TAG-Geschäftsführer Ferdinand Urbach (Mi.) wünscht sich, dass die Esterházygasse eines Tages zur Fußgängerzone wird.

© KURIER/Franz Gruber

Mariahilf
06/24/2014

Grätzel-Kaiser: Eine Gasse als großes Wohnzimmer

Mit großen Nachbarschaftsfesten versucht ein Team, die Esterházygasse zu beleben.

von Anna-Maria Bauer

In die Esterházygasse verschlug es den Waldviertler Markus Handl mit seinem Hamburger Lokal "Hafenjunge" vor allem deshalb, weil 2010 diese Gasse noch äußerst billige Mietpreise hatte. Menschen kamen vordergründig dann vorbei, wenn sie von der Wienzeile in die Gumpendorfer Straße wollten – oder umgekehrt.

Gemeinsam mit Kollegen vom nahe gelegenen Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) und dem Lokal Finkh versucht Handl seit vier Jahren den Wienern zu zeigen, dass diese Gasse mehr sein kann als eine Durchzugsstraße. Das endgültige Ziel laut TAG-Geschäftsführer Ferdinand Urbach: "Die Esterházygasse zu einer Fußgängerzone zu machen." Oder zumindest zu einer Wohnstraße.

Ein Mal im Jahr ist die Gasse bereits Begegnungszone. Beim großen Esterházy-Gassen-Fest, das heuer bereits zum vierten Mal stattfand, verwandelt sich das Straßenstück unterhalb der Gumpendorfer Straße in ein "riesiges Wohnzimmer", mit Gastroständen, Kostümflohmarkt und Schauspieldarbietungen. Für die Kinder gibt es eine Schnitzeljagd und Bastelworkshops. Und die Verköstigung kommt von nahe gelegenen Lokalen wie dem Brass Monkey, Home Made oder Kaiserwalzer.

Aufstrebendes Grätzel

Montagmittag hat es sich das Pro-Esterházygasse-Projektteam mit gestreiften Pölstern und bunten Strohhalmen in den Limonadenflaschen mitten auf der Straße bequem gemacht. "Hier ist es doch super", stellt Finkh-Besitzer Samuel Hohenegger klar. Das müsste man nur noch mehr Leuten klar machen. Der gebürtige Klosterneuburger wohnt seit mehr als zehn Jahren in dem Grätzel – und zieht so bald sicher nicht mehr hier weg. Zentrale Lage und engagierte Leute, die bereit sind, neue Projekte aufzustellen – mehr braucht es doch nicht.

TAG und Nachtpaket

Interessante Angebote für Gäste gibt es in der Esterházygasse mittlerweile nicht nur während des Gassenfests: Das "TAG und Nachtpaket" ist das ganze Jahr über zu erwerben und beinhaltet einen Theaterbesuch sowie ein Abendessen – bei der Deluxe Variante um 37 Euro im Finkh, die Budgetvariante gibt es um 20 Euro im Hafenjunge.

Markus Handl ist mit der Entwicklung der Gasse in den vergangenen Jahren zufrieden. Da ist es für den Norddeutschland-Fan nicht mehr ganz so schlimm, dass sein Lokal in Wien und nicht in Deutschland ist.

KURIER sucht Wiens Grätzel-Kaiser

Ausschreitungen beim Akademikerball. Das Burgtheater kracht wie eine Kaisersemmel. Und dann auch noch die Wickel um den "Privatbesuch" des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan …

Das Bild, das immer wieder Schlagzeilen von Wien zeichnen, ist oft kein schönes. Walzerseligkeit, Sisi-Kult und Kutschfahrten im Fiaker haben umgekehrt aber auch wenig mit der Lebensrealität der Wienerinnen und Wiener (und der "Zuagrastn") zu tun. Sie finden ihre heile Welt oft im Kleinen. In der Familie, den eigenen vier Wänden, in ihrer Nachbarschaft, im Grätzel.

Genau mit diesen Gemeinschaften wird sich der KURIER in den kommenden Wochen beschäftigen. Bei der großen diesjährigen Sommeraktion können Handarbeitsvereine, Nachbarschaftsgärten oder Jungschargruppen zum "Wiener Grätzel-Kaiser" gewählt werden.

Jetzt bewerben

Sie sind in einem solchen Verein tätig oder kennen Menschen, die sich für die Verbesserung Ihres Grätzels einsetzen – sei es über kulturelle Veranstaltungen, soziales Engagement oder als Hobbygärtner? Dann melden Sie diese bei der Aktion "Wiener Grätzel-Kaiser" an. Ab heute, Donnerstag können interessierte Gruppen und Vereine ihre Bewerbung auf www.kurier.at/graetzel oder per eMail unter graetzel@kurier.at abgeben.

Am 29. Juni beginnt das Voting. Bis einschließlich 6. August können KURIER-Leser ihre Stimme abgeben. Der "Wiener Grätzel-Kaiser" wird am 18. August präsentiert. Der Preis: Ein großes Grätzel-Fest im eigenen Bezirk.kurier.at/graetzel

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