Gefährlicher Skisport: Die Liste der Verletzten (Bild: Peter Fill) ist lang. 

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Sport Wintersport
01/22/2020

Chirurg über Ski-Verletzungen: "Der Ski kann eine Waffe sein"

Christian Fink über die Probleme im Rennlauf: "Wir können im Skisport einfach kein Verletzungsmuster erkennen."

von Christoph Geiler

Wenn Christian Fink sich ein Skirennen ansieht, dann hat er nicht nur die Zeit, den Fahrstil und die Linienwahl der Stars im Blick. Seine Aufmerksamkeit gilt immer auch den Beinen der Athleten. Und dann beobachtet er genau: Wie reagieren die Kniegelenke auf die Belastungen? Halten die Sportler den Kräften stand? Und landet möglicherweise wieder jemand auf seinem Operationstisch?

Verletztenliste

In den Wintermonaten müssen Fink und seine Chirurgen-Kollegen häufig Sonderschichten einlegen. Mitunter tummeln sich die prominenten Patienten in der Klinik Hochrum bei Innsbruck. Im Jänner 2016 etwa erholten sich Aksel Lund Svindal, Georg Streitberger, Florian Scheiber und Nicole Schmidhofer gleichzeitig von ihren Operationen. Svindal, Streitberger und Scheiber hatten sich alle auf der Streif verletzt.

Auch in diesem Winter ist die Liste der Ausfälle lang, und die Teilnehmerfelder haben sich sehr gelichtet. Dominik Paris ist das letzte prominente Opfer. Der Südtiroler Abfahrtsstars, der bislang vor Verletzungen verschont geblieben war, zog sich beim Super-G-Training in Kirchberg einen Kreuzbandriss zu.

Christian Fink hat wenig Hoffnung, dass sich die Situation bessern wird und die schweren Verletzungen schon bald signifikant zurückgehen. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: „In anderen Sportarten gibt es oft sportartentypische Verletzungen, die immer wiederkehren. Da kann man dann in der Prävention arbeiten“, sagt Christian Fink, „aber im Skisport kannst du einfach kein klassisches Verletzungsmuster erkennen.“

Die Skisportler erleiden nicht nur Kreuzbandrisse im Knie, sie brechen sich auch die Schien- und Wadenbeine, Max Franz zog sich vor einem Jahr während der Fahrt auf der ruppigen Streif einen Bruch des Fersenbeins zu. Bei Stephanie Brunner und Anna Veith wiederum rissen die Kreuzbänder, ohne dass die beiden überhaupt zu Sturz gekommen wären. „Und dabei fallen die beiden nicht einmal in die Risikogruppe. Athleten, die größer, schlaksiger und auch muskelschwächer sind, sind da eher anfälliger“, weiß Chirurg Christian Fink, der zum Schluss kommt: „Es kann einfach jeden erwischen.“

Grenzgang

ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel erkennt in der Materialentwicklung eine Hauptursache für die vielen Verletzungen. „Ich glaube, dass jeder Rennläufer, jeder Trainer, jede Skifabrik versucht, die Athleten schneller zu machen. Und wenn du die Sportler immer schneller machen willst, dann bewegst du dich an der Grenze. Und dann wird es gleich einmal gefährlich.“

Christian Fink sieht mittlerweile die Grenze erreicht. „Die Athleten sind körperlich ausgereizt, auf dem Gebiet fällt uns nicht mehr viel ein.“ Dem ÖSV-Arzt bereiten vor allem die Verletzungen bei jungen Sportlern Sorgen, Nachwuchsskifahrer sind bisweilen mit dem Material überfordert. „Ein Ski, der sieben Kilo hat, ist für Mädchen mit 35 Kilo eine Waffe. So viel Kraft können die gar nicht haben, um die zu bändigen. Das geht sich nicht aus.“

Zwar haben sich die Operationstechniken und Behandlungsmethoden in den letzten Jahren zusehends verbessert, „was man daran erkennen kann, dass Skifahrer nach einem Kreuzbandriss oft stärker zurück kommen“, wie Christian Fink festhält, „aber wir werden im Spitzenbereich wohl immer eine Verletzungsquote von 20 bis 25 Prozent haben.“

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