Palfrader & Scheuba: Zwei Zornarbeiter

Scheuba und Palfrader spielen großes Kino.

Nr. 64. "Männer fürs Grobe" von und mit Florian Scheuba und Robert Palfrader: Ein ebenso kluges wie komisches Kabarett-Theater.

Wer Robert Palfrader privat kennt, weiß, dass er in Wahrheit immer ein Kabarettist war. Schon als Schüler narrte er Wildfremde durch spontane "practical jokes" in aller Öffentlichkeit. Insofern ist es eigentlich unfassbar, dass Palfrader 39 Jahre und elf Monate alt werden musste, bis er sich tatsächlich auf eine Kabarettbühne stellte.

Die Promidichte bei der Premiere war hoch wie nie, offenbar wollten viele Kaiser schauen. Die Folge: Die Atmosphäre war zu Beginn unruhig, die Akteure waren merkbar nervös - sympathisch, wenn sogar solche Profis Nerven zeigen. Grund dazu hatten sie keinen: "Männer fürs Grobe" ist ein ausgesprochen gescheites und dabei ausgesprochen komisches Kabarettprogramm, das in Wahrheit ein Theaterstück ist.

Kommentare

Scheuba und Palfrader spielen großes Kino. Scheuba und Palfrader spielen großes Kino.

Das Stück ist typisch für den Textautor Florian Scheuba: Es gibt die Wechsel zwischen Bühnen- und privater Person, die Metaebenen, den sich selbst kommentierenden Texte, den scheinbar besinnlichen, in Wahrheit sehr scharfen Schluss.

Scheuba steigt mit dem alten Kabarett-Trick ein, nämlich so zu tun, als gebe es kein Programm - lässt aber sofort Palfrader genau diesen Trick kommentieren. Die beiden spielen zu Beginn sehr gekonnt mit ihren öffentlichen Images, ernennen sich dann selbst zu "Zornarbeitern", die stellvertretend für das Publikum Ventile für den Ärger über reale Missstände öffnen - etwa durch Zertrümmern eines Kim-Jong-II-Portraits. In diesem Teil des Stückes arbeitet Scheuba wie ein Journalist, seine genauen Recherchen setzt er in gespielte Kolumnen um.

Im zweiten Teil verwandeln sich die beiden in ein österreichisch-serbisches Prolo-Paar, was für großes Gelächter sorgt, aber umgehend wieder hinterfragt wird. Nebenbei gibt es eine herrliche Hassrede von Scheuba gegen Mitmach-Theater-Rituale - und genau solche vollzieht Palfrader dann mit dem Publikum. Das ist der einzige Teil, der ein wenig bemüht wirkt.

Fazit

Scheubas Text thematisiert einerseits die Bühnensituation selbst und ist andererseits ein gespielter kritischer Kommentar zum Thema: Warum gehen die ärgsten Sauereien immer öfter unter? Rupert Henning (Regie) hat den Text sehr effektiv und mit Liebe zum Detail in Szene gesetzt.

Starkes Kabarett von Scheuba, Palfrader, nutzt seine Szenen und spielt großes Kino.
Ansonsten: Ein toller, sehr präzise gespielter Abend, und natürlich kommen Jörg und Alfons Haider vor.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?