Ambros mit seinen den Zwillingen Sebastian und Rosalie in seinem Haus in Tirol.

© KURIER/Franz Neumayr

Im Interview
08/23/2014

Ambros: "Ich habe an Selbstmord gedacht"

Eine Rücken-Erkrankung zwang Austropop-Legende Wolfgang Ambros beinahe in den Rollstuhl. Das Interview.

Er ist wieder "voll da", wie Wolfgang Ambros (62) selbst sagt. Nicht nur auf der Bühne – letzte Woche begeisterte er beim "Hafen Open Air" –, sondern auch als Vater seiner vierjährigen Zwillinge Rosalie und Sebastian. Im Garten seines Hauses in Waidring in Tirol spielt er mit den Kleinen, während seine Ex-Lebensgefährtin Anne Regner (39) Kaffee serviert. "Unsere Wohngemeinschaft funktioniert super", sagt er mit gewohnt rauchig-heiserer Stimme. Im letzten Jahr hatte die gebürtige Deutsche die Austropop-Legende ("Schifoan") verlassen. Für einen Freund aus der Ortschaft.

Nicht der einzige Schlag für den Musiker: "Aufgrund einer angeborenen Rückgratverkrümmung konnte ich kaum mehr gehen und hatte fürchterliche Schmerzen. Es wurde immer schlimmer." Nur eine achtstündige Operation, bei der sechs Wirbel "herausgeschnitten und gerade zusammengeschraubt wurden", konnte den 62-jährigen dreifachen Vater (Sohn Matthias aus der Ehe mit Margit Ambros ist 32) vor einer Zukunft im Rollstuhl bewahren. Im KURIER-Interview spricht Ambros über die schwerste Zeit seines Lebens, die Kinder als Lebensretter und seine neue LiebeUta Schäfauer(49), die er seit 30 Jahren kennt.

KURIER: Wie anstrengend war der erste Auftritt nach der OP?
Wolfgang Ambros:
Nicht mehr und nicht weniger anstrengend als meine Auftritte vor der OP. Ich bin wieder voll da und ärgere mich, wenn gesagt wird: "Er musste im Sitzen singen." Das würde ich doch sowieso tun! Vielleicht gehe ich noch ein bisschen schlecht, aber ich habe keine Schmerzen mehr. Drei Monate noch, dann bin ich bin wieder ganz der Alte. Und im Winter will ich wieder "schifoan". (lacht)

Was wäre passiert, wenn man Sie nicht operiert hätte?
Dann würde ich jetzt im Rollstuhl fahren. Es war am letzten Drücker. Nach zwei Wochen bin ich nach Hause gekommen, mit Krücken und einem Rollator, den ich kein einziges Mal benützt habe. Aber ich bin in ein tiefes Loch gefallen, bin nur herumgesessen, konnte nichts essen und habe fürchterlich ausgesehen. Wenn ich meine zwei (deutet auf Rosalie und Sebastian) nicht gehabt hätte, weiß ich nicht, was passiert wäre ...

Das klingt nach gefährlichen Depressionen.
Und ob! Ich habe zwar gewusst, dass ich von selbst wohl nicht sterben würde, weil meine Organe dafür viel zu gesund sind. Aber wenn du vor Augen hast, ein Krüppel zu sein, denkst du an alles. Auch an Selbstmord. Dann habe ich meine Kinder angeschaut und mir gedacht, sollen die zwei mal sagen: "Der Vater hat sich umgebracht." Das konnte ich nicht. Obwohl ich schon Schlaftabletten gehortet hatte. Aber jetzt lacht mich die Zukunft ja wieder an.

Auch Anne, mit der Sie in einer WG leben, war trotz der Trennung für Sie da?
Wahnsinn, sie hat keine Sekunde daran gedacht, mich im Stich zu lassen. Aber auch meine Freundin Uta ist, so oft wie möglich, aus Deutschland gekommen. Da habe ich mich immer zusammengerissen. (lacht)

Sie sind also frisch verliebt?
Nicht "frisch" – ich kenne Uta seit ihrem 18. Lebensjahr. Sie lebt in der Nähe von Stuttgart, aber wir haben uns nie aus den Augen verloren. Anne kennt sie auch seit neun Jahren und versteht sich gut mit ihr. Wir sind jetzt alle eine tolle Patchwork-Familie.

Welche Pläne haben Sie?
Im Herbst jagt ein Konzert das nächste und in meinem Lokal (die Kleinkunstbühne befindet sich in Ambros Haus; www.oasal.at) tut sich auch eine Menge. Fad wird mir nicht.

Sie haben die heimliche Hymne "Schifoan" geschrieben. Was sagen Sie zur Töchter-Debatte?
Ich biete mich gerne an, die Hymne neu einzusingen und zu beweisen, dass man die Töchter einbinden kann. Ich war schon immer ein "Emanz" und bin kein Macho. Fragen Sie alle 500 Frauen, die mit mir zusammen waren!

Waren es wirklich 500?
Mindestens. (lacht)

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