Style
15.01.2018

Was Sie bei Anzug, Smoking und Frack beachten sollten

Es ist kompliziert. Oder doch nicht? Die Grundlagen für eine modisch gelungene Ballnacht.

Die Ballsaison soll ja so manchem Herren die Schweißperlen ins Gesicht treiben, bevor er auch nur einen Fuß aufs Tanzparkett gesetzt hat: Was anziehen – Anzug, Smoking, Frack? (Und was ist überhaupt ein Kummerbund?)

Dabei ist die Angelegenheit gar nicht so kompliziert, erklärt Martin Sturm, Inhaber von Sturm privat, Wiener Herrenausstatter für festliche Anlässe. Im Grunde gibt es auf Bällen drei Dresscode-Kategorien für Männer. Oberstes Gebot: Halten Sie sich daran. "Wenn auf der Einladung ‚festliche Kleidung‘ steht, hat der Mann einen dunklen Anzug, vorzugsweise in Schwarz oder Mitternachtsblau, zu tragen", sagt Sturm. "Der sollte aus leichten Stoffen gefertigt sein, damit man beim Tanzen nicht zu sehr schwitzt." Woran erkennt man, dass der Anzug optimal sitzt? Martin Sturm nennt die wichtigsten Kriterien:

  • Die Ärmellänge des Sakkos muss so gewählt sein, dass man die Hemdenmanschette sieht.
  • Der Kragen darf nicht vom Nacken abstehen.
  • Das Sakko darf keine Falte am oberen Unterkragen machen.
  • Das Sakko darf auch nicht am Revers aufspringen und glatt fallen.
  • Die Sakkolänge sollte das Gesäß bedecken.
  • Die Hosentaschen dürfen nicht "aufklaffen".
  • Die Hosenlänge soll einen leichten Knick am Schuh werfen - also nicht zu kurz und auch nicht zu lange sein.

Von Farbexperimenten beim Hemd rät der Experte ab. "Ich empfehle Weiß mit Doppelmanschette, im Gegensatz zum Smoking muss die Hemdleiste aber nicht verdeckt sein. Auch die Farbe der Krawatte sollte gedeckt und eventuell auf das Kleid der Dame abgestimmt sein."

Spiegel und Galon

Wird ein "Abendanzug", "cravate noir" oder "black tie" gefordert, muss ein Smoking her. Er unterscheidet sich nur in Details vom Anzug: Das Revers ist nicht aus dem Oberstoff der Jacke gefertigt, sondern aus schwarzer Seide ("Spiegel" genannt) oder Satin, die Längsnähte der Hose werden von einem passenden Material überdeckt ("Galon"). "Niemals eine weiße Jacke wählen, da diese ausschließlich Vor- und Nachmittagsveranstaltungen vorbehalten ist", sagt Sturm. In der Leibesmitte hat der Mann die Wahl zwischen Weste und Kummerbund (Schärpe) in der Farbe der Fliege. In jedem Fall gilt: Hosenträger nicht vergessen. Eine Smokinghose verfügt nämlich über keine Gürtelschlaufen.

Die höchste Kategorie der festlichen Herrenmode ist der "große Gesellschaftsanzug", "white tie" oder "cravate blanche": der Frack. Die taillenkurze Jacke mit den knielangen Schwalbenschwänzen am Rückenteil ist in Österreich nur auf drei Bällen Pflicht: Opernball, Philharmonikerball (seit 2017) und Ball der Industrie und Technik (Techniker-Cercle). "Ein Frack ist die Königsdisziplin. Dafür muss man etwas mehr als 1000 Euro rechnen", weiß Sturm. Ein Leihfrack inklusive Hemd, Weste, Fliege und Knöpfe kostet in Wien etwa 250 Euro (z.B. bei Kleiderverleih Rottenberg). Dazu kommen Lackschuhe, denn sowohl bei Frack als auch Smoking gilt: Untenrum muss es glänzen.

Dont’s

– nackte Beine: daher auch keine kurzen Socken, sondern Kniestrümpfe wählen. So kommt garantiert keine Haut zum Vorschein.

– Am falschen Platz sparen: Für einen hochwertigen Anzug sollte man 400–500 € rechnen, für einen Smoking 450–650 €. Frack ca. 1000 €.

– Protzen: Schmuck (Uhren usw.) sollte keinen allzu großen Stellenwert einnehmen.

Do’s

– Dresscode beachten: Signalisiert Respekt vor dem Veranstalter und outet einen nicht als Ball-Anfänger.

– Schwarz-Weiß sehen: Nicht verwechseln – Smoking mit schwarzer, Frack mit weißer Fliege tragen.

Er muss sie zur Ballkönigin erheben

Für Tanzschulbesitzer Roman Svabek ist klar: Erst ein achtsames Verhalten macht aus einer Ballnacht ein einzigartiges Event. In Zeiten von #MeToo sei das Beachten der Etikette relevanter denn je, sagt der Zeremonienmeister des Wiener Opernballs und Autor von "Küss die Hand! Heiteres aus der Welt der Etikette" (Amalthea Verlag, 20 €). "Tanzen an sich hat ja eine starke sexuelle Komponente. Es verlangt ein Maß an Sitte, damit sich beide wohlfühlen. Wird mir der Körperkontakt zu eng, muss ich das kommunizieren."

Es sei die Aufgabe des Mannes, "die Dame zur Ballkönigin zu erheben", betont Svabek: "Sie hofieren, ihr die Türe aufhalten, ernst nehmen, was sie sagt und tut, ihr auf dem Weg zur Tanzfläche nicht davonlaufen." Auch der Handkuss gehöre nach wie vor zum gesellschaftlichen Leben. "Allzu intensiven Kontakt bitte vermeiden." Apropos: "In einer kleineren Runde bei Tisch gehört es sich, jede Person per Handschlag zu grüßen. Ab sechs Personen reicht der allgemeine Gruß in die Runde." Das erste Gespräch sollte an die "fremde" Sitznachbarin gerichtet sein. "Danach kann man sich ruhig wieder der Partnerin widmen."

Bei der Aufforderung zum Tanz pocht Svabek auf Gleichberechtigung. "Dass die Dame den Herren auffordert, ist nicht nur legitim, sondern Pflicht." Umgekehrt gilt: Der Mann darf eine Einladung aufs Parkett niemals ablehnen. "Warum aber sollte er auch", sagt Svabek: "Es kann doch nichts Schöneres geben, als mit einer Dame zu schöner Musik über das Parkett zu gleiten."