der Bezirk mit dem zweitgrößten Anteil an jüdischen Bewohnern. Passanten können das heute nicht mehr erahnen – kaum Gedenktafeln oder Mahnmale weisen auf die frühere Existenz der Juden in dieser Umgebung hin. Genau das möchte die Psychologin Beatrix Wimmer ändern.

Mit dem "Gedenkprojekt Volksopernviertel" will Wimmer an die vertriebenen und ermordeten Juden aus diesem Grätzel erinnern; ihnen Respekt erweisen. Zu dramatisch waren die damaligen Ereignisse, als dass man sie einfach in Vergessenheit geraten lassen dürfte.

Gemeinsam mit rund einem Dutzend Nachbarn wie Erzsébet Fuchs, weiteren Interessierten und Historikerin Maria Czwik arbeitet Wimmer seit knapp einem Jahr an der Geschichtsaufarbeitung in diesem Viertel.

Frühere Bewohner

Die historische Recherche für das erste Projekt, das Haus in der Fluchtgasse 7, ist nun abgeschlossen. Seit knapp 15 Jahren wohnt und arbeitet Wimmer in diesem Altbauhaus. Die Volksoper liegt ums Eck, das Stadtzentrum ist zu Fuß in zwanzig Minuten erreicht. Gute Lage, ein ideales Haus, dachte sich Wimmer, als sie sich für diesen Wohnort entschied.

Was sie bis vor Kurzem nicht wusste: Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden 27 Bewohner dieses Hauses aus rassistischen Gründen verfolgt; mindestens fünf davon deportiert und ermordet.

Derzeit ist die Initiative darum bemüht, die Nachkommen der jüdischen Bewohner auszumachen – denn nur mit deren Zustimmung dürfen die Namen der ehemaligen Bewohner auf einer Plakette verewigt werden, die an dem Haus angebracht werden soll.

Das Ziel des Projekts: Möglichst viele Häuser im Viertel mit solchen Tafeln auszustatten. Und vielleicht doch noch ein kleines Mahnmal zu errichten.