Burgtheater-Doyenne Elisabeth Orth

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Stars Austropromis
02/08/2021

Elisabeth Orth wird 85: Über Sehnsucht, Sebastian Kurz und ihr Erfolgsgeheimnis

Als Schauspielschülerin fragte sie sich: „Wohin muss ich auswandern, wenn ich nicht begabt genug bin?“ Das große Interview:

von Dieter Chmelar

Sie nannte sich justament nicht Hörbiger, sondern nach ihrer Großmutter mütterlicherseits Orth. Diese Anna kam aus Grein an der Donau nach Wien, um Balletttänzerin zu werden, was ihr der Vater freilich verbot. Auch stellvertretend für die Oma, so mag man psychologisieren, hat Elisabeth Orth ihre große Bühnenkarriere gemacht.

Heute, Montag, wird sie 85 und hat ein eigenes Enkerl – dank ihrem Sohn Cornelius Obonya und dessen Frau Carolin Pienkos. Der fabelhafte Filius, längst selbst ein Schauspielstar, gratuliert berührend (siehe unten). Dabei hatte „die Orth“ einst mit dem Pubertierenden ärgste Probleme. Das Interview zum Ehrentag einer so widerständigen wie wahrhaftigen Wortergreiferin.

KURIER: Frau Orth, stimmt es, dass Sie und ihr Sohn sich mit Gegenständen bewarfen?

Elisabeth Orth: Ja. Ich schmiss aber nur in seine Richtung, er zielte genau auf mich. Es gab die Regel: Wer was wirft, hebt es dann auch wieder auf. Die Fetzen flogen dauernd, auch wenn wir wo zu Gast waren – ich erinnere mich da an eine Aschenbecher-Schlacht. Das war besonders peinlich.

Heute lieben sie einander?

Aber immer schon. Cornelius verlor seinen Vater, als er neun war. Er war oft allein – ich musste ja arbeiten, damit wir überleben. Es war hart für uns beide. Ich verlor die große Liebe. Ich spreche heute noch täglich mit meinem Mann. An seinem wunderschönen Grab.

Cornelius sieht seinem Vater (Schauspieler Hanns Obonya, verstarb 1978 mit 56), sehr ähnlich.

Es ist in der Tat frappant – von der Stirnfalte bis zur Form der Brustrippenpaare! Als er Schauspieler wurde, hieß es in der Familie: Wieso nicht einmal ein Mathematiker?

Wie reagierten Ihre berühmten Eltern, Paula Wessely und Attila Hörbiger, einst auf Sie?

Kühl, nüchtern und sachlich. Sie kannten ja alle Lehrer am Reinhardt-Seminar: „Bald wissen wir Bescheid, ob du etwas kannst!“ Und ich fragte mich bang: „Wohin muss ich auswandern, wenn ich nicht begabt genug bin?“

Heute sind Sie die Doyenne der Burg. Ihr Geheimnis?

Disziplin. Man darf sich’s nur streckenweise leicht machen. In unserem Beruf ist das Glück immer hart erarbeitet. Talent ist wichtig, aber Disziplin ist der Ritterschlag. Und übrigens: Die schönsten Rollen sind die unsympathischen.

Sie haben sich auch abseits der Bühne immer als widerständig bewiesen. Sie engagieren sich gegen Rassismus, Antisemitismus und für Menschenrechte. Was bewegt Sie heute an unserer Lage?

Was mir Angst macht, ist die verlotterte, zerbröselnde Demokratie. Ich frage die Regierenden: Wisst ihr auch, was ihr alles einmal zurücknehmen müsst, um das Land wiederherzustellen? Ich habe große Wut, aber ich finde mich sehr stumm in diesen Zeiten. Ich kann niemals mit diesen Gegnern mitdemonstrieren.

Igeln Sie sich ein?

Ich bin privilegiert in meiner Selbstquarantäne, aber ich fürchte mich schon, weil ich nicht weiß, ob ich das in meinem Alter überlebe. Ich lasse mich impfen, warte aber brav, bis ich drankomme. Ich bin ja keine Bürgermeisterin.

Was werfen Sie der Regierung vor? Kurz ist doch beliebt ...

Sein Zauber ist neben Gel, Schminke und schmalen Anzügen der Schwiegermutter-Appeal. Er strahlt diese glatte Sicherheit aus, aber es ist eine Sicherheit, die unüberprüfbar ist und auch von niemandem überprüft wird. Und die Grünen sind dem Rausch verfallen, endlich einmal am Tisch mit der Macht zu sitzen.

Ihre persönliche Sehnsucht?

Nicht leidend im Kreis meiner Lieben zu sterben.

 

Was Sohn Cornelius Obonya Elisabeth Orth zu sagen hat - ein berührender Brief an und über seine „Mami“:

Viel gelernt von ihr, immer. Das Schauspielen, das Menschsein. Erfolg durch Können, in jeder Hinsicht. Und durch Wollen.
Etwas ausdrücken wollen auf der Bühne, manchmal auch da draußen, im wirklichen Leben. Hinterfragen von Texten und von Gewissheiten. Weder den Regieführenden noch den Regierenden alles glauben. Auch den nicht Regieführenden oder nicht Regierenden nicht. Partner sein den Kolleginnen & Kollegen auf den Brettern, die jene Welten bedeuten, die wir erstehen lassen. Und doch ein Solitär sein. Eigene Wege. Immer gegangen. Vorreiterin war sie öfter, meine Mutter, manchmal ohne zu wollen. Klarheit des Ausdrucks ohne Geschrei, weder im Theater noch außerhalb. Sie lernte viel im Leben, vom Leben – nicht immer einfach. Und sie gab es weiter, den Mitspielern, innerhalb der Kunst und außerhalb. Manchmal nur durch das Beispielgeben. Viel gelernt. Ich bin ihr dankbar – für mein Leben. 

Happy Birthday, Mami.

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