© Action Images via Reuters/MATTHEW CHILDS

Fußball
09/15/2019

Von Sane bis Chiellini: Wieso sich Stars in Tirol operieren lassen

Christian Fink ist einer der besten Kniespezialisten. Immer mehr Sportgrößen vertrauen dem Chirurgen.

von Christoph Geiler

Die Frage, die dem Chirurgen Christian Fink in letzter Zeit wohl am häufigsten gestellt wurde, hat wenig mit Medizin zu tun. „Viele wollen wissen, ob ich bei prominenten Patienten nervöser wäre“, erzählt der Oberösterreicher. Seine Antwort ist eindeutig: „Sobald ich einmal mit der Operation angefangen habe, ist es völlig egal, wer da liegt.“

Und es lagen in den vergangenen Wochen so einige Persönlichkeiten aus der Welt des Sports im OP-Saal der Privatklinik Hochrum, um sich ihre ramponierten Kniegelenke von Christian Fink behandeln zu lassen.

Volle Betten

Leroy Sane zum Beispiel, der Fußballstar von Manchester City kam im August mit einem gerissenen Kreuzband nach Tirol. Die gleiche Verletzung hatte Giorgio Chiellini, der Abwehrchef von Juventus Turin, der Anfang September von Fink operiert wurde. Nicht zu vergessen: Der Rapidler Thorsten Schick und all die internationalen Basketball-Größen, die im letzten Monat in Hochrum unters Messer kamen.

Aber warum führt so viele Sportler nach einer Knieverletzung der erste Weg in die Privatklinik bei Innsbruck? Weshalb ist Christian Fink so ein gefragter Chirurg, wenn es um das Kreuzband geht? Wieso schickt der berühmte deutsche Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mittlerweile all seine Knie-Patienten zu Fink? Und warum ließen sich Sane, Chiellini und all die anderen nicht in ihren Heimatländern operieren?

Top-Infrastruktur

„Weil hier das Paket ein sehr Gutes ist“, erklärt Fink und verweist auf die Infrastruktur in der Privatklinik. „In diesem Bereich gibt es in Europa nicht viel Besseres. Und dass es hier die Möglichkeit gibt, den MR (Anm. Magnetresonanz) und den CT (Computertomograph) 24 Stunden am Tag zu bespielen, ist auch ein Riesenvorteil.“ Als die Skifahrerin Stephanie Brunner zuletzt vorzeitig vom Trainingslager in Südamerika heimkehrte, eilte Fink spätabends in die Klinik und diagnostizierte bei ihr einen Kreuzbandriss.

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Christian Fink kann nicht aufzählen, wie viele Knieoperationen er schon durchgeführt hat, aber er ist seit jeher eng mit dem Kreuzband verbandelt. Ende der 1980er-Jahre hatte er als junger Medizinstudent in Innsbruck seiner ersten Kreuzband-OP beiwohnen dürfen (bei Armin Assinger), seine Dissertation hat er dem Kreuzband gewidmet und seither lässt ihn dieses Thema nicht mehr los. Gerade erst hat er sich eine neue Operationstechnik patentieren lassen und erfährt für seine Innovationen weltweite Aufmerksamkeit. Bei einem Kongress in Indien führte das Mitglied des Gelenkpunkt-Chirurgen-Teams im Frühjahr vor 1500 Experten live eine Knie-OP durch.

Großer Rummel

Sein Eingriff bei Leroy Sane verlief dagegen vergleichsweise beschaulich. Auch wenn der OP-Saal in Hochrum voller war als normal. Der Teamarzt von Manchester City und ein Physiotherapeut des Klubs waren während der Operation anwesend. „Die haben fleißig mitgeschrieben und fotografiert“, berichtet Fink, „mich stört das nicht.“

Gewöhnungsbedürftiger war da schon der Medien-Rummel, den der prominente Patient mit sich brachte. Als bekannt wurde, dass Sane die Operation in Hochrum durchführen lassen würde, klingelte bei Fink ständig das Telefon. „Ich hatte das Gefühl, dass viele Medien das Rundherum viel mehr interessiert hat als die Krankengeschichte.“ Erstaunlicherweise hörten die Anrufe nach dem erfolgreichen Eingriff auf, obwohl Sane noch weitere drei Wochen zur Physiotherapie in Tirol weilte und in regelmäßigem Kontakt mit seinem Chirurgen stand. „Ich hatte das Gefühl, dass er sich hier wohlgefühlt hat.“

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Eine schwere Knieverletzung wie Sane und die anderen sie erlitten haben, hatte einst für die meisten Sportler das sichere Karriereende bedeutet. Dank der modernen Operationstechniken – meist werden körpereigene Sehnen als Kreuzbandersatz genommen – können heute viele Athleten wieder in den Spitzensport zurückkehren.

Das hofft Christian Fink auch bei Skifahrerin Stephanie Brunner, die er jetzt zum dritten Mal in eineinhalb Jahren am Kreuzband operieren musste. „Das lässt einen nicht kalt“, sagt Fink. „Manche haben’s wie beim Mensch-ärgere-dich-nicht. Die stehen knapp vor dem Haus, und dann batsch – und sie müssen wieder von vorne anfangen.“

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