Fenninger Abfahrts-Dritte

© Bild: apa

Beim Comeback von Lindsey Vonn sichert sich deren Landsfrau Alice McKennis überraschend den Sieg.

Strahlende Überraschungssiegerin: Alice McKennis
epa03532048 Alice McKennis of the USA reacts in the finish area during the Women's Downhill race at the Alpine Skiing World Cup … © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT
Irgendwann schüttelte Alice McKennis nur noch den Kopf. Die Amerikanerin stand in der Box, die für die Führende reserviert ist, und ihr war dabei sichtlich nicht ganz geheuer. Zum Glück hatte sie die Augen hinter dicken Sonnenbrillen versteckt, sonst hätte jeder die Verwunderung und das Entsetzen in ihrem Blick gesehen. "Damit", stammelte die 23-Jährige, "damit habe ich wirklich nicht gerechnet."

Da hält sich die amtierende Speed-Queen Lindsey Vonn (Platz sechs bei ihrem Comeback) ausnahmsweise einmal an das Tempolimit, und dann kommt mit Alice McKennis schon die nächste flotte Dame aus den USA dahergerast.

Alice McWer? Alice McWas? Alice McWie?

Nobody

Im Zielstadion von St. Anton hatten nur die wenigsten Kenntnis von dieser Alice McKennis, die da mit Startnummer vier die Hierarchie auf den Kopf stellte und die Abfahrt vor Daniela Merighetti (It) und Anna Fenninger gewann.

Lindsey Vonn obenauf - aber nur in der Jubeltraube
Lindsey Vonn (top) and members of the U.S. ski team celebrate after the Alpine Skiing World Cup downhill ski race in St. Anton J… © Bild: Reuters/LEONHARD FOEGER
Die Dame aus Colorado war bis zu ihrer Siegesfahrt in St. Anton das, was man gemeinhin gerne als unbeschriebenes Blatt bezeichnet: Ein siebenter Platz im letzten Winter war bisher das Highlight in ihrer Karriere. Verständlich, dass es der Senkrechtstarterin fast die Sprache verschlug. "Ich habe mir gedacht, dass ich einen guten Lauf erwischt habe, aber dass ich damit gewinne, hat mich völlig überrascht."

Verwunderung

Die Überraschungssiegerin passte irgendwie zu diesem Rennen, bei dem vieles anders lief als erwartet. Es begann bei der weichen Piste, die sich anders präsentierte als beim Training am Donnerstag, und das setzte sich beim Siegerfoto fort. Denn mit Daniela Merighetti und Anna Fenninger landeten zwei Läuferinnen in St. Anton auf dem Podest, die zuvor bislang jeweils erst einmal in der Abfahrt in die Top 3 gefahren waren.

Über sich selbst verblüfft: Anna Fenninger
Austria's Anna Fenninger celebrates after placing third in the Alpine Skiing World Cup downhill ski race in St. Anton January 12… © Bild: Reuters/LEONHARD FOEGER
Anna Fenninger war über ihren dritten Rang ähnlich verblüfft wie McKennis über ihren Erfolg. "Ich habe mir nach der Fahrt eigentlich gedacht: 'Das war heute nix'", berichtete die Salzburgerin. "Ich habe mich zeitweise extrem langsam gefühlt."

Dafür war die 23-jährige WM-Hoffnung dann aber flott unterwegs. "Egal, auf welcher Piste, es funktioniert. Die technischen Passagen bin ich gut gefahren, das stimmt mich zuversichtlich." Fenninger schaffte, was in dieser Saison erst wenigen Läuferinnen gelungen ist: Sie fuhr in drei Disziplinen (Super-G, Riesentorlauf, Abfahrt) auf das Podest.

Teilerfolg für Vonn, Talentprobe von Hütter

Vonn: 'Ein super erstes Rennen'
epa03532158 Lindsey Vonn of the USA reacts in the finish area after the Women's Downhill ace of the Alpine Skiing World Cup in S… © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT
Man hat Lindsey Vonn nach sechsten Plätzen schon schlechter gelaunt gesehen. In St. Anton aber machte die Amerikanerin gute Miene zum – für ihre Verhältnisse – schlechten Rennen.

Die 28-Jährige, die in diesem Winter bereits zwei Abfahrten für sich entschieden hatte, bezeichnete das Comeback als gelungen und den sechsten Rang als Teilerfolg. "Das war ein super erstes Rennen für mich", meinte Vonn, "vor allem, weil ich im Kopf wieder bereit war. Ich hatte leider bei diesen Verhältnissen Probleme, in der Spur zu bleiben."

20-Jährige Steirerin

Cornelia Hütter - Überraschung auf Rang zehn
Austria's Cornelia Huetter celebrates at finish line after taking tenth place in an alpine ski, women's World Cup downhill in St… © Bild: AP/Giovanni Auletta
Eine junge Österreicherin hinterließ derweil in St. Anton positive Spuren: Die 20-jährige Steirerin Cornelia Hütter raste mit Startnummer 38 auf den zehnten Rang und wurde überraschend zweitbeste ÖSV-Läuferin.

