Stars 05.12.2011

Mariazell verabschiedete Otto Habsburg

Mehr als 1000 Menschen erwiesen am Mittwoch in der Basilika dem letzten Thronfolger Österreichs die letzte Ehre.

Das Requiem für den am 4. Juli verstorbenen Otto Habsburg und seine Frau Regina in Mariazell am Mittwoch begann wie es aufhörte. Mit der Melodie der Kaiserhymne "Gott erhalte". Beim Orgelpräludium zum Einzug um 14 Uhr klang sie nur an. Weihrauch lag in der Luft.

"Die Muttergottes in Mariazell ist die Schutzmuttergottes all' der Völker, mit denen unsere Familie traditionell verbunden ist", sagte Familienoberhaupt Karl Habsburg am Vormittag. Aus Ungarn und Tschechien, aus Rumänien, Deutschland und Österreich reisten Bischöfe, Äbte, Generalvikare und Priore in die Steiermark an.

Die Särge Ottos und seiner Gemahlin waren Dienstag in der Basilika aufgebahrt worden (der KURIER berichtete). Viele Stunden hielten Pilger und Traditionsverbände der ehemaligen k.u.k. Armee eine Totenwache.

Das "Requiem für S.k.u.k.H. (Anm.: Seine kaiserliche und königliche Hoheit) Erzherzog Otto von Österreich und I. k.u.k.H. Regina von Österreich" wurde auf gelben Plakaten mit schwarzer Schrift bei der Kirche angekündigt. Denn es konnte jeder kommen, der sich verabschieden oder der ein wenig Luft der ehemaligen Donaumonarchie schnuppern wollte. Bereits am Vormittag bildeten sich lange Schlangen bei den Kondolenzbüchern.

Knapp vor 14 Uhr waren alle 700 Sitzplätze in der Basilika besetzt. Viele mussten stehen. Denn mehr als 1000 Menschen fanden sich beim Marienheiligtum ein. Die Reihen vor dem Hauptaltar wurden für Familie oder Organisationen wie den Malteserorden reserviert.

Papst-Abgesandter

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© Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari zelebrierte das Requiem. Er sprach von Otto
Habsburg als einem "herausragenden Politiker, tiefgläubigen Christen und exemplarischen Familienvater". Kardinal Christoph Schönborn nahm als persönlicher Abgesandter des Papstes teil und auf einem roten Stuhl links des Altars Platz. Und die Wiener Sängerknaben haben ihre Ferien unterbrochen, um Teile der Deutschen Messe von Franz Schubert zu singen. Die Familie Habsburg war stark bei der Messgestaltung vertreten. Eine Tochter von Otto Habsburg, Gabriela, hielt die erste Lesung auf Deutsch, die zweite las Sohn Georg - auf Ungarisch. Die Enkelkinder sprachen die Fürbitten.

Nach mehr als eine Stunde ging die Messe zu Ende. Die Kirche verließen die Menschen aber noch nicht. Denn dann erklang sie noch einmal. Die Kaiserhymne. Viele sangen mit.
Die Särge wurden anschließend aus der Basilika getragen und in die dunklen Autos der Bestattung Wien verladen. Messbesucher, Pilger und Schaulustige säumten den Weg. Nächste Station: die Bundeshauptstadt.

Kritik

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© Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Indessen wird aber auch Kritik an den Beisetzungsfeierlichkeiten laut. In Wien wird die Garde des Bundesheeres eingesetzt. Dazu schaltete sich nun der Verfassungsrechtler Heinz Mayer in die Debatte ein. Er sehe keine ausreichende Grundlage für die Beteiligung des Bundesheeres an diesem Begräbnis. Denn offiziell ist es kein Staatsbegräbnis.

Ablauf: Requiem und Beisetzung

Fahrplan Donnerstag, Freitag Aufbahrung von Otto und Regina Habsburg-Lothringen in der Kapuzinerkirche in Wien.
Samstag, 15 Uhr, Requiem im Stephansdom. Kondukt durch die Wiener Innenstadt und Beisetzung in der Kapuzinergruft. Sonntag, Requiem in Budapest. Beisetzung der Herzurne von Otto Habsburg in Ungarn.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011