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05.12.2011

"Wir machen da nicht mehr mit"

Österreichs Eishockey-Teammanager und Villach-Obmann Giuseppe Mion vor dem Ligastart über eine mögliche Liga-Spaltung.

Im österreichischen Eishockey wird nach dem Abstieg bei der WM in der Slowakei wieder ein Neuanfang propagiert.

Teammanager und Villach-Obmann Giuseppe Mion spricht drei Wochen vor dem Saisonstart über eine mögliche Liga-Spaltung.

Stimmt es, dass KAC-Trainer Manny Viveiros und Villach-Coach Mike Stewart kommende Saison das Nationalteam führen werden?
Giuseppe Mion: Nach dem Abstieg bei der WM haben wir eine Manöverkritik gemacht und sind zur gleichen Erkenntnis gekommen, die wir schon vor zwei Jahren gehabt haben. Wir hätten schon damals verjüngen sollen. Ich habe nichts dagegen, wenn wir zwei, drei Jahre in der B-Gruppe spielen. Ich bin vom Vorstand des Verbandes beauftragt worden, Viveiros zu fragen, ob es ihn interessiert. Er war sofort begeistert. Ähnlich Mike Stewart.

Welche Hauptaufgabe wird Viveiros haben?
Er möchte ein neues, junges Team aufbauen. Er will nur die haben, die wirklich gerne für Österreich spielen und die es verstanden haben, um was es dabei geht. Er möchte dem Team ein neues Image geben. Also, dass es nicht eine Qual ist für den Spieler daher zu kommen. Sie sollen gerne Österreich spielen können, weil sie dem Land und dem österreichischen Eishockey sehr, sehr viel zu verdanken haben.

Vor der WM in der Slowakei gab es harte Kritik am Umfeld des Teams und Absagen einiger Top-Spieler.
Schauen wir uns andere Nationen und ihre Superstars an: Die Russen müssen den Owetschkin nicht einmal anrufen, ob er zum Team kommt. Der sitzt im Flieger, sobald er in der NHL ausgeschieden ist. Wenn ich mir den Lebensstandard in Österreich anschaue, müsste ich wissen, dass ich dem Land was schuldig bin. Die Frage der Motivation darf nicht einmal aufkommen. So schlecht haben wir uns noch nie präsentiert wie heuer bei der WM.

Das Niveau des Teams wird nach einer Verjüngung aber weiter fallen.
Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, weil wir keine andere Wahl haben. Was machen wir in drei, vier Jahren, wenn Kaspitz, Koch usw. aufhöhren? Dann würden wir komplett abstürzen.

Aber mann kann doch jungen Spielern nicht im Nationalteam Spielpraxis geben. Das ist doch die Aufgabe der Vereine ...
Es gibt immer weniger Spieler, die im Verein Verantwortung tragen. Deshalb ist für mich die Ligasitzung am 3. September entscheidend. Dort werden Villach, Graz, Jesenice und Linz fordern, die Kosten und die Legionäre zu reduzieren. Wir müssen wieder mehr österreichische Leistungsträger produzieren. Als Klub-Präsident musst du natürlich auf deinen Verein schauen. Aber auch auf das gesamte österreichische Eishockey, das ist ja unser Produkt. Davon leben wir, das verkaufen wir. Wenn es keine Änderungen gibt, dann sind wir in der übernächsten Saison nicht mehr bereit, diesen Weg mitzugehen.

Aber vier von elf Klubs haben nicht die Mehrheit, oder?
Ich sag es so: Der KAC wird mit uns mitziehen müssen, weil er auf die Derbys nicht verzichten kann. Ich habe es auch von Viveiros signalisiert bekommen, dass der KAC auf einer ähnlichen Linie wie Villach ist. Ich verstehe, dass Salzburg und Wien andere Interessen haben. Aber es geht jetzt nicht mehr nur um die Vereine, sondern um das österreichische Eishockey. Derzeit machen wir die ausländischen Mannschaften immer stärker. Und die Österreicher werden immer schlechter. Das ist ein gefährliches Spiel.

