Ein kurze Öffi-Fahrt für Prinz Charles

Britain's Prince Charles and his wife Camilla, Duc
Foto: Reuters/POOL

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der "Tube" ließ sich Charles im Untergrund blicken.

Seltener Anblick in der Londoner U-Bahn: Zum ersten Mal seit über einem Vierteljahrhundert hat sich Prinz Charles wieder bei einer Fahrt mit der "Tube" unters Volks gemischt. Zusammen mit seiner Gattin Camilla und zahlreichen Pendlern wagte er am Mittwoch eine kurze Fahrt. Damit würdigte das Paar das 150-jährige Bestehen der London U-Bahn. Allerdings legten Charles und Camilla auf der Metropolitan Line bloß eine Station zwischen Farringdon und King's Cross zurück.

Charles war zuletzt 1986 anlässlich der Eröffnung des neuen Flughafen-Terminals in London-Heathrow. Damals allerdings noch in Begleitung seiner damaligen Frau Prinzessin Diana.

150 Jahre und kein bisschen müde

Seit nunmehr 150 Jahren kutschiert sie Passagiere durch London. Die älteste U-Bahn der Welt feiert am 10. Jänner Geburtstag. Eine ähnliche Stationsdichte wie jene der Londoner U-Bahn - insgesamt sind 270 Stationen in Betrieb - erreichen andere Städte oft nicht einmal mit Straßenbahn- und Bus-Netzen. Von den Londonern schlicht "Tube" genannt, schlängeln sich Züge im zweitlängsten Metro-Netz der Welt - nur Shanghai hat mehr U-Bahn-Gleise - über nicht weniger als 402 Schienenkilometer. Der Spitzname "Tube" stammt übrigens von den charakteristischen röhrenförmigen Tunnelkonstruktionen der ersten Streckenabschnitte. Der erste Zug fuhr unter dem Namen "Metropolitan Railway" (die heutige Metropolitan Line) von der heutigen Paddington Station bis zur Farringdon Street. Beide Stationen sind auch heute noch, wenngleich unter leicht verändertem Namen in Betrieb. Nach der "Metropolitan Line" eröffneten Schritt für Schritt weitere private Betreiber einzelne Linien. Dabei entstand ein ziemliches Chaos, das unter anderem dazu führte, dass es heute rund 40 ungenutzte Stationen gibt. Erst später wurden Verbindungsstrecken gebaut, eine gemeinsame Vermarktung als "London Underground" begann 1908. "Mind the gap!" - die Aufforderung doch bitte den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig zu beachten, ist für viele Besucher schon fast ins Reich der britischen Folklore übergegangen. Seit kurzem warnt auch in der U-Bahn in Wien vor ebendieser Gefahr. Wirklich zu helfen scheint die Ansage jedoch nicht - jedes Jahr verunfallen alleine in London rund 80 Personen in besagtem Spalt schwer. London Underground ist dabei längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Sicherheit, Leistungsfähigkeit, Komfort - der ratternden, stöhnenden, häufig verspäteten "Tube" merkt man an allen Ecken und Enden ihr hohes Alter an. Die Auf- und Abgänge sind viel zu eng, die Bahnsteige zu schmal. Nur wenige Stationen sind mit Sicherheitstüren ausgerüstet, um den Sturz auf die Bahngleise zu verhindern. Noch immer gibt es eine Rolltreppe aus Holz. Die Regierung hat bis 2036 die gigantische Summe von 16 Milliarden Pfund zur Verfügung gestellt, um die "Tube" auf Vordermann zu bringen. Mehr als sechs Milliarden sind bereits verbaut. An Höchstleistungen wie bei den Olympischen Spielen 2012 war vor 150 Jahren noch nicht zu denken. Züge unter der Erde? Noch kurz vor der Eröffnung urteilte die Zeitung "The Times", die ganze Idee sei "eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes". Die Stimmung schwankte zwischen Skepsis und Technikbegeisterung. Doch schon im ersten Jahr nutzten 11,8 Millionen Passagiere die "Metropolitan Line", die Pionierlinie im Londoner Untergrund. London hatte damals knapp mehr als 3 Millionen Einwohner. Die aktuellen Zahlen wirken noch ein Stückchen beeindruckender: Pro Jahr fahren rund 28 Millionen Passagiere mit. Täglich werden bis zu 3,5 Millionen einzelne Reisen gemacht, an besonderen Tagen bis zu 4 Millionen. Die Zahl der U-Bahn-Fahrten steigt seit Jahren an, 2010/2011 waren es insgesamt 1,1 Milliarden. Zu den Hauptverkehrszeiten sind mehr als 525 Züge auf den Schienen. Jeder U-Bahn-Zug legt jährlich mehr als 184.000 Kilometer zurück. Es gibt 426 Rolltreppen und 164 Aufzüge in den Stationen. Doch die tiefen Tunnel bargen auch Gefahren. 1987 kamen bei einem Feuer in der Station King's Cross 31 Menschen ums Leben. Daraufhin wurden die Brandvorschriften verschärft und zahlreiche neue Sicherheitsregeln eingeführt - Rauchen wurde verboten. Am 7. Juli 2005 erlebte London die schlimmsten Terroranschläge seiner Geschichte: In drei U-Bahnzügen und einem Bus gingen Bomben hoch, 52 Menschen wurden getötet. Zum Abschluss noch ein Vergleich: Kostet eine Jahreskarte der Wiener Linien 365€, so muss man in London - nur um sich in Zone 1 bewegen zu können (wer schon mal in London war, der weiß dass man damit nicht weit kommt noch immer zu ) - schon 1500€ auf den Tisch legen. Zur besseren Einschätzung: Wohnt man leistbarer in Zone 3 des U-Bahn-Netzes werden gleich nochmal 250€ mehr für das Jahresticket fällig. Pendelt man gar aus der Maximal-Zone 9 in die City, so kostet die Jahreskarte stattliche 3900 Euro.

(APA / cka) Erstellt am
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