Style
05.04.2018

Schönheit auf Pump: Fragwürdiges Geschäft mit Beauty-Krediten

Online-Plattformen vermitteln Darlehen an jene, die sich eine Beauty-OP nicht leisten können. Experten sehen das Konzept kritisch.

Die Brüste größer, die Nase kleiner, die Haut faltenfreier – immer mehr Menschen lassen sich solche Wünsche vom Schönheitschirurgen erfüllen. Der hohe Kostenaufwand ist oft der Grund, warum sich viele doch nicht unter das Messer legen – für andere eröffnet sich dadurch ein lukratives Geschäftsfeld: Auf Facebook tauchen vermehrt Werbebanner auf, die mit Slogans wie „Schönheit ist leistbar, jetzt auch in Raten!“ locken.

Wer auf die Anzeige klickt, gelangt auf die Plattform beautykredit.at. Dort vermittelt Gründer David Sattmann Darlehen bis zu 65.000 Euro. Das schnelle Geld wird mit Fotos makelloser Frauen, Diskretion, Preislisten und Raten-Berechnung beworben – potenzielle Kunden werden direkt zu einer Partnerbank weitergeleitet, wo innerhalb weniger Sekunden ein Antrag auf das Darlehen gestellt werden kann. Im Falle eines erfolgreichen Abschlusses erhält Sattmann von der Bank eine Provision.

Konsumgut Körper

Potenzielle Kundschaft gibt es offenbar zu Genüge. Kürzlich ergab eine Forsa-Umfrage, dass sich jede zweite deutsche Frau eine Schönheitsoperation vorstellen kann. Bei den Männern ist es fast jeder Dritte. Laut der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie (ISAPS) waren im Jahr 2016 Brustvergrößerungen, Fettabsaugungen und Lidstraffungen die weltweit beliebtesten Beauty-OPs. Für Österreich liegen keine aktuellen Zahlen vor, die letzte Schätzung aus dem Jahr 2015 kam auf 50.000 Eingriffe.

Psychologin Michaela Langer sieht das Konzept solcher Websites kritisch: "Das läuft nach dem Motto 'Such dir aus, was du möchtest' – und ich finde das nicht in Ordnung." Der Körper würde dadurch herabgewertet. "Über solche Plattformen so zu tun, als ob man sich eine Küche bestellt, degradiert den Körper zum Konsumgut", sagt die Generalsekretärin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen (BÖP). Die Wienerin beschäftigt sich intensiv mit Körperbildern und stellt fest: "Vor 20 Jahren waren Schönheitsoperationen in diesem Ausmaß noch kein Thema. Das hat sich dramatisch geändert, als das Thema aus den USA zu uns kam."

Für David Sattmann ist seine Website eine "Finanzierungsplattform, die das Kopfweh abnimmt, sich etwas nicht leisten zu können". Man müsse seiner Hausbank nicht erklären, wofür der Kredit gebraucht wird. Rechtlich problematisch ist das Geschäftsmodell nicht – solange die vorgestellten Ärzte nicht direkt mit der Bank zusammenarbeiten. Schönheitschirurg Artur Worseg ist einer von ihnen und gibt zu: „Kredite sind eine zweischneidige Angelegenheit.“ Ärzte dürfen Kunden nicht über die Möglichkeit einer Finanzierung ködern. Wird jedoch konkret nach einer Option gefragt, könne man diese anbieten. Er sieht die Plattform als Möglichkeit, Ratenzahlungen, die früher in der Ordination abgewickelt wurden, auszulagern. "Wir mussten dem Geld oft hinterherlaufen – und sind auf vielen Beträgen sitzen geblieben."

Anzeichen erkennen

Doch macht die Möglichkeit, schnell und anonym einen Kredit zu bekommen, Beauty-OPs verlockender? "Ich sehe die Gefahr, dass man sich eher zu etwas verleiten lässt, wovon man bei einer Finanzierungshürde abgehalten worden wäre", sagt Boris Todoroff, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC). Jedoch gehe es ihn als Arzt nichts an, wo der Patient das Geld ausleiht.

Ganz gleich, woher es letztendlich stammt: Laut Psychologin Langer sollten Schönheitschirurgen zuvor unbedingt die Motivation des Kunden abklären. Warum ist der Wunsch gerade jetzt aufgetaucht? Gibt es Anzeichen für eine körperdysmorphe Störung, Essstörung oder Depression? Oder soll eine OP die Beziehung retten? "Jede und jeder soll sich fragen: Sind meine Erwartungen realistisch?" Sind sie es nicht, sollte der Arzt den Patienten an einen Psychologen überweisen – sonst sei die Gefahr der Enttäuschung nach der OP groß.