Dave Cameron ist begeistert von Wien

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Sport Wintersport
03/26/2019

Warum Capitals-Coach Cameron sein Team nicht als Favorit sieht

Der Kanadier spricht über die bisherige Saison und das am Freitag beginnende Semifinale gegen Salzburg.

von Peter Karlik

Noch vor einem Jahr stand Dave Cameron als Assistant-Coach von Calgary hinter den Bande eines NHL-Teams. Dass die Vienna Capitals den jetzt 60-Jährigen Kanadier, der auch auch schon kanadische Nationalteams betreute, nach Wien lotsen konnten, war im Mai 2018 eine zumindest genauso große Überraschung wie der Klassenerhalt der österreichischen Nationalmannschaft bei der A-WM in Kopenhagen.

Während Teamchef Roger Bader in Wien-Kagran seine Spieler zum ersten Vorbereitungscamp für die A-WM in Bratislava versammelte, nahm sich Cameron drei Tage vor dem Semifinal-Start gegen Salzburg Zeit, um in einer Journalistenrunde Bilanz über die bisherige Saison zu ziehen und einen einen Ausblick auf die nächsten Aufgaben zu geben.

Alle sechs Saisonduelle gegen Salzburg waren sehr spannend. Hat das eine Bedeutung für die kommende Serie?
Wie du startest hat eine Bedeutung. Immer wenn du in einem Final-Four in einer konkurrenzfähigen Liga bist, wird es nicht leicht. Die letzten fünf Spiele gegen Salzburg wurden alle im Penaltyschießen entschieden. Also erwarten wir eine lange, enge Serie.

Warum waren diese Spiele gegen Salzburg so ausgeglichen?
Das sind zwei ausgeglichene Teams. Es gibt keine großen Unterschiede. Ich erwarte eine gute Serie.

Salzburg hat den Trainer gewechselt. Gibt es seither Unterschiede bei Salzburg?
Wir haben nach dem Trainerwechsel einmal gegen Salzburg gespielt. Es ist schwer, das System einfach so zu wechseln. Ich bin sicher, der neue Coach drückt dem Team seinen Stempel auf. Sie sind ein konkurrenzfähiges Team und haben in der Champions Hockey League sehr gut gespielt.

 

 

Salzburg zeigte in der CHL und in der EBEL verschiedene Gesichter. Welches werden Sie erwarten?
Jenes, mit dem sie gegen uns gespielt haben. Salzburg spielte gegen gute Teams in der Champion League und gegen uns sehr stark. Das ist, was wir erwarten. Es wird keine Überraschungen geben. Wir haben 59 Spiele absolviert, Salzburg 60. Wir haben eine gute Vorstellung, wie sie gegen uns spielen werden. Jetzt geht es darum, wer es auf das Eis bringt, wer mit dem Druck umgehen kann, wer die Hindernisse überwinden kann.

Welchen Vorteil haben die Capitals gegenüber Salzburg?
Ich weiß nicht, ob wir irgendeinen Vorteil haben. Das sind zwei gute Mannschaften. Am Ende kommt es nur darauf an, wer sein bestes Eishockey spielt. Das ist die Herausforderung.

Wie sieht es mit der Fitness von Rafael Rotter aus?
Er ist sehr nahe dran. Er wird in der Serie gegen Salzburg zurückkommen.

 

Im Viertelfinale gegen Znaim gab es ein paar verrückte Sachen, wie den Telefonanruf von Coach Miro Frycer an Strafsenat-Vorsitzenden Lyle Seitz während des Spiels und die Karotten in der Referee-Kabine, "für besseres Sehvermögen" sowie die Pokale  in der Caps-Kabine mit der Aufschrift "Weltmeister im Simulieren" und "Keine Sorge, wir pushen euch zum Titel! Eure Referees".
Cameron unterbricht... Das ist beschämend. Ich habe soetwas noch nie erlebt. Aber, was sie gemacht haben, hat unserem Team geholfen. Weil damit haben sie uns die Nachricht gesendet, dass sie nicht gut genug sind, um uns zu schlagen. Immer wenn es in einer Serie einen Nebenschauplatz gibt, zeigt das, dass ein Team nicht daran glaubt, gewinnen zu können. Also will ich den Znaimern dafür danken. Wenn die Liga dagegen nichts unternimmt, dann läuft etwas falsch.

Sind die Capitals nach den zehn Siegen in den zehn Spielen der Platzierungsrunde jenes Team über das der Weg zum Titel führt?
Wir wussten, dass wir konkurrenzfähig sind. Aber wir wissen auch, dass wir nicht die einzigen sind. Favorit oder Außenseiter… es ist das Papier nicht wert, auf dem es steht. Alle vier Teams können es gewinnen. Keiner wird einen Blitzschlag brauchen um den Gegner zu besiegen. Es gibt bei diesen vier Teams keinen Favoriten mehr.

Haben Sie in den Spielen gegen Znaim etwas gesehen, das Ihr Team verbessern muss?
Ein paar Spiele waren wir im ersten Drittel nicht gut. Von besseren Mannschaften wirst du dafür bestraft, wenn du schlecht startest. Das Zweite ist die Konsequenz. Der Gegner wird zu Chancen kommen und scoren. Also müssen wir es schaffen, dieses Momentum zu managen. Die Spieler auf der Bank müssen bereit sein, das Spiel zu übernehmen.

Sie tragen ein Play-off-T-Shirt der Capitals mit der Aufschrift „The hardest, the longest“.
Es  geht  darum: Wer am härtesten spielt und am längsten durchhält, der wird belohnt. Das ist wie guter Sex

Was hat Sie in Ihrer ersten Saison in Europa am meisten überrascht?
Wenn es eine Überraschung gibt, dann ist es eine angenehme. Wenn du in der NHL gecoacht hast und in eine andere Liga gehst, kannst du dir nie ganz sicher über das Level sein. Du sprichst mit Leuten darüber und ich kannte einige Spieler, die hier sind. Ich bin nicht überrascht, eher dankbar für das Niveau hier. Es gab in der Liga fünf Teams, die Meister werden konnten. Bei keinem dieser Teams müsste jemand geschockt sein, wenn es Meister werden würde. Das ist ein gutes Zeichen für die Liga.  Wenn du von Kanada herkommst, fällt dir auch der Heimvorteil auf. Das ist großartig. Drüben sehen alle Arenen gleich aus. Und die Fans sind hier außergewöhnlich. Das sind echte Fans. Es hat am Anfang ein wenig gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe. Ich mag das. Ich hätte es nicht besser erwischen können.

 

Welche Plätze in Wien bevorzugen Sie?
Alle, auf denen ich bisher war. Letzten Samstag waren wir im Belvedere. Das war großartig. Ich lebe am Donaukanal. Ich liebe es, dort laufen zu gehen. Kürzlich waren wir im Kunsthistorischen Museum. Du kannst dort eine Woche lang drinnen bleiben, so viel gibt es zu sehen

Sie würden also gerne länger bleiben?
Ja, ich könnte in Wien leben. In Kanada muss ich immer erzählen, wie schrecklich es hier ist, sonst habe ich ständig die Wohnung voll mit Besuchern (Anm. lacht).  Aber es ist nicht nur in Wien schön. Wenn wir nach Salzburg oder Bozen fahren und die pittoresken Täler sehen – es ist wunderbar hier. Vor allem für einen aus dem Osten Kanadas, wo es nur flach ist.

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