Style
03.05.2017

Designerin verrät No-gos beim Dirndl

Sportalm-Chefdesignerin Ulli Ehrlich verrät die Dirndl-Trends für dieses Jahr - und warum sich ein Besuch am Flohmarkt auszahlen könnte.

Ob für den Kirtag oder die Hochzeit auf dem Land - ein (oder mehrere) Dirndl sind für viele Frauen ein Muss im Kleiderschrank. Der KURIER traf Ulli Ehrlich, Chefdesignerin von Sportalm, zum Gespräch über die Rückbesinnung auf traditionellere Modelle und warum ein Dirndl nicht gemütlich sein sollte.

KURIER: Welche Dirndl-Trends kommen dieses Jahr auf uns zu?

Ulli Ehrlich: Blumen sind ein ganz großes Thema. Es gibt sowohl kleine Blüten auf Karo als auch Blumendrucke über das ganze Dirndl. Oder auch nur auf der Schürze.

In Ihrer neuen Kollektion scheint auch die Pantone-Farbe des Jahres Greenery ein großes Thema zu sein.

Ja, sie ist sehr wichtig. Wir spielen auch viel mit antiken Stoff-Designs. Wir kaufen alte Muster auf, die bis zu 200 Jahre alt sind, und legen diese als neues Dirndl-Design auf.

Liegen auffällige Verzierungen noch im Trend?

Es geht auf alle Fälle wieder hin zum traditionelleren Dirndl. Der Hype um Dirndl, die fast schon zum Kostüm verkommen sind, ist zum Glück vorüber. Es wird deutlich reduzierter und traditioneller, dennoch kann man mit Farben und Materialien spielen, sodass man auch ein schlichtes und klassisches Dirndl dem jeweiligen Zeitgeist anpasst.

Was ist die ideale Dirndl-Länge?

Da bin ich für alles offen. Wenn man jung ist und schöne Beine hat, gerne kurz. Jedoch sollte das Knie immer bedeckt sein. Alles, was oberhalb des Knies endet, ist kein Dirndl mehr.

Obwohl es in der Vergangenheit vermehrt sehr kurze Modelle zu sehen gab?

Man muss schon sagen, dass der Trend zum sehr kurzen Modell vor allem junge Frauen wieder zum Dirndl gebracht hat. Sie haben es mit Stiefeln und kurzen Boots angezogen – und die Scheu vor diesem Kleidungsstück verloren. Es war plötzlich ein cooles, hippes Kleidungsstück. So ist eine neue Generation von Dirndl-Trägerinnen herangewachsen. Zu diesem Zweck war das sehr kurze Dirndl gut.

Bei den Dirndlblusen war die schulterfreie Variante zuletzt populär. Wie siehen sie 2017 aus?

Obwohl schulterfreie Mode gerade sehr populär ist, geht es bei den Dirndlblusen wieder zu klassischeren Modellen zurück. Sie sind jetzt wieder hochgeschlossen.

Dekolleté zu zeigen ist also kein Muss?

Nein.

Und wenn man es doch zeigen möchte, würden Sie zu einem Dirndl-BH raten?

Wenn das Dirndl gut geschnitten ist, ist er nicht zwingend notwendig. Ein Dirndl kann nicht elastisch sein. Wir sind alle verwöhnt von den vielen Stretch-Stoffen, aber hier muss der Stoff kompakt sein. Das Mieder formt und gibt Halt – und ist eigentlich schon so gearbeitet, dass es die Brust stützt. Dann ist ein spezieller BH eigentlich nur mehr notwendig, wenn man extra pushen will.

Wie muss das Dirndl bei der Anprobe sitzen, damit es perfekt passt?

Eng! Es darf keine Falten schlagen.

Gibt es weitere No-gos?

Billig-Dirndl aus Fernost. Ein Dirndl ist kein normales Kleidungsstück, sondern ein Kulturgut. Das hat etwas mit Heimat zu tun und wenn es auch China kommt und aus Polyester hergestellt wurde, geht das gar nicht. Das ist dann nur noch ein Kostüm. Ich verstehe, dass nicht jeder 600 Euro für ein Dirndl ausgeben kann, aber es gibt viele Alternativen von heimischen Anbietern, die diese aus Baumwolle produzieren. Auch am Flohmarkt gibt es häufig sehr coole Dirndl.

Zu welchem Modell raten Sie, wenn eine Kundin in ihr erstes Dirndl investieren möchte?

Ich würde bei den traditionellen Tönen wie Schwarz, Rot und Grün bleiben. Die passen immer. Ein schwarzes Dirndl kann man mit unterschiedlichen Schürzen immer aufpeppen – dasselbe gilt für Blusen.

Wie sieht die Luxus-Variante des Dirndls bei Sportalm aus?

Da gibt es verschiedene Modelle, wie zum Beispiel helle Kreationen aus Seiden-Jacquard. Zum Glück gibt es im Waldviertel und in Wien noch Firmen, die wunderbares Brokat herstellen und dieses dann noch mit Handverzierungen versehen. Das ist der Rolls Royce unter den Dirndln. Da bewegen wir uns preislich schon bei 800 oder 900 Euro.

Wie stehen Sie zur Lederhose als Alternative?

Finde ich witzig, wenn man es sich figurtechnisch erlauben kann. Ansonsten ist ein Dirndl gnädiger, weil es einige Problemzonen dezent verhüllt. In der Lederhose werden sie gnadenlos offenbart. Aber ein kesses Mädl in der Lederhose hat auf jeden Fall seinen Reiz.