Karyna Shuliak: Alles über Epsteins mysteriöse Verlobte - und Haupterbin

Jeffrey Epstein
Kurz vor seinem Tod änderte Jeffrey Epstein sein Testament - eine Zahnärztin aus Belarus sollte fast alles erben.

Zusammenfassung

  • Karyna Shuliak, eine belarussische Zahnärztin und langjährige Geliebte von Jeffrey Epstein, wurde kurz vor seinem Tod als Haupterbin seines Vermögens eingesetzt.
  • Epstein finanzierte Shuliaks Studium und verschaffte ihr einen Studienplatz an der Columbia University, ihre Beziehung war laut veröffentlichten Dokumenten eng und turbulent.
  • Nach Epsteins Tod wurde das Erbe eingefroren, und Shuliaks Rolle sowie weitere Details aus Epsteins Privatleben sorgen weiterhin für Spekulationen.

Ein abgrundtiefer Ring zur Ausbeutung von Kindern, ein Netz von Kontakten, das in die höchsten Kreise der Supermacht USA reicht - Verbindungen in den Kreml nicht ausgeschlossen. Der Epstein-Skandal nimmt immer größere Ausmaße an. Manches klingt wie aus einer Verschwörungserzählung, doch haben sich schon viele Verdachtsmomente bestätigt.

Ende Jänner hatte das US-Justizministerium weitere Ermittlungsakten zum Fall Epstein veröffentlicht. Der New Yorker Finanzberater und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben. Er selbst missbrauchte zahlreiche Mädchen und bot diese auch in seinem Freundeskreis an. 2019 kam er in einer Gefängniszelle zu Tode, nach Behörden-Angaben durch Suizid.

Karyna Shuliak: Kurz vor Epsteins Tod als Haupterbin angeführt

In einem Dokument sind laut Business Insider 43 Personen aufgeführt, die Jeffrey Epsteins Vermögen von 630 Millionen US-Dollar erben sollten. Darin heißt es, er habe geplant, eine von ihnen zu heiraten. Und die Frau namens Karyna Shuliak hätte auch den Großteil seines Vermögens und seine Immobilien erben sollen. 

Der Sexualstraftäter setzte die bislang unbekannte Frau demnach kurz vor seinem Tod als Haupterbin seines Vermögens ein. Sie war auch die letzte Person, die mit Epstein vor seinem Tod telefoniert haben soll - 20 Minuten lang. Der Inhalt des Telefonats ist unbekannt. Das vertrauliche Gespräch wurde nach Angaben der Behörden nicht aufgezeichnet. 

Doch wie inzwischen berichtet wird, scheint die aus Belarus stammende Zahnärztin eine langjährige Geliebte gewesen zu sein.

Aus dem Dokument geht hervor, dass Shuliak 100 Millionen Dollar und all seine Immobilien erhalten würde, darunter seine Villa in Manhattan, sein Apartment in Paris, seine Ranch in New Mexico und zwei Privatinseln auf den Amerikanischen Jungferninseln. 

Epstein machte Shuliak, heute 36 Jahre alt und Medienberichten zufolge in New York wohnhaft sein soll, außerdem mit einem 32,73 Karat schweren Diamantring einen Heiratsantrag, deutet das Dokument an. Darin steht, Epstein habe Shuliak den Ring "in Erwartung der Heirat" geschenkt, zitiert Business Insider aus Epsteins Testament, bekannt als "The 1953 Trust" (einzusehen hier).

Epsteins langjährige Vertraute und Komplizin Ghislaine Maxwell kam im Vergleich viel schlechter weg. Sie sollte dem "The 1953 Trust"-Dokument zufolge "lediglich" zehn Millionen Dollar erhalten.

Nach Epsteins Tod wurde sein Vermögen eingefroren. Daniel Weiner, Anwalt für Nachlassangelegenheiten, stellte gegenüber der New York Times fest, dass keiner der Begünstigten Geld erhalten werde, solange nicht alle Gläubiger und Opfer-Entschädigungen vollständig bezahlt würden.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Shuliak und die übrigen Begünstigten das Erbe tatsächlich erhalten, sorgt das Auftauchen der mysteriösen Epstein-Geliebten in den Akten für Aufmerksamkeit. Wie war die Frau in den Orbit des Sexualstraftäters gelangt?

