Musikerin Virginia Ernst

© Kurier/Juerg Christandl

Herrlich ehrlich
03/07/2021

Virginia Ernst über Gleichberechtigung und Sensibilisierung der Sprache

Die Singersongwriterin über ihre Erfahrungen im Sport und in der Musik - und warum sie das Wort "lesbisch" nicht mag.

von Lisa Trompisch

Morgen, Montag, ist der Internationale Frauentag – und mit der Gleichstellung ist es immer noch nicht weit her. Singer-Songwriterin Virgina Ernst (30) engagiert sich genau aus diesem Grund sehr für die Gleichberechtigung.

Als ehemalige Eishockey-Profispielerin weiß sie genau, was es bedeutet, sich in einer Männerdomäne behaupten zu müssen.

„Ich habe bis 2013 wirklich Profiliga gespielt und da war die Gleichstellung überhaupt nicht vorhanden. Ist sie nach wie vor nicht. Sie haben zu uns immer gesagt, die Mädels nach euch werden dann quasi etwas verdienen. Fast zwölf Jahre später ist man noch immer nicht dort, wo man eigentlich sein sollte“, so Ernst im Gespräch für die Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“.

2018 hat sie das Konzert „#WEARE Starke Stimmen – Starke Frauen“ ins Leben gerufen (fällt heuer leider aufgrund von Corona aus). „Es braucht ein bissl Zeit und ich hoffe, dass wir irgendwann einmal nicht mehr diesen Tag brauchen“, so Ernst, die in ihrem Business gleichfalls ein Ungleichgewicht sieht.

„Mir kommt es auch so vor, dass in der Musikbranche die Frau auch nicht unbedingt die Headlinerin ist. Ich finde einfach, wir haben so tolle Musikerinnen und Sängerinnen und Künstlerinnen im Land – deshalb auch mein Konzert, um auf die aufmerksam zu machen.“

Die ehemalige Dancing-Stars-Teilnehmerin (2019 mit Alexandra Scheriau) ist auch sehr für eine Sensibilisierung der Sprache. „Jetzt, nachdem ich mich primär viel mehr mit Frauenrechten beschäftige, fällt mir so etwas ins Auge. Es ist schon wichtig, weil alles wird vermännlicht“, so Ernst.

„Jetzt habe ich mich eh auch wieder aufgeregt, weil der ‚Austrian Amadeus Music Award’ sucht den Songwriter des Jahres. Was ja korrekt wäre, wenn es ein englischer Satz wäre. Aber bei ‚Wir suchen den Songwriter des Jahres‘ fühlen sich halt viele Frauen so: ‚Okay, darf ich jetzt auch etwas einreichen? Ich bin Musikerin und ist es jetzt erlaubt, dass ich da mitmachen darf?‘ Natürlich haben sie es nicht so gemeint, aber da merkt man einfach, dass die Musikbranche auch noch nicht so weit denkt. Es gehören Songwriterinnen auch dazu. Im Englischen kann man es nicht auf feminin sagen, aber im Deutschen geht das sehr wohl.“

Die Künstlerin, die seit 2017 mit ihrer großen Liebe Dorothea verpartnert ist, hält so gar nichts von Schubladendenken.

„Das Schlimmste ist, wenn du irgendwo hineingedrückt wirst, wo du gar nicht sein möchtest. Da habe ich in der Musik und generell in der Öffentlichkeit viel dazugelernt, nicht in Schubladen gesteckt zu werden.“

Von ihrer Frau Dorothea stammt der wunderschöne Satz: Es geht um Gefühle und nicht um Geschlecht.

„Das stimmt definitiv, denn sie hätte sich nie vorstellen können, mit einer Frau zusammen zu sein. Dorothea sieht mich auch nicht als Frau, sie sieht mich als Menschen. Und das geht halt vielen anderen auch so, deshalb können wir auch nicht sehr gut mit dem Wort lesbisch umgehen. Sie war zuvor immer mit Männern zusammen und hat sich dann in mich verliebt und da merkt man einfach, dass man wirklich den Menschen liebt und nicht nur das Äußerliche oder das, was er kann, sondern einfach halt der Mensch, wie er ist. Und das finde ich super.“

Wie Virginia Ernst mit Hass im Netz umgeht, wie sie jetzt ihre Teilnahme bei „Dancing Stars“ sieht und warum Frauen gerade auch in der Corona-Pandemie besonders gefordert sind, sehen Sie im Video oben.

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