Kennedy, als er schon Präsident war.

© Cecil Stoughton, White House/Jazz Editions

Lisa Lanett

Kennedys erste Liebe war eine Österreicherin

Die Österreicherin, die dem US-Präsidenten einen Sohn schenkte, starb im Alter von 92 Jahren.

von Georg Markus

05/04/2014, 10:00 AM

Das große Geheimnis ihres Lebens ist sie noch losgeworden. Es war im März 2009, als mir die gebürtige Österreicherin Lisa Lanett anvertraute, dass John F. Kennedy der Vater ihres Sohnes sei. Die Nachricht sorgte für großes Aufsehen, Zeitungen, Magazine und TV-Stationen in aller Welt übernahmen den KURIER-Bericht. Lisa Lanett hat die Enthüllung um genau fünf Jahre überlebt, sie starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 13. März 2014 im Alter von 92 Jahren in den USA.

Ein Erzherzog

Es war eines der seltsamsten Interviews meines Lebens. Die am 7. August 1921 als Elisabeth Hortenau in der Hinterbrühl bei Wien zur Welt gekommene Österreicherin hielt sich im Frühjahr 2009 einige Wochen in ihrer alten Heimat auf und wollte mir ihre Lebensgeschichte erzählen. Von Kennedy war zunächst keine Rede, sie sprach nur davon, dass ihr Vater ein Sohn des Erzherzogs Otto, seines Zeichens auch Vater des letzten österreichischen Kaisers Karl, gewesen sei.

Sechs Ehemänner

Die Geschichte ließ sich anhand von Dokumenten rasch nachprüfen und stellte sich als richtig heraus. Dass der Erzherzog mit der Solotänzerin Marie Schleinzer einen unehelichen Sohn hatte, ist aktenkundig und von Historikern unbestritten.

Doch dann kamen wir auf ein Thema zu sprechen, das gar nicht vorgesehen war. Lisa Lanett war sechs Mal verheiratet und hatte einen Sohn. Als ich sie fragte, welcher ihrer sechs Ehemänner der Vater dieses Sohnes war, antwortete sie: "Gar keiner!"

"Ja, wer denn sonst?" wollte ich wissen.

Lisa Lanett drückte sich vor der Antwort, doch als ich nachbohrte, wer der Vater sei, schoss es aus ihr heraus: "John F. Kennedy!"

Ich vergaß alle Erzherzoge und ließ sie die Kennedy-Geschichte weiter erzählen: "Als Hitler 1938 in Österreich einmarschierte", verriet Lisa Lanett, "war ich mit meiner Mutter gerade in Rom. Wir beschlossen, nicht zurückzukehren und flogen in die USA."

Einquartiert

Nach einer kurzen Ehe mit einem Mexikaner zog die bildhübsche Lisa, die als Schauspielerin und Fotomodell arbeitete, nach Phoenix/Arizona, wo ihre Mutter ein Motel, das Monterey Lodge, führte. Dort wurden während des Krieges amerikanische Offiziere einquartiert. "Einer von ihnen", erklärte Lisa Lanett, "hieß John F. Kennedy. Er war auf dem Weg nach Florida und blieb für ein paar Tage bei uns im Monterey Lodge."

Mit Kennedy in Miami

Wir schreiben das Jahr 1942. Der fesche Millionärssohn ist 25 Jahre alt, Lisa vier Jahre jünger. "Wir verliebten uns, und ehe er weiterzog, lud er mich ein, ihn in Miami zu besuchen. Danach waren wir in Kuba und in New York. Das ging drei Jahre so, bis ich im Frühjahr 1945 feststellte, dass ich schwanger war."

John F. Kennedy gehörte einer damals schon prominenten Familie an, war aber natürlich noch lange nicht der Kennedy. Lisa blieb nach Tonys Geburt am 29. September 1945 mit "Jack", wie Kennedy von Freunden gerufen wurde, in Kontakt. "Wir trafen uns immer wieder, auch als er 1953 heiratete und als er Senator in Massachusetts wurde. Jack kam für die Kosten der Peekskill Militärakademie bei New York auf, die unser Sohn Tony besuchte."

