© Kurier/Gilbert Novy

Stars Austropromis
11/26/2020

Waterloo (75): Ein traumatisches Jugenderlebnis kostete ihn fast seinen Fuß

Der Sänger, Urgroßvater und Weltbürger über Erfolg, Liebe, Geld – und einen Unfall, der glimpflich ausging.

von Dieter Chmelar

Heute, Donnerstag, ist er ein Dreiviertel-Jahrhundertereignis und – neben dem einstigen Protestsänger Arik Brauer (90) und der "glockenhellen“ Jazzerin Marianne Mendt (75) – "der älteste Austropopper“: Hans Kreuzmayr, seit fast 50 Jahren als Waterloo, dem Künstlernamen zum Trotz, nicht in die Knie zu zwingen.

Es sei denn, aus Liebe. So wie 2001, als er um die Hand einer bildschönen Fotografin anhielt. Zwei Jahre zuvor war er als reifer "Winnetou“ hoch zu Ross auf dem Parkplatz der "Karl-May-Festspiele“ in Winzendorf auf sie gestoßen.

Damals sagte er zu ihr: "Di wer’ i amoi heiraten!“ Howgh, ich habe versprochen und gehalten! Andrea (62) wurde seine dritte "Squaw“. Miteinander brachten sie fünf Kinder in die Ehe, mittlerweile gibt es ein Enkerl, Dana (30), und sogar ein Urenkerl, Mia Jana (7). Andrea managt den "Unmanagebaren“. Sie nennt es tapfer seufzend: "Ich bin Waterloo – nur ohne Singen.“

Den Namen hat der oberösterreichische Arbeitersohn übrigens weder vom Schauplatz der bitteren Niederlage Napoleons (1815) noch vom ABBA-Siegertitel beim Song Contest (1974). Nein, Waterloo schnitzte sich der gelernte Tischler nach einer mittleren Stadt in Iowa (USA) und drei Jahre vor dem Durchbruch des schwedischen Quartetts.

Der junge Feschak Hansi, der noch heute von allen 75-Jährigen am sechzigsten aussieht, hatte Ende der Sixties eine Damenboutique in Linz eröffnet und war auf der Suche nach einem Auslagendekorateur. Da lief ihm "Seppi“ Krassnitzer (heute 73) über den Weg. Sie wurden ein Duo, wollten aber nicht als "Hansi & Seppi“ auftreten, "weil da hätt’ ma nur Humtata spielen können“, wie der übrigens begnadete Jodler die Pioniertage abruft.

Die Stadt Waterloo faszinierte ihn wegen der uralten indianischen Wurzeln. "Schon als Bua wollte ich die Weißen nicht – ich bin in Österreich nur geboren, aber in der Welt daheim“, sagt er. Zwar schaffte es der wissbegierige Globetrotter noch nie, in Iowa aufzuschlagen, allerdings hat er sein "Schlüsselerlebnis“ einem alten, weisen indigenen Mann in der Wildnis von Wyoming zu verdanken.

"Er saß auf einem Stein am Seeufer. Ich grüßte ihn, er ignorierte mich. Beim Rückweg winkte er mir zu – stundenlang sprachen wir über Gott, Götter und Götzen.“

Ursprünglich wollte Waterloo ja Theologie studieren, "aber die Priester haben mich schlecht behandelt. Bei Urvölkern, ob indianisch oder afrikanisch, fühlte ich mich geborgen“.

Sein erster großer Erfolg: "Meine kleine Welt“ (5. Platz mit Robinson beim Song Contest 1976).

Mit "Hollywood“ von Christian Kolonovits gelang sogar ein Millionenseller. Reich wurde er nicht auf der Bank, nur "in der Seele“. Und das mit einem traumatischen Jugenderlebnis im Rucksack.

Als Lehrling, der nebenbei als Beau und Bandleader Erfolge bei den Mädchen hatte, zwangen ihn die stärkeren Gesellen mit beiden Händen in den Schraubstock und begannen, sein langes Haar mit dem Stemmeisen zu kürzen. Hansi stampfte wütend mit der linken Ferse auf – direkt in einen Nagel. Das Abszess wurde zur lebensbedrohenden Phlegmone (eitrige Entzündung). Die Ärzte im Spital berieten bereits, "wie weit hinauf sie amputieren sollten“.

Der Indianer mit Schlager blieb im Ganzen. Sein neues (das 21.) Album heißt sinnfällig "Alles Leben dieser Erde“.

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