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Stars
12/05/2011

Frühstück mit Gernot Kulis

Der Callboy. Mit seiner Bühnenshow Kulisionen ist der 35-jährige Comedian erfolgreich auf Tour. In der Freizeit wird gekickt, getaucht oder Eishockey gespielt.

von Maria Gurmann

Sport ist meine Droge.

Eine spitzbübische Frohnatur ist der Callboy der Nation auch privat. Er begrüßt seine Gäste mit einer schwarzen Tafel, auf der "Guten Morgen" steht und führt in die Küche der Dachgeschoßwohnung, gleich in der Nähe vom Ö3 -Studio in Wien. Für die steirische Eierspeise hat der Kärntner feinsäuberlich geschnittenen Schinken, Paradeiser und Schnittlauch vorbereitet. Gernot Kulis ist Perfektionist.

Seine Anrufe als "Callboy" bereitet er genauso akribisch vor wie die Gags als Stand-up-Comedian. Mit seiner One-Man-Show "Kulisionen" tourt er zurzeit erfolgreich durch Österreich. Sein Job sei eine Mischung aus Lockerheit und totaler Professionalität. "Was ich bei Ö3 machen kann, verpackt beides. Ich kann perfektionistisch denken und mich entfalten."

Mit "Crash-Kulisionen" gehe er auch durchs eigene Leben. Das hat er in sein Programm verpackt. "Aber die ersten 15 Minuten schreibe ich gemeinsam mit meinen Autoren Gregor Barcal und Oliver Lemmerer immer neu, tagesaktuell und auf die Region, in der ich spiele, abgestimmt. Das ist die Herausforderung, das ist Stand-up, das ist kein reines Kabarett mehr." Er steht in der Früh auf und will Spaß haben. "Ein bisschen ärgern, ein bisschen pflanzen, ein bisschen lachen." Sein Motto heißt: "Angenehmes Verbringen." Als "Professor Kaiser", als einer der fünf "Comedy Hirten" oder als einer der zwei "Lofntola" unterhält der Lavanttaler seine Ö3 -Fans seit zwölf Jahren.

Comedian

Oft muss der 35-Jährige bei seinen Scherzanrufen das Mikro abdrehen, damit ihn die Gefrotzelten nicht lachen hören. Zu seinen Lieblingen zählt "Der Ohrenarzt", bei dem Kulis als Schwerhöriger am Telefon einen Termin ausmachen will. Die Sprechstundenhilfe schreit sich minutenlang die Seele aus dem Leib, bis Kulis erwähnt, dass er eigentlich nur links schlecht hört. Woraufhin sie brüllt: "Dann nehmen Sie das Telefon zum rechten Ohr."

Kulis findet es faszinierend, dass er in fast jedem Haushalt in Österreich vertreten ist. "Das ist irgendwie elektrisierend und fantasievoll, wenn ich mir Familien vorstelle, die mich beim Frühstück hören und sich hoffentlich dabei zerkugeln." Noch elektrisierender sei es allerdings, auf der Bühne zu stehen. "Da krieg' ich das Publikum unmittelbar mit."

Nicht um jeden Preis hält Kulis seine Protagonisten zum Narren. "Wenn das Opfer selbst nicht mehr lachen kann, ziehe ich meine moralische Grenze. Ich denke immer, hat dieses Opfer das verdient oder ist es einfach nur gehässig." Von hundert Leuten, die er als Ö3 -Callboy anruft, will höchstens einer nicht, dass er ihn auf Sendung bringt. "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu." Mit dem Sprichwort erklärt er die Werte, die ihm seine Eltern mit auf den Weg gegeben haben. "Nach denen lebe ich schon. Ich kenne keinen Neid. Dafür bin ich allergisch, wenn jemand stiehlt." Höflich zu sein, ist seine Maxime. "Mit dem Hut in der Hand, kommst du durchs ganze Land."