Was passiert, wenn die anderen Klubs nicht mitziehen?
Dann wird es spannend. Graz hat definitiv signalisiert, dass sie dann nicht mehr mitmachen. Wir ziehen sicher mit den Grazern mit. Das hat dann keinen Sinn mehr.

Geht ihr dann in die Nationalliga?
Man wird sehen welche Liga dann noch übrig bleibt.

Was wäre die realistische Ideallösung für die Liga?
Man muss dann das Eishockey als gesamtes Produkt ansehen. Es ist fünf Minuten nach 12 Uhr. Der Streit zwischen Verband und Liga muss nicht nur von der Öffentlichkeit verschwinden sondern auch aus dem operativen Bereich. Wir brauchen einen Fünfjahresplan, der nicht nur das Nationalteam und und die Liga betrifft sondern auch den Nachwuchs. Vielleicht sollten wir ein paar Legionäre weniger holen und dafür Nachwuchstrainer anstellen. Da kommt etwas heraus. Das gibt es gar nicht anders. Aber du kannst es dir sportlich nicht leisten, wenn du mit weniger Ausländern spielst als die anderen. Wir können uns nicht immer mit der Schweiz oder Deutschland vergleichen. Der deutsche Teamchef kann Spieler aus 40 Profimannschaften auswählen. Bei uns aus sechs.

Aber sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland gibt es ein Bekenntnis, wonach das Nationalteam das höchste Gut des nationalen Eishockeys ist.
So ist es. So sollte es auch in Österreich sein. Bei uns muss man sich als Spieler fragen, warum man zum Nationalteam fahren soll, wenn man im Verein immer hört, das Nationalteam sei nicht wichtig. Dann kommt noch die Sauerei dazu, dass diese Vereine einen Misserfolg des Nationalteams auch noch kritisieren.

Die vielen Legionäre gibt es, weil die Gehälter der Österreicher zu hoch waren, oder?
Die Spitzenspieler verdienen mehr als sie wert sind. Jeder will einen Koch, Brandner, Pewal haben, weil sie gut zu verkaufen sind. Aber wir können doch einem Österreicher nicht zwei oder dreimal so viel zahlen, nur weil er in Österreich spielt. Wir können das österreichische Eishockey nur gemeinsam retten. Sonst kracht es.

Sollten die Ligen wieder durch nationale Grenzen eingeschränkt werden?
Die Idee ist ja im heutigen Europa nicht schlecht. Aber wir haben nicht die gleichen Voraussetzungen wie in Nordamerika. Wir machen jetzt die Kroaten und Slowenen stark. Wir bilden auch ihre Nachwuchsspieler aus. Dann gehen die zurück in ihre Nationalteams und spielen gegen Österreich. Ich weiß nicht, was das auf Dauer soll. Ziel muss es doch sein, dass Dornbirn, Innsbruck oder Feldkirch wieder in die Liga kommen. Wenn wir neun österreichische Mannschaften sind, dann können drei bis fünf ausländische mitspielen.

Was sagen Sie zu den Teamspielern wie Markus Peintner, die aufgrund der Punkteregel in der Liga keinen Job mehr haben?
Das ist eine Katastrophe. Peintner ist nicht das erste Opfer des Punktesystems. Insgesamt haben wir schon 30 bis 60 Spieler in den letzten drei Jahren aus der Liga verdrängt. Peintner hat einmal 70.000 Euro verdient. Damals gab es noch eine Legionärsbeschränkung. Jetzt ist er bei der Hälfte und findet nichts, weil er durch das Punktesystem nirgends hineinpasst. Das ist nicht erklärbar.

Ist Ex-Teamchef Bill Gilligan noch im Verband dabei?
Nein, er bleibt mit seiner Familie in den USA. Ein Job als Berater im Verband wäre für ihn interessant, können wir uns derzeit aber nicht leisten.

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