Epstein finanzierte Karyna Shuliaks Studium

Berichten zufolge wurde Shuliak 1989 in Minsk geboren und zog 2009 in die Vereinigten Staaten, um Zahnmedizin zu studieren - dabei wurde sie von Epstein unterstützt. Als sie im Jahr 2012 an der zahnmedizinischen Fakultät der Columbia University studieren wollte, wurde sie zunächst abgelehnt. Der New York Times zufolge habe Epstein daraufhin seine Kontakte spielen lassen, um der jungen Frau einen Studienplatz zu verschaffen.

Im April 2011 soll ein Professor der zahnmedizinischen Fakultät der Columbia University eine Nachricht von einem Assistenten von Jeffrey Epstein erhalten haben. "Jeffreys Freundin Korina überlegt, Zahnmedizin zu studieren", hieß es in der von Bloomberg zitierten Email. Professor Martin Davis fragte an, ob er am nächsten Tag ein Treffen organisieren könne. Etwas mehr als ein Jahr später wurde Karyna Shuliak als Quereinsteigerin an der Fakultät aufgenommen.

Epstein bezahlte daraufhin angeblich nicht nur Shuliaks Studium. Wie aus einer Reihe von Emails und anderen Dokumenten hervorgeht, die vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden, spendete er in ihrem Namen auch mindestens 50.000 US-Dollar an die Columbia University.

Shuliak und Epstein: Dokumente belegen turbulente Liebes-Beziehung

Die Dokumente ergeben das Bild einer intimen, turbulenten Beziehung. In den veröffentlichten Emails finden sich auch zahlreiche Nachrichten zwischen Epstein und Shuliak, in denen beide über Jahre hinweg Liebesbeteuerungen austauschten und Beziehungsprobleme diskutierten. 

So bezeichnete Shuliak 2012 Epstein in einer Email aus dem Jahr 2012 als "reinsten aller Menschen". "Ganz egal, was um dich herum passiert, du bist der reinste Mensch, den ich je kennengelernt habe", schrieb sie. An anderer Stelle heißt es: "Ich liebe dich sehr, du wirst mich immer haben, egal was passiert, solange es dich glücklich macht." Ein Jahr später warf Shuliak Epstein vor: "Du hast mich heute völlig ruiniert, jede Minute kämpfe ich darum, nicht zu weinen." 

In anderen Emails spricht Epstein über Shuliaks Eifersucht. So heißt es etwa in einer seiner Emails: "Deine Sorge um Frauen ist unnötig. Sie verursacht einen Großteil des Stresses zwischen uns. Am ersten Tag unserer Beziehung habe ich dir gesagt: 'Bitte, es gibt immer Frauen um dich herum. Wenn sie dich eifersüchtig oder ängstlich machen, wird das ein Problem sein.'"

Aus den Flugprotokollen geht hervor, dass Shuliak Epstein auf zahlreichen Reisen begleitete, darunter auch auf seinem letzten Flug von Paris nach New York im August 2019, kurz vor seiner Verhaftung.

Welche Rolle sie tatsächlich in Epsteins Leben spielte, ist unklar. Diejenigen, die sie kannten, beschreiben sie sehr unterschiedlich. Einige behaupten, sie sei eine konstante, wenn auch oft stille Präsenz in Epsteins letzten Lebensjahren gewesen. Andere hingegen sagen, sie habe sich unter Epsteins Vertrauten den Spitznamen "Die Inspektorin" verdient, aufgrund ihrer angeblichen Eifersucht und weil sie angeblich seine Bewegungen überwachte und kontrollierte, mit wem Epstein Kontakt hatte.

Die Epstein-Akten zeigen, wie wenig man bislang über die Privatperson Jeffrey Epstein wusste. So fragt man sich unter anderem, ob er möglicherweise ein Kind hatte, über das die Öffentlichkeit nicht informiert war. Darauf deutet eine private Nachricht vom September 2011 hin, in der die ehemalige Herzogin von York Epstein zu einem vermeintlichen "Baby Boy" (grob übersetzt: "kleinen Jungen") gratuliert (dazu mehr).

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