Style
27.08.2017

Ein Ehepaar auf der Suche nach dem perfekten Parfum

In Grasse, der Welthauptstadt des Parfums, kreiert das Ehepaar Martine und Geoffrey Micallef seit mehr als zwei Jahrzehnten luxuriöse Düfte. Ihr Erfolgsgeheimnis: Mut zu ungewöhnlichen Inhaltsstoffen und funkelnde Flakons.

Schnell und präzise muss die Mitarbeiterin jetzt sein. Sonst ist der Kleber trocken, bevor sie die vielen Swarovski-Kristalle mit ihrer Pinzette auf dem Flakon angebracht hat. Nebenan verziert eine Kollegin leere Fläschchen mit flüssigem Gold, um diese anschließend in einem speziellen Ofen zu backen. Erst am nächsten Morgen wird die Verzierung vollständig trocken sein – und der Flakon bereit für die Befüllung mit einem Duft.

Hier, versteckt in den Hügeln von Grasse im Süden von Frankreich, betreibt Martine Micallef gemeinsam mit ihrem Mann Geoffrey seit 21 Jahren eine Parfum-Manufaktur. Die Konkurrenz ist groß, schließlich gilt der beschauliche Ort in der Provence als Dufthauptstadt der Welt. Mit den großen Fabriken namens Fragonard, Molinard und Galimard zu konkurrieren, war jedoch nie das Ziel.

Von Finanzen zu Düften

Denn in einer grundlegenden Sache unterscheidet sich das Ehepaar von der Konkurrenz. „Wir sind Autodidakten“, sagt Martine Micallef. Als die beiden einander kennenlernten, war sie Besitzerin eines gut gehenden Beauty-Salons in Cannes und er in der Finanzbranche tätig. Geoffreys neuer Auftrag bei einer Duftmanufaktur entfachte die Liebe zu olfaktorischen Kreationen.

„Jeden Abend brachte er mir duftende Mitbringsel mit. Ich habe ihn noch nie so glücklich und enthusiastisch gesehen“, erzählt die 56-Jährige. „Nach zwei Jahren fragte ich ihn, ob er ein gemeinsames Parfumlabel gründen will. So fing alles an.“ Auf einer ihrer vielen Reisen hatten Martine und Geoffrey die zündende Idee. Auf einem Souk in Dubai entdeckten sie das im Westen damals noch kaum bekannte Oud. Sie brachten es mit nach Frankreich – und kreierten damit das weltweit erste Parfum mit dem Öl des arabischen Adlerholzes. „Das war schon sehr ausgefallen“, erinnert sich die Französin heute. „Geoffrey dachte, dass es den Kunden zu orientalisch sein wird.“

Gewöhnungssache

Als der Oud-Duft auf den Markt kam, reagierten Kunden im ersten Moment negativ. An eine Begegnung, die über zwei Jahrzehnte zurückliegt, kann sich Martine heute noch genau erinnern. Nachdem sie einem Herren in der Parfümerie die außergewöhnliche Kreation auf das Handgelenk sprühte, verurteilte er diese prompt als stinkende Mischung. „Eine halbe Stunde später kam er zurück, entschuldigte sich und bestellte fünf Flaschen“, erzählt Martine Micallef schmunzelnd.

Heute sind die Nischendüfte weltweit in 75 Ländern erhältlich, besonders gut geht das Geschäft im Nahen Osten und Russland. Mit durchschnittlich 255 Euro pro Flakon liegen die Produkte über dem Durchschnittspreis vieler Marken. Dies liegt zum einen an der Handarbeit, die in jeder Verpackung steckt, zum anderen an den erlesenen Inhaltsstoffen. Gemeinsam mit dem ebenfalls in Grasse ansässigen Labor Art et Parfum entwickeln Martine und Geoffrey ihre Düfte, die zu einem Großteil aus natürlichen Komponenten bestehen.

„Der Preis des Produkts hängt immer davon ab, welche Rohstoffe man verwenden möchte“, erklärt Parfümeurin Sylvie Armando. Lavendel und Orange seien relativ günstig, Tuberose besonders teuer. „Hier liegen wir bei 500.000 Euro pro Kilogramm.“ Dass selbst hochpreisige Parfums nicht ausschließlich mit aus Pflanzen gewonnenen Extrakten hergestellt werden, hat laut Armando einen einfachen Grund: „Nicht alle können verwendet werden.“

Manche Blumen, wie beispielsweise die Pfingstrose, könne man nicht extrahieren. Essenzielle Öle aus Erdbeeren gebe es in der Natur nicht. Für Parfümeure sind die künstlichen Nachempfindungen unerlässlich. „Sie sind es, die den Duft zum Schluss zu einer runden Sache machen.“

Bis ein neues Parfum auf den Markt kommt, kann es bis zu zwei Jahre dauern. Inspirieren lässt sich Martine Micallef, die auch als Künstlerin arbeitet, am liebsten von Malereien und Kultur. „Manchmal sehe ich eine Farbe oder einen Ort und weiß, dass ich dazu etwas kreieren muss“, schwärmt die Französin. Selbst ein Restaurantbesuch könne dazu führen, dass sie Lebensmittel in einem Duft neu interpretiert. Oberstes Ziel: „Unsere Produkte müssen eine starke Message haben. Wer an ihnen riecht, sollte sagen: Wow!“