Männer sind modebewusster geworden: Das war auch bei der Men‘s Fashion Week in London (im Bild: das it-Label Moschino) nicht zu übersehen.

© REUTERS/SUZANNE PLUNKETT

Stil
01/21/2015

Oh, Mann: Ist der Anzug Schnee von gestern?

Handtaschen, Buntes, Verrücktes: Der konservative Look für "ihn" hat ausgedient.

von Martin Burger

Mariah Carey besitzt nach eigener Aussage 10.000 Paar Schuhe. Von Männern sind derartige Superlative nicht bekannt. Noch nicht. Seit ungefähr zehn Jahren wächst das Angebot für den Mann von Welt langsam aber stetig. Und nun das: Die New York Times rückt ab kommenden April ein Mal im Monat einen Modeschwerpunkt, speziell für Männer, ins Blatt. Geplanter Umfang: zwölf bis 14 Seiten. Erscheinungstermin: immer am ersten Freitag eines Monats. Ein vergleichbares Produkt gibt es in der österreichischen Medienlandschaft nicht.

Die Zeitungsmacher haben ihre Leserschaft auf das neue Produkt eingestimmt: "In den vergangenen sechs Monaten haben wir mehr Männer-Berichte gemacht als je zuvor", sagt der Modechef des Blatts, Stuart Emmrich. Die an Mode interessierte Leserschaft der NY Times, die bereits drei Mode-Beilagen – Thursday Styles, Sunday Styles, T Magazine – herausbringt, teile sich zu je 50 Prozent auf Männer und Frauen auf.

Der Zeitpunkt für ein neues Mode-Medium ist günstig. "Männermode legt unfassbar schnell zu, auch im Accessoire-Bereich. Dinge wie Schmuck und Unterwäsche für Männer sind große Wachstumsmärkte", sagt der österreichische Fashion-Experte Christoph Steiner. "Männer- und Frauenmode inspirieren einander sehr stark. Jeder Trend, der bei Frauen aufkommt, ist lustigerweise bei den Männern spätestens eine Saison danach ebenfalls deutlich vertreten, und umgekehrt genauso." Feminine Themen wie Transparenz und Spitze spielen daher auch für Männer eine Rolle. Genauso wie Herrentaschen, "die man durchaus auch als große Handtaschen interpretieren könnte", sagt Wiener-Chefredakteur Wolfgang Wieser.

Für den modebewussten Mann brechen spannende Zeiten an: "Es gibt einfach nicht mehr das eine Männerbild, das sich klassisch am Anzug orientiert. Es ist heute viel leichter, durch das größere Angebot abseits eines konservativen Looks seine Persönlichkeit auszudrücken."

Seine sinnliche Seite

Auffällig gekleidete junge Männer gab es bereits in der Vergangenheit. Dandys waren im 18. und 19. Jahrhundert stilprägend. Doch der Mann 2.0 ist tatsächlich etwas Neues, ein um sein äußeres Erscheinungsbild besorgtes Wesen. "Wir sehen heute ein sinnlicheres Bild des Mannes, mit Designern wie Dries van Noten, die sich von russischen Ballett-Tänzern inspirieren lassen, und die den Mann von seiner verletzlichen Seite her zeigen."

Bleibt die Frage: Wieso tun sich die Männer das an, Herr Wieser? "Weil wir einfach gut ausschauen wollen, und weil das alte Sprichwort von der Tante Jolesch nicht immer gilt."

Etwa 70 Prozent der Männer greifen heute zu Cremen und anderen Pflegeartikeln, heißt es in einer Befragung von „Kosmetik transparent“. Viel mehr noch als in den 1990er-Jahren, in denen Gesichtscremen für den Mann rar waren und Herren, die sich länger als nötig im Badezimmer aufhielten, als etwas Exotisches empfunden wurde. Seit einigen Jahren widmen sich Männer vermehrt der Körperpflege. „Er“ rasiert sich gründlich, legt Wert auf eine perfekte Frisur und nimmt dazu auch gerne Beauty-Helfer zur Hand. Mann sein und schön sein wollen, das schließt sich nicht mehr aus, und das hat mehrere Ursachen:
An erster Stelle stehen modische Trends wie die metrosexuelle Lifestyle-Bewegung, vertreten durch den ehemaligen Fußballgott David Beckham und jetzt aktuell durch Cristiano Ronaldo. Daneben gibt es heute die lumbersexuellen Männer, die ebenfalls in sind. Dieser vom Holzfäller-Beruf inspirierte Typ Mann trägt Rauschebart, inszeniert sich maximal maskulin, aber perfekt gepflegt.

Doch egal, ob er mit dem bärtigen Trend mitgeht oder doch den rasierten Gentleman-Stil bewahrt, der Mann investiert in sein Äußeres.
Neben der Mode spielt die Selbstinszenierung eine Rolle, die in den vergangenen Jahren den eigenen Körper ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat. Die Kosmetikindustrie hat den Zug zu Creme, Nasenhaartrimmer und Pinzette gewittert und passt sich diesen Gepflogenheiten an.
Sofort-EffektWas will Österreichs gepflegte Männerwelt? Schnell muss es gehen, preiswert sollen die Beauty-Helfer sein und, wenn möglich, auch noch mit einem Sofort-Effekt punkten, verjüngen, erfrischen oder die von nächtlichen Einsätzen gestresste Haut beruhigen.
Bei den Inhaltsstoffen sind die Ansprüche hingegen eher niedrig. Funktionieren, also wirken, sollen die Cremen und Rezepturen aus den Tiegeln. Womit sie das tun, ist eher Nebensache. Denn besonders viel Geld ausgeben für natürliche Inhaltsstoffe oder für teure Bio-Erzeugnisse, das stößt auf wenig Verständnis und Begeisterung.

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