ESC-Empfang: "Zu unserer Zeit war es eine Katastrophe, wenn man Letzter wurde"
Von Waterloo über Thomas Forstner bis hin zu den beiden Song-Contest-Siegern Conchita Wurst und JJ trafen sich am Dienstagvormittag die ehemaligen österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Empfang bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Präsidentschaftskanzlei.
"Der Eurovision Song Contest zeigt, wie bunt unser Kontinent ist. Er zeigt, was wir können, was wir sind und das ist schon viel. Die Lieder können gesellschaftskritisch, unterhaltsam, minimalistisch, pompös sein. Sie können uns dazu ermutigen, wie ein Phönix aus der Asche zu steigen oder uns vor vergeblicher Liebe warnen", spielte Van der Bellen auf die Siegersongs "Rise Like a Phoenix" und "Wasted Love" an.
"Wie passt das alles unter einen Hut?", fragte er sich, hatte aber auch gleich die Antwort parat: "Der Hut muss einfach groß genug sein."
So kann etwa Jazzmusikerin Marianne Mendt ("Musik", 1971) sehr wohl etwas mit dem Song des heurigen ESC-Starters Cosmó anfangen: "Ich liebe den ,Tanzschein" und übe auch schon die Choreografie. Die linke Hand hab ich schon oben gehabt, der Rest kommt noch", lachte sie.
Auch Waterloo ("My Little World", 1976) wünscht ihm nur das Beste: "Er soll das Beste mit dieser Nummer machen. Ich freue mich sehr, wenn ein junger Mensch weiterkommt. Wenn es nichts mit dem Song Contest wird, dann soll er trotzdem weitermachen."
Waterloo und Robinson
Petra Frey stand 1994 mit dem Song "Für den Frieden der Welt" auf der ESC-Bühne und meint, Cosmó solle "einfach genießen". So sieht das auch ihre Kollegin Simone ("Keine Mauern mehr", 1990), die aber auch darauf hinweist, wie sehr sich der Wettbewerb im Laufe der Zeit verändert hat.
Simone
"Zu unserer Zeit war das eine Katastrophe, wenn man Letzter geworden ist. Es war fast eine Verurteilung, kann man sagen. Man hat das total abgelegt. Es zählt jetzt mehr, nur dabei zu sein, Spaß zu haben, es ist eine riesige Community geworden, aber in unserer Zeit war es halt anders. Super ist, dass das weg ist. Dass man dort seinen Auftritt macht und es kann trotzdem ein Erfolg werden auf Spotify, im Streaming. Das hat mit der Platzierung gar nicht so viel zu tun. Aber das hat es ja bei uns noch nicht gegeben."
Cosmó selbst ist zwar schon leicht aufgeregt, gab sich aber im KURIER-Gespräch locker: "Mir geht es super. Es ist wirklich schön, die vielen anderen Acts von früher kennenzulernen und es ist eine große Ehre, den Herrn Bundespräsidenten und Doris Schmidauer zu treffen. Als 19-Jähriger ist das nochmal eine größere Ehre, hier sein zu dürfen. Es gibt mir nochmal mehr Kraft für den Song Contest."
Er beschäftigt sich jetzt neben Proben vor allem mit Cardio- und Mentaltraining.
Alexander Van der Bellen und Cosmó
Richtig gut geklappt hat es ja bei den Siegern Tom Neuwirth aka Conchita Wurst und JJ. "Es ist sehr schön, alle zu sehen und wir sind alle Teil der ESC-Familie und das Wichtigste ist, dass wir alle gemeinsam hier sein können und gemeinsam feiern und dass der ESC wieder nach Wien kommt", so JJ.
Tom Neuwirth fühlte sich ein bisschen an 2015 zurückerinnert: "Es ist spannend, wie viel ähnlich ist und wie viel sich auch verändert hat, aber man merkt an der Aufregung in der Stadt, der Song Contest nähert sich und die Thematik wird immer größer. Das ist schon spannend zu sehen. Auch wenn man durch die Stadt fährt, siehst du überall die Reklame und Werbung."
Heuer wird der Künstler ja kein aktiver Teil des Eurovision Song Contest sein, Wehmut kommt da aber keine auf, wie der Neuwirth dem KURIER sagt: "Es war so ein langer Prozess, bis ich zu dieser Entscheidung gekommen bin, auch über Jahre hinweg. Es war die richtige Entscheidung für mich. Ich sag" immer, um die großartige Victoria Beckham zu zitieren: ,I will forever be a Spice Girl". Ich werde dem Contest ewig verbunden bleiben, aber auch die Veränderung ist die einzige Konstante im Leben. Ich habe für mich entschlossen, mich künstlerisch weiterzuentwickeln, aber ich werde für immer dankbar sein und auch für immer ein Fan der Veranstaltung."
Noch mehr Song Contest gibt"s am 28. April beim Radio Wien Afterwork im Freiherz mit den Künstlern Zoe, Manuel Ortega und Vincent Bueno
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