Thema
05.12.2011

"Das Vertrauen ist größer als die Angst"

12. Bericht: Trotz Kölblingers Unfalltod will Gerfried Göschl den Aufstieg auf den K2 probieren. Zur Erstbesteigung der neuen Route auf den Nanga Parbat gibt es nun Infos.

Ein 17-köpfiges Team wagte ab dem 11. Juni den Aufstieg auf den Nanga Parbat. KURIER.at hat die Gruppe bei ihrer Expedition redaktionell begleitet.

"Ich habe am Nanga Parbat einen Freund verloren", äußerte sich kürzlich Expeditionsleiter Gerfried Göschl zum Unfalltod von Wolfgang Kölblinger.
Der Oberösterreicher war am Freitag nach seinem Gipfelsieg auf der Kinshofer-Route vermutlich über eine steile Eisflanke gestürzt.
Trotzdem will Göschl die geplante Expedition jetzt nicht abbrechen.

"Mein Mann wird am 16. Juli vom Nanga Parbat Basislager abreisen und gemeinsam mit seinem kanadischen Partner Louis Rousseau zum K2 fahren. Er hat dieses Vorhaben eineinhalb Jahre lang geplant, dafür recherchiert und trainiert", erzählt seine Frau Heike Göschl gegenüber KURIER.at und ergänzt: "Er hat mit Wolfgang einen Freund verloren, aber dieser Freund hätte niemals gewollt, dass er seine Ziele und Träume jetzt aufgibt. Diese Gründe sind die Motivation für Gerfried weiterzumachen."

"Passieren kann immer etwas"

Ob Gerfried Göschl und Louis Rousseau dann tatsächlich auf den K2 steigen, wird vor Ort entschieden. Erst will sich das Duo ein Bild von der Situation vor Ort machen.

Heike Göschl: "Sollten sie dann entscheiden aufzusteigen, habe ich natürlich große Angst um ihn. Ich weiß genau, dass dieser Unfall, dieses Missgeschick das Wolfgang passiert ist, jederzeit auch meinem Mann passieren kann. Die Angst ist da, aber das Vertrauen ist größer. Ich vertraue auf seine Fähigkeiten und Fertigkeiten, seinem Instinkt und seinem Intellekt. Passieren kann immer und überall etwas, auch zu Hause."

Erstbesteigung

Durch das tragische Ereignis bisher relativ unbeachtet blieb die alpine Leistung von Gerfried Göschl und seinem Team am Nanga Parbat. Der Versuch, den Berg über eine neue Route - und zwar ohne jede Hilfe von außen und ohne Flaschensauerstoff - zu besteigen, ist gelungen.

Dabei haben die fünf Erstbegeher Göschl, Hans Goger, Sepp Bachmair, Günther Unterberger und der Kanadier Louis Rousseau bisher noch nie direkt von Menschen erkundete Bereiche des Massivs betreten.

Laut einem Artikel von Gerald Lehner auf bergwelten.at bekommen neue Routen auf Achttausendern zunehmend Seltenheitswert, weil bei kommerziellen Touren "Gäste" auf raschest möglichen Anstiegen geführt werden.

Auf dem Nanga Parbat wurde die letzte Erstbegehung 2005 in der Rupalwand (gegenüberliegende Seite des Berges, Ostwand) vollendet, berichtet bergwelten.at.