War er schon als Jugendlicher der Klassenclown? "Sagen wir so, die Schulzeit spiegelt das wider, was ich jetzt mache." Er beobachtet, überlegt sich eine Pointe und schiebt eine Meldung. "Ich war aber nicht einer, der dauernd lustig sein hat müssen. Dafür war ich zu müde in der Schule", erinnert sich Kulis, der zwanzig Prominente parodieren kann (Armin Assinger, Hans Krankl oder Bruce Darnell). "Meine erste Parodie war meine eigene Mutter, da war ich drei Jahre alt und hab' sie beim Stöckelschuhgehen imitiert." Im gleichen Alter ging er zur Nachbarin, der Frau Juri, läutete an und sagte: "Grüß Gott Frau Semmler." Sie: "Ich bin nicht die Frau Semmler." Er, lachend und weitergehend: "Ich weiß eh."

Aufgewachsen ist der Sohn eines Zimmermanns und Jüngster von vier Geschwistern in der 3680-Seelengemeinde St. Paul in einer Gemeindewohnung. "Immer Sport. Immer draußen. Eine traumhafte Kindheit. Ich denke mir, als Kind realisierst du gar nicht, wo du in welcher Umgebung bist. Das Gefühl ist entscheidend und das war super." Er war immer unterwegs. Im Sommer auf dem Fußballplatz, im Winter Skifahren oder auf dem zugefrorenen Teich. "In Kärnten kriegst du mit fünf Jahren einen Eishockeyschläger geschenkt", erklärt der Graz-Fan, der immer noch regelmäßig auf dem Eis trainiert und als ehemaliger Fußballer des U-19-Nationalteams treffsicher die Mannschaft von Hans Krankl in der ORF -Show "Das Match" unterstützen kann. "Sport ist meine Droge", sagt der leidenschaftliche Taucher und Skifahrer.

Als Kind hatte er mit den Eltern einen Deal. "Ich hab' nach der Schule die Schultasche hingeschmissen und war weg. Keine Hausaufgaben, kein Lernen. Das hab' ich dafür um fünf Uhr in der Früh gemacht. Jeden Tag hab ich die Semmeln beim Bäcker geholt und dann bis sieben gelernt."

Mit 14 Jahren sagte er zu seiner Mutter: "He, ich muss da weg, weil im Fußball werde ich da nichts." Also übersiedelte er ins Internat nach Graz, wo er mit 17 maturierte und es in die Nachwuchsmannschaft von SK Sturm brachte. "Ich bin ein bisschen hyperaktiv. Ich muss überall dabei sein. Ich nutze den Tag wirklich." Er lebt gesund, hat nie geraucht und sieht "das Positive in Menschen". Musik braucht er immer. Von Franz Ferdinand über Red Hot Chili Peppers bis U2. "Beim Sport und beim Brainstorming brauche ich Action, Wirbel, Takt."

Erst, wenn das "technische Schreiben" beginnt, muss Ruhe einkehren. "Das ist, wenn ich exakt die Pointen setze, ich schaue, ob ein Wort am Ende stehen muss, damit es noch lustiger wird. Gehört ein ,Aber' rein oder nicht." Seit Jahren sind die Comedy Hirten, Herbert Haider, Peter Moizi, Rolf Lehmann, Christian Schwab und er, ein eingespieltes Team, das täglich die Ö3 -Wecker-Gags aus dem Ärmel schüttelt.

Teamplayer

Seit sieben Jahren sind auch Gernot und Petra ein eingespieltes Team. In diesem Sommer heiratete er Pezi, die Ö3 -Pressesprecherin. Wie er der 33-Jährigen den Heiratsantrag machte, bleibt sein Geheimnis. Nur so viel verrät er, während er den Obstsalat serviert: "Es war schön und emotional. Dezent und unkompliziert. Wir sind so, wie wir sind. Nicht aufgeblasen."

Kann die Frohnatur auch grantig sein? "Total! Wenn wir am Sonntag Backgammon spielen und ich verliere, dann ärgere ich mich wirklich. " Da will er gewinnen. Genauso wie beim Eishockey- oder Fußballspielen.

Tipp

"Kulisionen" Gernot Kulis tourt mit seinem Soloprogramm durch die Bundesländer. Alle Termine unter www.gernotkulis.at

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