"Die Rosenheim-Cops"-Star: Mutter war zwei Jahre im Gefängnis

Karin Thaler hat ein Buch geschrieben. In "Stark, weil ich stark sein musste: Die Doppelrolle meines Lebens" erzählt sie von der Inhaftierung ihrer Mutter und vom Leben am finanziellen Existenzminimum.
Karin Thaler

Die Schauspielerin Karin Thaler, bekannt aus der beliebten TV-Serie "Die Rosenheim-Cops", gewährt in ihrem neuen Buch "Stark, weil ich stark sein musste: Die Doppelrolle meines Lebens" einen tiefen Einblick in die komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter. 

Dabei spricht die 60-Jährige auch über eine Lebensphase, die sie und ihre Familie nachhaltig geprägt hat: die Verhaftung und Inhaftierung ihrer Mutter wegen versuchter räuberischer Erpressung Mitte der 1990er Jahre. Mehr als zwei Jahre saß ihre Mutter im Gefängnis.

Thaler: "Ich musste kämpfen und überleben"

"Ich konnte mir das nicht vorstellen: meine Mama im Gefängnis. Ich hatte immer Angst um sie. Es war wahnsinnig schlimm", erinnert sich Thaler im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Ihre Mutter hatte mit Spielsucht und Schulden zu kämpfen. Der Serienstar beschreibt die Zeit der Inhaftierung ihrer Mutter als tiefen Einschnitt im Leben ihrer Familie, aber auch als eine Erfahrung, die sie alle enger zusammengeschweißt habe. "Die Liebe – die blieb. Bis zum Schluss", betont sie im Gespräch. Trotzdem: "Für uns als Familie war es eine Katastrophe."

Die Verhaftung ihrer Mutter traf Thaler völlig unvorbereitet und mitten im Arbeitsalltag, erinnert sie sich. Sie befand sich gerade am Filmset, als sie die schockierende Nachricht erreichte. "Das fühlt sich an wie kurz vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Keine Luft – Todesangst", beschreibt sie im Interview das Gefühl, das sie in diesem Moment überkam. 

Doch sie hatte keine Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, sondern musste sofort handeln. "Ich musste funktionieren, in den Rettungsmodus gehen, einen Anwalt finden, mit der Polizei sprechen – und parallel bin ich zurück ans Set gehetzt, lächeln und Leichtigkeit vorspielen. Das war eine völlig kranke Situation. Ich musste kämpfen und überleben." Diese Doppelbelastung habe sie zwar stärker gemacht, aber sie betont: "Ich bin dadurch stark geworden, aber nicht hart. Das ist für mich ganz wichtig."

Ehemann hat aus Hunger Katzenfutter gegessen

Im Buch, das am 1. April beim Verlag Knaur HC erscheint, schildert die Schauspielerin, wie die Spielsucht ihrer Mutter das Leben der gesamten Familie auf den Kopf stellte. Neben der psychischen Belastung führte die Situation auch zu finanziellen Engpässen. 

Thaler und ihr Mann Milos Malesevic hatten zeitweise kaum genug Geld, um sich Essen leisten zu können. "Es ging uns richtig, richtig mies." Die Situation war derart prekär, dass Malesevic sogar Katzenfutter gegessen habe, um den Hunger zu stillen. "Wir haben lange überlegt, ob das ins Buch kommt. Aber es gehört dazu", sagt Thaler gegenüber spot on news offen. Das Paar arbeitete sehr viel, um der finanziellen Notsituation entkommen zu können.

Trotz der finanziellen und emotionalen Belastungen hielt sie unerschütterlich zu ihrer Mutter. Sie unterschrieb Bürgschaften, zahlte Schulden zurück und unterstützte sie finanziell, wann immer es möglich war. Thaler hat es geschafft, mit diesen Erfahrungen emotional abzuschließen. Ihre Mutter machte sich zeit ihres Lebens starke Vorwürfe. "Meine Mama hat sich das alles aber nie verziehen. Für mich ist das ein zentraler Punkt: Vergebung. Auch sich selbst zu vergeben. Das ist für mich der Schlüssel zu Glück und Heilung", ist sie überzeugt.

Ein Buch der Liebe und der Wertschätzung

Ihr Buch ist für Thaler nicht nur eine Möglichkeit, ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen, sondern auch ein Prozess der persönlichen Verarbeitung. Sie habe "nach dem Tod meiner Mama 2022 ihre Lebensbeschreibung gefunden. Sie hat immer gesagt: 'Irgendwann schreibe ich ein Buch, dann werden alle alles erfahren.' Ich weiß, dass sie mir das jetzt gönnt und sie glücklich ist, dass ich die Chance habe, vielleicht ein bisschen was daran zu verdienen", erklärt Thaler im Interview. Gleichzeitig sei das Schreiben für sie auch eine Art Therapie gewesen, um die schwierigen Erlebnisse zu verarbeiten.

Die Entscheidung, ihre private Geschichte publik zu machen, fiel der Schauspielerin nicht leicht. Sie habe sich ein Jahr Bedenkzeit genommen und sich mit ihrem engen Umfeld beraten. Während ihr Mann sie von Anfang an unterstützte, gab es auch kritische Stimmen. "Meine beste Freundin Tine, die eine große Rolle spielt, hat mich aber gewarnt: Manche werden denken, du machst das nur wegen des Geldes. Aber es ist eine Wahnsinnsgeschichte. Und sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Darum soll die Welt das wissen."

Im Interview erinnert sich Thaler auch daran, wie sie kurz vor dem Tod ihrer Mutter einen Schlussstrich unter die finanziellen Schwierigkeiten ziehen wollte. "Ich habe einen Zettel mit dieser Zahl darauf vor ihr zerrissen. Ich habe ihr vergeben und ein Buch der Liebe geschrieben, der Wertschätzung. Es zeigt, wie viel Liebe meine Mama uns geschenkt hat und wie sie uns alleine großgezogen hat, ohne dass uns etwas gefehlt hätte."

Am Ende ist "Stark, weil ich stark sein musste" nicht nur ein Buch über Schmerz und Verlust geworden, sondern in erster Linie über die größte Kraft, zu der die menschliche Seele fähig ist: anderen und auch sich selbst zu vergeben. 

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