Unterwegs mit Christine Wallner im Strandbad Klosterneuburg.

© KURIER/Jeff Mangione

Unterwegs mit
09/14/2014

Christine Wallner: Die Kraftplätze einer starken Frau

In Afrika fand die Wiener Ärztin ihr neues Leben, eine neue Liebe und eine große Aufgabe. Ihre ungeschminkte Biografie berührt.

von Maria Gurmann, Jeff Mangione

Kraftplätze ziehen sie an. Einer von ihnen ist der naturbelassene Donau-Altarm beim Strandbad Klosterneuburg. Auf der einen Seite historische Kabinen und Badehütteln, auf der anderen der Sandstrand, Schatten spendende Waiden und der Treppelweg entlang der Donau. "Meine Kraftplätze haben mich beflügelt, das zu machen, was ich wollte."

Ihren wichtigsten Kraftplatz fand Christine Wallner vor sieben Jahren unter einem Maulbeerfeigenbaum auf einem Hügel zwischen Kilimandscharo und Mount Meru. "Es war ein lebenslanges Vorhaben, in Afrika meine Fähigkeiten als Ärztin und Heilerin armen Leuten zur Verfügung zu stellen", erzählt die 69-jährige Wienerin glückselig auf dem Tretboot. Einen Platz, der ihre Visionen fördere und nicht blockiere, habe sie gesucht und gefunden. Dass sich die von Ex-Casino-General Leo Wallner geschiedene Frau dort auch in einen afrikanischen Farmer verlieben würde, war nicht geplant.

Africa Amini Alama, Christine Wallner, Cornelia Wa…

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Christine Wallner

Christine Wallner

Christine Wallner

Christine Wallner

Christine Wallner

Christine Wallner

Christine Wallner

Die Society-Welt hatte sie schon lange hinter sich gelassen. Die quälende Hautkrankheit, die ihr schönes Gesicht jahrzehntelang mit eitrigen Kratern übersäte, ist seit ihrem Abschluss des Medizinstudiums, das sie mit 40 begann und in Windeseile als doppelte Frau Doktor abschloss, auch verschwunden.

Von der Mutter ungeliebt, von einer schweren Leberkrankheit gezeichnet, aus den Fesseln der Ehe geflüchtet und von der großen Liebe – ein prominenter Politiker der Kreisky-Ära – im Stich gelassen. Selbstmordgedanken. So verlief das Leben von Christine Wallner, die nach der Matura ihr Jus-Studium abschloss, nur um ihrem Vater zu gefallen. Doch die Geschichte, die sie ungeschminkt, berührend und mitreißend in ihrer Biografie (Mama Alama, Die weiße Heilerin, Orell Füssli) erzählt, hat ein Happy End, das in Tansania begann.

Neues Leben

Über das Vergangene denkt die zweifache Mutter und vierfache Großmutter nicht nach. "Ich denke immer, heute ist der Tag deines zukünftigen Lebens", sagt sie, krempelt ihre Jeans auf, macht einen Schritt ins kalte Donauwasser, rutscht aus und taucht unter. Sie liebt solche ungeplanten Situationen, lacht mit ihren blitzblauen Augen und schwimmt gleich ein Stück weiter. "Wasser ist mein Element."

Vom Land der Meru und Massai magisch angezogen, baute sie dort eine Krankenstation, danach eine Schule und ein Waisenhaus. "Afrika Amini Alama" (frei übersetzt: Ich glaube an Afrika) nennt sie ihr Projekt. 1,5 Millionen Euro von ihrem privaten Vermögen investierte die Ärztin. "Ich habe alles verkauft. Jetzt hab ich noch eine kleine Wohnung in Wien und 1300 Euro Pension. Das reicht."

Weitere 1,5 Millionen Euro spendeten Freunde, Unternehmer und Arztkollegen, wie Artur Worseg, der die Schule in Momela finanziert. In sieben Jahren schaffte es Wallner, Näherinnen auszubilden, um die Frauen in ihrer Selbstständigkeit zu stärken und eine Berufsschule für Maurer und Tischler zu gründen. Bildung ist die Basis, damit die Schüler von heute, als gebildete Erwachsene einmal Wallners Projekt weiterführen können.

Große Visionen

Bis dahin hilft ihre Tochter Cornelia Wallner, mit Leib und Seele Ärztin wie ihre Mutter, Africa Amini Alama weiterhin aufzubauen. Cornelias strohblonde Kinder teilen die Schulbank mit den Meru- und Massai-Schülern als wäre es das Natürlichste der Welt. "Ich weiß auch, dass ich das Projekt verlassen kann, ohne es im Stich zu lassen", sagt Christine Wallner, die eine zweite Ferienlodge am Mount Meru plant, deren Einnahmen ihr Projekt erhalten sollen.

Von dem Meru-Mann, in den sie sich vor sieben Jahren unter dem Maulbeerfeigenbaum verliebte, hat sich Christine Wallner gerade getrennt. Von Afrika nicht. "Ich möchte dort in einem der neuen Häuser zu meiner ursprünglichen Arbeit – weg von Organisation und örtlicher Politik als ,Mama Alama’ – zurück kehren. Als Allgemeinmedizinerin und Heilerin."
Buchtipp: "Mama Alama", Die weiße Heilerin, Biografie von Christine Wallner, Verlag: orell füssli, Preis: 20,60 Euro

Spenden: www.africaaminialama.com

Africa Amini Alama Unterstützungsverein in Österreich

IBAN: AT14 1200 0518 4603 1508

BIC: BKAUATWW

4 Fragen - 4 Antworten

Orakel sind für mich Wegweiser, und ich halte mich daran.

Mein schönstes Erlebnis war in Afrika, als eine Mutter mir ihr kleines krankes Kind brachte und wir beide uns in ein energetisches Feld gebracht haben, das letztendlich zur Heilung geführt hat. Das Unmögliche möglich machen.

Wütend werde ich selten.

Die Society-Welt war nicht die Welt, in der ich mich als junger Mensch wohfühlte, der ich aber jetzt dankbar bin, weil ich weiß, wenn man Hilfe braucht, muss man zu den Menschen gehen, die viel erreicht haben.