© Ron Galella, Ltd./Ron Galella Collection via Getty Images

Stars
07/08/2020

Bereits mit 14 dauer-high: Johnny Depp packt über Drogenvergangenheit aus

Der Schauspieler sprach vor Gericht über seinen Drogenkonsum, seinen Ausraster in einem Hotelzimmer und den Tod von River Phoenix.

Unter großem Medieninteresse hat am Dienstag in London der Verleumdungsprozess von Hollywoodstar Johnny Depp gegen die britische Zeitung The Sun und ihren Verlag NGN begonnen. Der US-Schauspieler hatte die Zeitung wegen eines Artikels aus dem Jahr 2018 verklagt, in dem es hieß, er habe seine Ex-Frau Amber Heard misshandelt.

Depp gesteht Drogenkonsum

Sowohl Depp als auch Heard nahmen am ersten Prozesstag teil, an dem bereits erste Details aus der Beziehung zur Sprache kamen. Der "Fluch der Karibik"-Star äußerte sich auch zu den Vorwürfen seiner ehemaligen Ehefrau Amber Heard, drogensüchtig zu sein. Was er gar nicht dementierte. Völlig offen sprach der 57-Jährige über seine langjährige Drogenvergangenheit.

Sein Drogenmissbrauch habe begonnen, als er als Teenager eine der Tabletten seiner Mutter probierte. 

"Meine Mutter sagte mir, gehe und hole mir eine der Pillen für die Nerven und ich habe eine genommen und etwas, was ich als Flucht aus dumpfem Schmerz empfand, kennengelernt", erzählte Depp laut Medienberichten in seiner Aussage.

Danach hat der Schauspieler regelmäßig Suchtmittel konsumiert. Er habe bereits im Alter von 14 Jahren "jede Droge unter der Sonne probiert", zitiert die Daily Mail den Hollywoodstar. 

Seine "literarischen Vorbilder" hätten in ihm das Interesse für Drogen geweckt, führte der Mime weiter aus. Viele seiner Helden wie die Schriftsteller Geoffrey Chaucer oder Thomas De Quincey seien opiumsüchtig gewesen.

Auch Autor Hunter S. Thompson, der bis zu seinem Tod im Jahr 2005 Depps enger Freund gewesen ist, und in dessen Romanverfilmung "Rum Diaries" Depp zusammen mit Heard zu sehen war, sei sein "Idol" gewesen.

Diesen zitierend sagte Depp vor Gericht: "Ich hasse es, für Drogen, Alkohol, Gewalt oder Wahnsinn zu sprechen aber sie haben für mich immer funktioniert."

Vor Gericht wurde Depp auch über den Drogentod von Schauspieler River Pheonix, im Jahr 1993 ausgefragt. Pheonix war vor dem Promi-Party-Lokal "Viper Room", das bis 2004 Johnny Depp gehörte, im Alter von nur 23 Jahren gestorben.

"Er starb vor meinen Augen auf dem Gehsteig", erzählte Depp vor Gericht. "So weit ich weiß, begann River, sich unwohl zu fühlen, er begann zu schwitzen und ging vor die Türe, wo er kollabierte."

Auch für seinen Ausraster in einem Hotelzimmer im Jahr 1995 musste sich der Mime vor Gericht rechtfertigen. Damals hatte er in Anwesenheit seiner damaligen Freundin Kate Moss das Hotelzimmer demoliert und einen Schaden von 10.000 Dollar angerichtet.

Er habe damals "einige besonders schlechte Tage" erlebt, sagte Depp nun in London. Auf die Frage der Anwältin Sasha Wass, ob er über sich sagen würde, er hätte ein Problem damit, seine Wut zu kontrollieren, sagte er allerdings: "Die habe ich nicht. Ich war wütend. Das bedeutet nicht, dass ich Wutprobleme habe. Ich habe meiner Wut Ausdruck verliehen."

Depp dementiert Gewalt gegen Amber Heard

Die Vorwürfe häuslicher Gewalt, die Amber Heard gegen ihn erhebt, wies Depp ebenfalls vehement zurück. In einer dem Gericht vorgelegten Zeugenaussage bestritt Depp, in seinem Leben jemals Heard oder irgendeine andere Frau geschlagen zu haben. Die Ablehnung jeglicher Gewalt gegenüber Frauen sei ein "starker und zentraler Teil" seines Moralkodex, weil er selbst als junger Mensch Zeuge häuslicher Gewalt geworden sei.

Er beschuldigte seine 34-jährige Ex-Frau, der "aggressive Teil" in ihrer konfliktreichen Beziehung gewesen zu sein. Depp verklagte NGN und Wootton wegen Diffamierung; der Artikel habe seinem "persönlichen und beruflichen Ansehen" schwer geschadet. In den USA hat er ein separates Verleumdungsverfahren gegen seine Ex-Frau angestrengt.

Depps Anwaltsteam hatte zuvor "Handgreiflichkeiten" zwischen dem Paar eingeräumt, aber darauf bestanden, dass diese von Heard ausgegangen seien. Gelegentlich habe sich Depp gegen ihre Gewalttätigkeiten verteidigen müssen, erklärte Anwalt David Sherborne. Er betonte, Depp sei "kein Frauenschläger und war es auch nie".

Depp attestierte seiner Ex-Frau, "berechnend", "soziopathisch" und "eine Narzisstin" zu sein. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe ein Vorfall im Mai 2016. Er habe damals die Scheidung eingereicht, nachdem Heard oder eine ihrer Freundinnen "als Streich" ins Ehebett defäkiert habe.

Bei Heards Vorwürfen handle es sich um "komplette Lügen", sagte Depps Anwalt Sherborne. Er wies darauf hin, dass sein Mandant die Behauptungen bereits vor dem Erscheinen des Sun-Artikels öffentlich dementiert habe. Heard warf er vor, immer "extremere und schockierendere Lügen" über Depp verbreitet zu haben. Dabei habe sie die zunehmende Verurteilung von Gewalt gegen Frauen für ihre eigenen Zwecke ausgenutzt.

In dem Verfahren geht es um einen Artikel der "Sun" aus dem Jahr 2018, in dem Chefredakteur Dan Wootton Joanne K. Rowling dafür kritisiert, dass sie dem "Ehefrauen-Schläger" (wife beater) Depp eine Rolle in der Filmreihe "Phantastische Tierwesen" gegeben habe. Der Artikel bezieht sich auf eine Reihe von Heards Aussagen zu Depps gewalttätigem Verhalten.

Depp und Heard hatten sich 2011 während der Dreharbeiten zum Film "The Rum Diary" kennengelernt und 2015 geheiratet. 2016 trennten sie sich wieder. Nach einem von einer Schlammschlacht begleiteten Scheidungsverfahren einigten sie sich schließlich 2017 außergerichtlich. Nun sahen sich die beiden vor dem Londoner Gericht wieder: Depp kam durch den Haupteingang, Heard durch die Hintertür.

Ursprünglich sollte der Prozess bereits im März beginnen, wurde wegen der Corona-Pandemie aber verschoben. Nach Angaben von Richter Andrew Nicol sollen die Anhörungen vorwiegend öffentlich sein, ein kleinerer Teil werde jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Während des rund dreiwöchigen Verfahrens sollten auch Depps ehemalige Partnerinnen Vanessa Paradis und Winona Ryder per Videoschaltung aussagen. Beide hatten Depp bereits gegen Heards Vorwürfe verteidigt. In schriftlichen Erklärungen für die Voranhörungen bezeichnete Paradis ihren langjährigen Freund als "freundlich" und alles andere als gewalttätig.

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