Als Lisa mir ihre Lebensgeschichte erzählt hatte, nahm ich Kontakt mit ihrem Sohn auf. Tony Bohler lebt in Kalifornien und war bis vor einigen Jahren kaufmännischer Angestellter. "Als ich jung war", berichtete er, "sagte meine Mutter, dass ihr erster Mann, Juan del Puerto, mein Vater sei. Ich hatte Zweifel, denn Juan war Mexikaner und sah sehr mexikanisch aus – ganz im Gegensatz zu mir. Ich fragte öfters nach, bis sie mir etwa 1975 gestand, dass mein Vater ein anderer sei. Nämlich John F. Kennedy. Und dann erzählte sie mir, wie sie ihn kennen gelernt und sich in ihn verliebt hatte."

"Es wäre kein Wunder"

Tony Bohler glaubt heute, nach anfänglichen Zweifeln, dass Kennedy sein Vater war. "Nach allem, was ich herausfand, dürfte es stimmen. Meine Mutter war eine schöne Frau, er liebte schöne Frauen, es wäre also kein Wunder."

Es gibt aber keinen Beweis für Kennedys Vaterschaft. Als der US-Präsident 1963 ermordet wurde, gab es noch keine DNA-Analysen, mit denen sich verwandtschaftliche Beziehungen feststellen lassen. Lisa hat von JFK nie einen Vaterschaftstest verlangt und auch nach seinem Tod keine finanziellen Forderungen an die Familie Kennedy gestellt.

"Kein Zweifel"

Es gibt also keinen Beweis, aber eine Kette von Indizien, die belegen, dass Lisas Geschichte stimmen dürfte: Erstens haben sich alle nachweisbaren Details der von ihr erzählten Familienchronik in meinen Recherchen als richtig erwiesen. Zweitens handelte es sich bei ihren Erinnerungen nicht um die Fantasien einer alten Frau, die ihre Lebensgeschichte neu erfand. Hat sie doch Kennedys Vaterschaft bereits vor fast 40 Jahren ihrem Sohn gestanden. Weiters fand ich in Wien eine Zeugin, die über die Herkunft von Lisas Sohn Bescheid weiß: Die Arztwitwe Verena Fischer kannte Lisa Lanett seit 25 Jahren: "Vor rund zehn Jahren hat sie mir erstmals erzählt, dass Kennedy Tonys Vater ist. Ich kannte sie sehr gut und habe keinen Zweifel an dem, was sie sagte."

War JFK in Phoenix?

Um Lisa Lanetts Bericht auf den Grund zu gehen, versuchte ich herauszufinden, ob JFK in der fraglichen Zeit überhaupt in Phoenix/Arizona, in der Nähe ihres damaligen Wohnsitzes, gewesen sein kann. Und wurde fündig.

Es ist nachweisbar, dass er 1942, als sie sich im Monterey Lodge Motel kennenlernten, als Marineangehöriger auf dem Weg nach Florida war, wie Lisa behauptete. Im Jahr darauf war Lieutenant Kennedy Kommandant des Schnellboots "PT 109", das am 2. August 1943 im Pazifik von einem japanischen Zerstörer gerammt wurde. Verwundet begab er sich laut Robert Dalleks Kennedy-Biografie Ein unvollendetes Leben im Winter 1944/’45 zur Rehabilitation in die Kuranstalt Castle Hot Springs. Und Castle Hot Springs befand sich in einem Vorort von Phoenix, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona.

Kennedy war also genau zu dem Zeitpunkt in der Stadt, in der Lisa Lanett lebte und neun Monate später ihren Sohn zur Welt brachte.

Das ist noch immer kein Beweis für seine Vaterschaft, aber ein weiteres Indiz dafür, dass Lisa Lanett jedenfalls keine Märchenerzählerin war.

Lisa im Internet

Ehe ich ihre Geschichte am 22. März 2009 in meiner KURIER-Kolumne veröffentlichte, hatte es im Internet unter "Lisa Lanett" keine einzige Eintragung gegeben, heute sind es rund 100.000.

Lisa Lanett geb. Hortenau hat also das Geheimnis ihres Lebens nicht mit ins Grab genommen. Sie starb an den Folgen einer Embolie in einer Klinik in der Stadt San Antonio in Texas, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbracht hatte.

Der Mythos JFK:

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