Style
19.06.2018

Jill Asemota: Diese Frau kleidet Profi-Fußballer ein

Das Auge spielt mit: Modeberaterin Jill Asemota über die Trendsetter unter den Kickern und stilistische Eigentore.

Da kann Brasiliens Superstar Neymar noch so gut spielen: Wenn er sich kurz vor der WM die Haare blondiert, kennt das Netz kein anderes Thema als seine Frisur (in diesem Fall fielen die Meinungen eher spöttisch aus, siehe Foto). Damit derartige Stil-Fehlpässe nicht passieren, wenden sich viele Fußballer an Jill Asemota. Die Deutsch-Nigerianerin arbeitete als Model und berät heute Profi-Kicker in Sachen Mode – so vertrauten bereits Kevin Trapp, Lukas Podolski und Loris Karius auf ihr Stilgespür. Dem KURIER verrät die studierte Medienwissenschaftlerin, welcher Spieler stilmäßig die Nase vorn hat und warum es nicht egal ist, was Fußballer abseits des Rasens tragen.

KURIER: Die wichtigste Frage zuerst – wie finden Sie Neymars neue Frisur?

Jill Asemota: Blonde Hairstyles sind während der WM schon länger gefragt. Neymars Locken-Cut ist ist meiner Meinung aber nicht gelungen und wirkt etwas albern. Ihm stehen dunkle Haare deutlich besser.

Wie wird man Stylistin der großen Fußballstars?

Ich habe Fernsehjournalismus studiert und bei einem Sender gearbeitet, wo ich auch mit Fußball in Berührung kam. Irgendwann kam ein Spieler-Manager auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, Spieler modisch zu beraten. Es stellte sich heraus, dass viele Spieler daran Interesse hatten. Ich habe sozusagen eine Marktlücke ausgefüllt.

Warum ist es überhaupt wichtig, wie Fußballer abseits des Spielfelds gekleidet sind?

Mittlerweile haben die meisten Spieler Social-Media-Profile mit Millionen Abonnenten, das heißt, es ist wichtig, wie sie sich darstellen und kleiden. Ich arbeite gezielt an der Positionierung des Spielers im Modebereich, das heißt, ihn als Werbe-Testimonial zu vermitteln. Da man nie weiß, wie lange eine aktive Sportlerkarriere geht, ist es gut, wenn man sich ein zweites Standbein aufbaut und sich dementsprechend positioniert. Der Hauptfokus muss auf Fußball bleiben.

Wie läuft so eine Beratung ab?

Erstmal analysiere ich, welcher Typ der Spieler ist. Nicht jede Modemarke passt zu jedem – das kommt auf die Größe an, die Frisur, den Auftritt in den sozialen Medien. Loris Karius ist eher der Model-Typ, zu ihm passen High-End-Marken. Er hat einen tollen Stil, den ich nur mit neuen Marken unterstütze. Für andere passen Casual Brands, also legere Sachen. Wenn ein Event ansteht oder ein Shooting für die Website, suche ich Outfits aus und kümmere mich darum, dass sie zugeschickt werden. Ein toller Moment war, als ich mit einem Spieler in Paris bei der Fashion Week war und ihn in der ersten Reihe platziert habe. Mehr geht in der Modewelt eigentlich nicht.

Seit wann gelten Fußballer als Lifestyle-Ikonen? Wenn man heute Fotos aus den 70ern anschaut, schien das damals undenkbar...

Vorreiter war David Beckham. Da hat man gesehen, dass sich Fußballer ein zweites Standbein aufbauen können – Beckham hat das im Lifestyle-Bereich gemacht, auch mit der Hilfe seiner Frau, die ja heute Designerin ist. Heute interessieren sich die Fußballer an sich für Mode: Sie lesen Blogs und Fashion-Magazine, informieren sich über Trends.

Wer sind denn nun die Spitzenreiter in Sachen Stil?

In Deutschland gehört sicher Loris Karius dazu. Und einen Spieler erwähne ich immer, weil er tatsächlich auch Modeblogger sein könnte: Héctor Bellerín. Er wirkt gar nicht wie ein Fußballer, sondern eher wie eine Streetstyle-Ikone.

Und wie sieht es mit den Trainern aus?

Pep Guardiola zählt meiner Meinung nach zu den bestangezogenen Fußballtrainern der Welt. Er überzeugt mit maßgeschneiderten Anzügen und klassisch-eleganten Looks, die immer perfekt sitzen. Ganz klar sollten Trainer am Spielfeld lieber einen Anzug anstelle eines Joggers tragen. So strahlen sie mehr Autorität und Souveränität aus.

Ist es nicht sexistisch, wenn man beim Public Viewing über den Look der Sportler diskutiert?

Ich finde nicht. Das ist ja nichts Abwertendes, sondern eine Bestätigung, dass man die Person auch äußerlich gut findet. Den Charakter kann man aus der Ferne ohnehin nicht beurteilen. Ich finde es gut, wenn man sich daran erfreut, wie der Spieler aussieht – Fußballer sind ja auch Influencer, sie wollen inspirieren. Die, die ihnen in den sozialen Medien folgen, tun das nicht nur, weil sie sie sportlich super finden, sondern weil sie wissen wollen, wie der Fußballer lebt, wo er Urlaub macht, was er anzieht.

Welchem Spieler würden Sie gerne Stilnachhilfe geben?

Neymar würde ich gerne mal stylen (lacht). Der ist sportlich nicht zu toppen, aber seinen Style finde ich zu schräg. Da könnte man mehr Klasse reinbringen.

Apropos: Für welche Styles gibt es von Ihnen die Rote Karte?

Zu viel Schmuck, besonders Bling-Bling an den Ohren oder am Handgelenk – das geht gar nicht.