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Style
06/27/2019

Studie: Hornhaut ist gar nicht so schlecht, wie alle denken

Forscher fanden heraus, dass das Gehen nicht von Hornhaut negativ beeinflusst wird.

Die Hornhaut an den Füßen ist für den Körper vorteilhafter als gedacht. Ein internationales Forscherteam fand heraus, dass die verdickte Hautschicht die Füße schützt, ohne dass die Empfindlichkeit der Fußsohlen abnimmt. Das Gehen werde daher durch die Dicke der Hornhaut nicht beeinflusst, erklärten die Forscher. Hornhaut sei in einigen Aspekten besser als jede Schuhsohle.

Wer im Sommer barfuß geht, merkt schnell, dass Hornhaut die Füße schützt. Daher wird allgemein angenommen, dass die Füße durch die verdickte Hautschicht weniger empfindlich auf Reize reagieren. Ein Forscherteam um Nicholas Holowka von der Harvard University in Cambridge (USA) hat dies nun widerlegt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Nervenenden nicht beeinträchtigt

Die Forscher untersuchten die Füße von 81 Kenianern und 22 Amerikanern. Manche trugen regelmäßig Schuhe und manche gingen, nach eigener Aussage, immer barfuß. Wie angenommen, hatten die Menschen, die barfuß gehen, eine um etwa dreißig Prozent dickere und härtere Hornhautschicht unter den Füßen. Dies wirkte sich allerdings nicht auf die Empfindlichkeit der Fußsohlen aus. Die Wissenschafter berührten die Sohlen der Teilnehmer mit einem Vibrationsgerät. Dabei zeigte sich, dass alle den Reiz gleich stark spürten. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass die Empfindlichkeit der Nervenenden in den Füßen durch die verdickte Hautschicht nicht beeinträchtigt wird.

In weiteren Tests untersuchten die Forscher die Auswirkungen von Hornhaut und Schuhsohlen auf das Gehen. Die Teilnehmer gingen dafür über eine Kraftmessplatte oder auf speziellen Laufbändern, die den Druck beim Auftreten messen. Es zeigte sich, dass nur Schuhsohlen, nicht aber die Hornhaut, das Gehen änderten. Je stärker der Schuh gepolstert war, desto stärker veränderte sich das Verhältnis der Kräfte, die auf den Fuß wirken. Die genauen Folgen müssten noch erforscht werden.

Möglichst dünne Sohlen tragen

Die Wissenschafter nehmen jedoch an, dass die Schuhe Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. So würde die Belastung auf Gelenke und das Skelett durch gepolsterte Schuhsohlen dauerhaft verändert. Dies könnte zu Krankheiten führen und dazu, dass Menschen eher stürzen. Sie empfehlen daher, dass gerade sturzgefährdete, ältere Menschen Schuhe mit dünnen und möglichst starren Sohlen tragen sollten, wie zum Beispiel bestimmte Sandalen.

Die Forscher der Studie weisen darauf hin, dass gepolsterte Schuhsohlen erst mit der industriellen Revolution für die Allgemeinheit erschwinglich wurden und der Körper bis dahin mit der eigenen Hornhaut auf natürliche Weise für einen bequemeren Gang sorgte. Schuhe haben, wie viele Erfindungen, zwar Vorteile wie Schutz und Komfort, aber eben auch Nachteile, schließen die Forscher.

Hornhaut entsteht, weil Basalzellen tief in der Haut Keratinozyten (Hornbildende Zellen) produzieren. Diese wandern Richtung Hautoberfläche und produzieren dabei die Hornsubstanz Keratin. Am Ende dieser Verhornung sterben sie und lösen sich von der Haut ab.