Designer Juergen Christian Hoerl

© schoendorfer karl

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01/16/2021

Designer Hoerl klagt an: "Wer dick ist, gilt als faul und inkonsequent"

Designer Juergen Christian Hoerl spricht über die Schattenseiten der Modebranche, Bodyshaming und wie er es selbst erlebt hat.

von Lisa Trompisch

Ab morgen, Sonntag, startet auf schauTV die neue wöchentliche Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“, in der spannende Gesprächspartner mit ihren außergewöhnlichen, lustigen, berührenden, überraschenden und vielleicht auch manchmal etwas skurrilen Lebensgeschichten zu Wort kommen.

Den Auftakt macht der Wiener Designer Juergen Christian Hoerl (er stattete schon Promis wie Conchita Wurst oder Mirjam Weichselbraun aus), der offen und ehrlich – also herrlich ehrlich – über die Schattenseiten der Modebranche spricht.

Das ganze Interview:

Stichwort „Bodyshaming“ (Formen von Diskriminierung und Beleidigung von Menschen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes)!

„Es ist ein Riesen-Thema. Gerade in der Modeszene sind wir Designer die, die als erstes verteufelt werden, weil wir nur dünne Models nehmen. Und das hat eigentlich einen ganz banalen Grund, weil es viel einfacher ist, so eine Kollektion zu erstellen, auf den Laufsteg zu bringen, um die Idee zu zeigen, wie man sich eine Saison vorstellt“, so Hoerl, der selbst längst „Mode für Frauen jeglicher Figur“ kreiert.

„Wir haben alle nicht Größe 38 oder Größe 48, sondern wir sind alle unterschiedlich und wir sind alle individuell und das ist natürlich schön, das auch zu zeigen“, meint er.

„Es geht ja immer um den Menschen, nur das vergessen wir manchmal, weil wir in einer Kultur leben, wo es total hip ist, einen supergestählten Körper zu haben, immer auf Instagram das tollste Bild von einem selber zu zeigen und 15 Filter drüberzulegen. Das hat aber nichts mehr mit der realen Welt zu tun.“

Selbst Hollywood-Ikone Marilyn Monroe (gestorben am 4. August 1962) trug Größe 42, welche übrigens auch die am meisten verkaufte Kleidergröße in Österreich ist.

Mit Diskriminierung aufgrund seines eigenen Körpergewichts hat JC Hoerl auch schon so seine Erfahrungen gemacht. „Ich bin insofern betroffen, weil ich alle figürlichen Kurven an mir selber erlebt habe – von ganz schmal bis viel, auch viel dicker als jetzt. Wenn du mehr Körperfülle hast, sagen die Leute, du bist faul, du bist inkonsequent. Der ist nicht so gut im Job. Das sind die ersten Vorurteile, die man fast immer hört“, erzählt er.

„Warum reagiere ich auf jemanden anders, weil er kurviger ist oder weil er mehr Körperfülle hat oder weil er Rastazöpfe hat? Das ist dieses alte Bild von ,die Optik macht den ersten Eindruck’. Dem müsste man, glaube ich, in einer Zeit wie dieser, wo Individualismus immer mehr hochgepriesen wird, aber es in Wahrheit nicht getan wird, entgegenwirken“, ist er sich sicher.

Hoerl appelliert auch an die Achtsamkeit, gerade im Umgang mit sich selbst. Ein Umdenken sollte stattfinden, was man zu sich nimmt, was einem guttut, wie man mit seiner Zeit umgeht. „Die Zeit ist plötzlich ein viel wertvolleres Gut für uns alle. Und das vergessen wir manchmal in unserer Bubble, in der wir leben, dass wir viel mehr mit uns umgehen müssen, mit unserem Zeitmanagement und mit dem, was uns wichtig ist. Und da sind, glaube ich, Dinge wie, ob wer Cellulite oder ein Sixpack hat oder eben nicht, völlig egal.“

Was er zu Hass im Netz und zu Promi-Damen, die extrem abgenommen haben, sagt, sehen Sie weiter oben im Video.

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