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Style
10/28/2019

Ein Prada tragender Teufel? Was "Vogue"-Chefin Anna Wintour dazu sagt

Am 3. November feiert die einflussreichste Mode-Journalistin der Welt ihren 70. Geburtstag.

Die gro├če dunkle Sonnenbrille setzt Anna Wintour nur ganz selten ab. "Sie ist unglaublich hilfreich, denn man kann verhindern, dass Menschen wissen, wor├╝ber man gerade nachdenkt", sagte die Chefin der US-Modezeitschrift "Vogue" einmal in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN. In Modekreisen sind sie und ihre Markenzeichen Legende. Am Sonntag (3. November) wird Wintour 70 Jahre alt.

"Sie hilft mir auch, wenn ich ein bisschen m├╝de oder schl├Ąfrig bin. Und vielleicht ist sie auch ein bisschen zu so einer Art Kr├╝cke geworden von allem, was ich bin." Zur Sonnenbrille geh├Âren der akkurat geschnittene braune Bob mit Stirnfransen und ein Haute-Couture-Kleid - und sofort w├╝rden wohl selbst Menschen, die sich nicht f├╝r die Mode-Branche interessieren, Wintour auf der Stra├če wiedererkennen. "Schon ihre Frisur ist aus dem Weltall sichtbar", witzelte j├╝ngst der britische Guardian.

Von all dem Interesse an ihrem Aussehen h├Ąlt Wintour selbst allerdings nicht so viel. Es sei keine "strategische Entscheidung" gewesen. "Ich habe mich einfach gut damit gef├╝hlt, das war alles. Ich bin ein Gewohnheitstier." Seit einiger Zeit sei ihr ihre Garderobe allerdings "ein bisschen langweilig" geworden, sagte Wintour vor kurzem bei einer Konferenz. "Es ist Zeit f├╝r eine Ver├Ąnderung. In j├╝ngster Zeit denke ich viel ├╝ber Anz├╝ge nach."

Nicht auf der Suche nach pers├Ânlicher Anerkennung

Aber die 1949 in London als Tochter eines Zeitungsherausgebers geborene Wintour stellt auch klar: "Ich arbeite nicht f├╝r Anna Wintour. Ich arbeite f├╝r den Conde-Nast-Verlag. Ich habe keine eigenen Social-Media-Plattformen oder suche nach pers├Ânlicher Anerkennung."

Bei ihrer Arbeit hat Wintour sp├Ątestens seit dem Erfolgsfilm "Der Teufel tr├Ągt Prada" von 2006, in dem Meryl Streep eine unverkennbar auf Wintour basierte Magazin-Chefredakteurin spielt, den Ruf einer teuflisch-fiesen Chefin weg, die st├Ąndig das Unm├Âgliche will und keinerlei Fehler verzeiht. Auch das ist ein Baustein der Marke geworden - und sie tr├Ągt es mit Fassung. "Manchmal gibt es da eine bestimmte Art von pers├Ânlicher Kritik gegen mich, die wahrscheinlich ein Mann in meiner Position nicht abbekommen w├╝rde", sagt die Mode-Ikone - aber auch: "Ich bin sehr fokussiert. Also vielleicht auch wegen meiner Klarheit und meinem Fokus habe ich das nicht an mich herangelassen."

F├╝r Conde Nast ist Wintour, die beim Londoner Nobel-Kaufhaus Harrods eine Ausbildung machte und dann ├╝ber verschiedene Mode-Magazine zur Vogue kam, sowieso l├Ąngst unverzichtbar geworden. Schon das leise Ger├╝cht eines R├╝ckzugs der Grande Dame jagt Schauer des Entsetzens durch die Modemagazin-Branche. Im vergangenen Jahr wurden die Ger├╝chte so laut, dass sich der New Yorker Verlag gezwungen sah, per Mitteilung zu erkl├Ąren, Wintour sei "unglaublich talentiert und eine Kreativchefin mit unmessbarem Einfluss". Sie werde "unbefristet" weitermachen. Wintour selbst ├Ąu├čerte sich dazu nicht.

Seit 1988 ist Wintour, die zwischen 1984 und 1999 mit dem Kinderpsychologen David Shaffer verheiratet war und mit ihm einen Sohn und eine Tochter hat, schon Chefredakteurin der Vogue. Die Magazinwelt um sie herum hat sich w├Ąhrenddessen komplett ver├Ąndert. "Bei meinem ersten Job als junges M├Ądchen in Gro├čbritannien war es eine tolle Sache, wenn wir 90.000 Menschen erreicht haben. Jetzt haben wir etwa 22 Millionen Fans auf dem Instagram-Account der US-Vogue." Gleichzeitig sinken allerdings die Print-Auflagen von vielen Magazinen immer weiter, Werbeeinnahmen brechen weg.

Journalisten m├╝ssten heutzutage Standpunkte beziehen, davon ist Wintour, die jeden Tag vor 5.00 Uhr aufsteht, ├╝berzeugt. "Die Menschen wollen wissen, woran du glaubst und wof├╝r du stehst. In dieser Zeit der Fake News, wo Wahrheit, Werte und die Unterst├╝tzung Bed├╝rftiger so wenig angesehen werden, haben wir eine moralische Pflicht f├╝r das einzustehen, was richtig ist."

Wintours Standpunkt ist dabei entschieden auf Seiten der Demokraten: Die fr├╝here First Lady Michelle Obama und die demokratische Pr├Ąsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton feierte sie auf dem Cover der Vogue. Der Auftritt der derzeitigen First Lady Melania Trump im Hochzeitskleid auf dem Titelbild der Vogue 2005 bleibt dagegen bisher ihr einziger. Und auch in Hinblick auf Melanias Mann und US-Pr├Ąsident Donald Trump ist Wintours Meinung eindeutig. Was der tun k├Ânne, um zur legend├Ąren "Met Gala" eingeladen zu werden, mit der Wintour jedes Jahr die Party mit der begehrtesten G├Ąsteliste New Yorks feiert? "Absolut nichts."

Eine herzliche Beziehung hat Wintour dagegen mit der Queen. Seit 2017 darf die Mode-Ikone sich nach Auszeichnung der britischen Monarchin "Dame" nennen, ein Jahr sp├Ąter sa├čen die beiden Frauen nebeneinander in der ersten Reihe der Londoner Modewoche. "Wir haben dar├╝ber gesprochen", erz├Ąhlte Wintour danach, "wie lange wir beide schon unsere jeweiligen Jobs machen".

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