Moderator Horst Lichter

© Frank Hempel

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05/09/2021

Horst Lichter über Rares und Wahres: "Ich bin demütiger geworden"

Der deutsche "Bares für Rares"-Moderator über sein neues Buch, Schicksalsschläge, was ihn antreibt und wovon er noch träumt.

von Lisa Trompisch

"Ich bin dann mal still“, so heißt das neue Buch des beliebten deutschen „Bares für Rares“-Moderators Horst Lichter (59) – und man ist versucht, leicht ungläubig den Kopf zu schütteln. Still? Der Mann, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat, der für jeden stets ein fröhliches Wort parat hält? In einem Schweige-Kloster hat er es versucht, das Selbstexperiment gewagt – und dabei viel über sich gelernt.

„Ich erkläre das mit einer Diät. Wenn man in eine Diät reingeht, dann leidet man erst einmal, dann geht es einem besser, und das erste Mal danach Kaffee trinken ist die beste Tasse Kaffee deines Lebens. Das erste Stück Kuchen ist das beste Stück deines Lebens. Ich bin dankbarer, dass man da ist, wo man sein darf. Ich bin wieder einmal etwas demütiger geworden“, erzählt er offen und ehrlich im KURIER-Interview.

Schicksalsschläge

Der ehemalige TV-Koch kann nämlich auch die ganz leisen Töne, hat er doch schon viele Schicksalsschläge überwinden müssen – mit 26 erlitt er den ersten Schlaganfall, mit 28 den zweiten zusammen mit einem Herzinfarkt, und er verlor auch noch sein 6 Monate altes Baby an den plötzlichen Kindstod. Er hat aber nie aufgegeben, immer weiter gemacht, ist nie daran zerbrochen.

„Ich glaube nicht, dass ich mental stärker bin, aber ich habe dieses Bedürfnis, gut zu leben. Ich mag es zu lachen. Ich mag es auch zu weinen. Ich mag es zu leben. Dahin wollte ich mich wieder zurückkämpfen. Ich wollte nie der sein, den man bemitleidet oder zu dem man sagt: Der arme Teufel. Ich wollte so jemand sein, mit dem man lachen kann. Deshalb habe ich mich auch immer wieder herausgekämpft aus dramatischen Situationen im Leben. Was aber, glaube ich, wahnsinnig wichtig ist, um aufzustehen: Ich habe mir die nötige Zeit genommen, um zu verarbeiten“, sagt Lichter, der seit 2009 mit seiner Nada verheiratet ist.

Im Buch beschreibt er auch die Eheprobleme, die durch seine ständige Abwesenheit – er war berufsbedingt 200 Tage im Jahr fern der Heimat – verursacht wurden. Und auch, wie alles wieder gut wurde, als die beiden sich dann doch entschlossen haben, zurück nach Köln, in die Nähe seiner „Bares für Rares“-Drehstätte zu ziehen.

Liebesrezept

Angesprochen auf sein Ehegeheimnis, antwortet er mit einer Anekdote. „Da möchte ich einen Herrn zitieren, den habe ich bei einer Sendung kennengelernt. Der ist über 60 Jahre verheiratet. Da habe ich in meiner Art erst einmal ganz klassisch und lustig gesagt: ,Mensch, können Sie mir mal Ihr Geheimrezept verraten, wie Sie das schaffen?’ Und dann wurde er ernst und sagte: ,Wissen Sie, Herr Lichter. Wir stammen aus einer Generation, da wurde noch repariert und nicht sofort neu gekauft. Wenn es wahre Liebe ist, dann ist man auch zur Reparatur bereit’“, erzählt er.

Auch der Tod seiner Mutter 2014 hat den launigen TV-Mann sehr geprägt. Das war der Zeitpunkt, an dem er sein Leben geändert hat, nur mehr machen wollte, was ihn wirklich erfüllt. „Meine Mutter war eine sehr starke Persönlichkeit. Das habe ich schon als kleines Kind wahrgenommen. Sie war auf der einen Seite eine tolle Mutter, war aber auch wahnsinnig stark, weil sie kein einfaches Leben hatte. Ich war immer der Überzeugung, meine Mutter wird Minimum 95 Jahre, und es war für mich fast undenkbar, dass sie früher geht. Sie hat weder geraucht, noch Alkohol getrunken, immer gearbeitet und sich auch gut ernährt. Dass so ein Mensch dann plötzlich Lungenkrebs bekommt, hat mich wachgerüttelt“, meint er. Nach drei Monaten „unendlichen Leidens“ ist sie in seinen Armen eingeschlafen.

„Ich hatte lange Zeit auch fast die Hoffnung verloren, dass ich wieder lustig sein und Blödsinn machen kann. Du hast keine Mama, keinen Papa mehr. Du bist der Älteste, du bist jetzt der Opa“, erinnert der Moderator sich.

Harmoniebedürfnis

Aber er kann nach wie vor lustig sein, das liest man auch aus vielen Zeilen seines Buches heraus, vor allem die Beschreibungen seines Klosteraufenthaltes regen sehr zum Lachen an. Man erfährt auch viel über sein Harmoniebedürfnis, den Wunsch, niemanden mehr zu verletzen – und seine Liebe zu Schokolade, vor allem Schichtnougat.

Und wovon träumt Horst Lichter noch?

„Ich habe geliebt, ich habe gehasst, ich habe geweint, ich habe gelacht, ich habe die schönsten Dinge erleben dürfen, den ersten Kuss, die erste Liebe, man weiß, welche Liebe man heute hat. Ich habe mehr erreichen dürfen, als ich mir als Kind erträumt habe. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas versäumt oder verpasst habe. Aber ich würde gerne noch 20, 30 Jahre bei relativ guter Gesundheit haben wollen, gar keine Frage.“

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