Ein roter Schutzengel für Fußgänger

Gefahrenzone Zebrastreifen: , Mehr als 1000 Fußgänger wurden im Vorjahr bei einem Verkehrsunfall in Wien verletzt, 393 davon auf einem Schutzweg, kritisiert der VCÖ
Foto: juerg christandl

21 Fußgänger starben 2010 in Wien. Die SPÖ will daher rasch einen Beauftragten für Fußgänger bestellen.

Der KURIER-Bericht über gefährdete Fußgänger in Wien hat politische Konsequenzen. Die SPÖ erinnert ihren grünen Koalitionspartner daran, dass neben dem Radverkehrsbeauftragten auch ein Fußgängerbeauftragter im Koalitionsabkommen festgeschrieben ist. "Während für den Radverkehrsbeauftragten bereits Team, Budget und Personal weitestgehend feststehen, wurde das Thema Fußgängerverkehrsbeauftragter kaum thematisiert", ärgert sich SP-Verkehrssprecher Karlheinz Hora: "Das Tempo ist in dieser Sache nicht so hoch, wie wir uns das wünschen."

Hohes Tempo wäre allerdings angebracht: 21 Fußgänger mussten 2010 in Wien ihr Leben lassen, um sieben mehr als im Jahr zuvor. 1058 Fußgänger wurden 2010 in Wien verletzt. Auch wenn diese Zahl leicht zurückging, ist auffällig, dass vor allem Unfälle auf Schutzwegen zunehmen. 37 Prozent der Fußgängerunfälle 2010 geschahen auf Zebrastreifen, ermittelte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Handys

Ein Grund dafür sind Handys am Steuer. "Stellen Sie sich an eine Kreuzung und schauen Sie, wie viele Autofahrer ihr Handy in der Hand haben. Sie kommen locker auf 40 Prozent", sagt Hora. Auch VCÖ-Sprecher Christian Gratzer bekrittelt fehlende Freisprecheinrichtungen. "Wer ein Handy am Ohr hat, reagiert ähnlich schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille." Neben stärkeren Kontrollen fordert der VCÖ daher eine Bewusstseinskampagne gegen Handys am Steuer. Eine Aufgabe für den Fußgängerbeauftragten, aber nicht die einzige. Er soll auch zwischen den Bürgern und der Stadt vermitteln, Beschwerden und Wünsche entgegennehmen und sich um deren Umsetzung kümmern.

So will die SPÖ etwa bestehende Fußgängerzonen wie auf der Meidlinger Hauptstraße umgestalten und neue, wie etwa auf der Mariahilfer Straße, bauen. Der Beauftragte soll Gehsteigvorziehungen, längere Ampelphasen für Fußgänger oder Signale vor Schulen, die Autofahrer warnen, umsetzen. Das Pilotprojekt Videoüberwachung auf der Döblinger Hauptstraße wird ebenfalls ausgeweitet. "Auch wenn die Zeit knapp ist, müssen wir zu Schulbeginn Aktionen zur Fußgängersicherheit, vor allem für Schulanfänger, setzen", appelliert Hora.

Schon im August soll es daher koalitionäre Gespräche für erste Maßnahmen zum besseren Fußgängerschutz geben. Hora: "Denn es gibt nicht nur Radfahrer."

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(kurier) Erstellt am
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