Style
18.01.2018

Wie ein günstiges Ballkleid hochwertig aussieht

Designer Juergen Christian Hoerl verrät, wie sich das Abendoutfit abwechslungsreich stylen lässt - und warum ein Schneider so wichtig ist.

Heuer ist die Ballsaison besonders kurz, man könnte auch sagen: intensiv. Am 18. Jänner steht mit dem Ball der Wiener Philharmoniker der erste Höhepunkt auf dem Programm, ehe am 8. Februar in der Staatsoper gewalzt wird und die Saison nach dem Faschingdienstag – dieser fällt heuer bereits auf den 13. Februar – in die Fastenzeit übergeht.

Für Juergen Christian Hoerl wird es in den kommenden Wochen kaum eine ruhige Minute geben, schließlich lassen sich Prominente wie Mirjam Weichselbraun und Conchita Wurst von dem Designer luxuriöse Kleider auf den Leib schneidern. Auf die kommenden Bälle freut sich der Wiener besonders, denn der Trend gehe wieder zu mehr Farbe, wie er im Gespräch mit dem KURIER verrät. "Die vergangenen Jahre waren diesbezüglich eher trist", sagt der Modemacher. Auch Regine Meyer zu Starten, Commercial Director bei Peek & Cloppenburg, bemerkt eine vermehrte Nachfrage nach pudrigen Nuancen wie Rosé und kräftigen Farben. "Mutigere greifen zu knalligem Rot und sattem Grün", so die Einkäuferin. Klassiker wie Schwarz und Dunkelblau gehören weiterhin zu den Bestsellern.

Schwere Satin-Stoffe werden wieder populärer, bei denen Kellerfalten dafür sorgen, dass der Rockteil zwar weit fällt, jedoch nicht aufträgt. "Das trägerlose Bustier wird auf Winterbällen zunehmend von Modellen mit Rundhalsausschnitt abgelöst", erzählt die Expertin.

Schneider nicht scheuen

Dass es für den großen Auftritt auf der Feststiege nicht unbedingt eines riesigen Budgets bedarf, weiß Juergen Christian Hoerl. "Es muss nicht immer ein Designerkleid sein", findet der Modemacher. "Wichtig ist jedoch eine gute Beratung." Statt sich nur an aktuellen Trends zu orientieren, müsse das Kleid zur Persönlichkeit der Trägerin und ihrer Figur passen. Frauen mit großer Oberweite empfiehlt er transparente Dekolleté-Einsätze. Wer seine Arme lieber bedeckt hält, kann als Alternative zum langärmeligen Kleid zur Stola greifen. Wer auf dem Ball viel tanzen will, müsse laut Hoerl das Outfit bereits bei der Anprobe auf dessen Bewegungsfreiheit prüfen.

Sein wichtigster Tipp: "Nicht den Gang zum Schneider scheuen." Dieser kürzt – das Kleid muss mit dem Boden abschließen und darf hinten einen Hauch länger sein – und passt es der Figur an. Jenen, die nicht jedes Jahr in ein neues Ball-Outfit investieren wollen, rät der Designer zu einem schlichten Kleid: "Je reduzierter die Linie, desto leichter ist es in den kommenden Jahren tragbar." Kundinnen, die in einer Saison mehrere Bälle besuchen, greifen gerne zu Kombinationen aus Rock und Korsage. "Man kann ein Oberteil kaufen und dazu mehrere Röcke. Das ist die optimale Lösung, um jedes Mal neu angezogen zu sein", weiß Hoerl. Auch mit einem zusätzlichen Überrock oder einem Taillengürtel lasse sich ein Kleid variieren.

Ob große Robe für den Opernball oder elegantes Abendkleid auf dem Kaffeesiederball – das Styling entscheidet über ein stilvolles Gesamtbild. "Auf alle Fälle müssen die Schuhe geschlossen sein", sagt Hoerl. Offene Sandalen gehören in die warme Jahreszeit. Schöner Schmuck rundet das Outfit ab, die Armbanduhr bleibt, ebenso wie große Handtaschen, zuhause. Passt immer: eine Clutch (gerne verziert) oder ein kleines Henkel-Täschchen.

Im Zweifelsfall rät der Designer bei Accessoires und Make-up zu dezenteren Kreationen und Farben: "Ich bin kein Fan von übertriebenen Ball-Looks. Die Reduktion auf die Person ist viel spektakulärer – und charmanter."