Vor dem Super-G am Sonntag (12 Uhr/live in ORFeins) und der WM-Generalprobe in Cortina zeichnet sich folgendes Abfahrtsteam für Schladming ab: Görgl (Titelverteidigerin), Fenninger, Sterz, Moser, Fischbacher.

Fenninger: "Kurve zeigt nach oben"

Nachgefragt bei der Salzburger Skirennläuferin Anna Fenninger (23), die am Samstag in der Weltcup-Abfahrt in St. Anton bei Prachtwetter vor 7.000 Zuschauern Dritte geworden ist:

Gegenüber dem Training waren die Pistenverhältnisse komplett anders, es war nicht mehr eisig und schlagig, sondern weicher Schnee. Beide Male waren Sie vorne mit dabei. Was sagt Ihnen das?
Anna Fenninger: "Das ist extrem wichtig für mich, dass ich sehe, dass es überall funktioniert. Egal auf welcher Piste. Ich glaube, ich kann mich auf das verlassen, was ich derzeit mache."

Sie haben in diesem Winter schon den Riesentorlauf auf dem Semmering gewonnen, waren in Abfahrt und Super-G auf dem Podest. Ist das die beste Anna Fenninger aller Zeiten?
"Das ist schwierig zu sagen. Ich bin sicher in einer extrem guten Form. Aber ich habe letztes Jahr auch schon ein Hoch gehabt, mich aber schnell wieder drausbringen lassen. Mein Ziel ist jetzt, das durchzuziehen, nicht mehr rechts und links zu schauen. Wenn ich das schaffe, kann man das so sagen."

Die WM rückt näher. Wie leicht ist es da, nur geradeaus zu schauen und nicht links oder rechts?

PK ÖSV: ANNA FENNINGER
APA10921604 - 10012013 - ST. ANTON - ÖSTERREICH: ÖSV-Rennläuferin Anna Fenninger am Donnerstag, 10. Jänner 2013, während eines P… © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

"Leicht eigentlich, weil morgen ist schon das nächste Rennen und wenn ich heute an die WM denke, funktioniert das morgen nicht. Für mich ist wichtig, von Tag zu Tag zu schauen, von heute bis morgen zu denken und nicht weiter."

Sie haben Ihr bestes Abfahrtergebnis eingestellt, sind zum zweiten Mal Dritte. Was bedeutet der Podestplatz?
"In der vergangenen Saison war es wirklich schwierig für mich, und wenn ich heuer ins Ziel komme, bin ich immer besser als Zehnte. Abfahrt fahren macht mir wirklich wieder extrem Spaß. Es ist super, dass ich in Österreich auf dem Podest stehen kann. Die Kurve zeigt nach oben, ich hoffe, das geht so weiter."

Es war ihr neunter Weltcup-Podestplatz in einem Speedrennen. Wie schwierig ist das Warten auf den ersten Sieg?
"Ich warte schon lange, aber vielleicht muss man so etwas einfach erwarten können. Natürlich will ich den Sieg so schnell wie möglich machen, aber je ungeduldiger ich werde, desto schwieriger wird es. Ich versuche einfach, step by step weiterzumachen. Ich fühle mich wohl in Riesentorlauf, Super-G und Abfahrt, es passt im Moment. Ich muss es passieren lassen. Ich will diese Konstanz bis ans Ende der Saison durchziehen."

Abfahrt in St. Anton

Damen-Abfahrt in St. Anton:

1. Alice McKennis ( USA) 1:14,62
2. Daniela Merighetti (ITA) +0,07
3. Anna Fenninger (AUT) +0,16
4. Tina Maze (SLO) +0,30
5. Laurenne Ross (USA) +0,32
6. Dominique Gisin (SUI) +0,34
. Lindsey Vonn (USA) +0,34
8. Marion Rolland (FRA) +0,49
9. Tina Weirather (LIE) +0,61
10. Cornelia Hütter (AUT) +0,69
11. Fränzi Aufdenblatten (SUI) +0,73
12. Nadja Kamer (SUI) +0,80
13. Regina Sterz (AUT) +0,82
. Stefanie Moser (AUT) +0,82
15. Julia Mancuso (USA) +0,88
. Leanne Smith (USA) +0,88
17. Francesca Marsaglia (ITA) +0,90
. Elena Fanchini (ITA) +0,90
19. Maria Höfl-Riesch (GER) +0,99
20. Ilka Stuhec (SLO) +1,03
21. Fabienne Suter (SUI) +1,04
22. Stacey Cook (USA) +1,08
23. Verena Stuffer (ITA) +1,15
24. Carolina Ruiz Castillo (ESP) +1,18
25. Lotte Smiseth Sejersted (NOR) +1,34
26. Andrea Dettling (SUI) +1,47
27. Viktoria Rebensburg (GER) +1,54
28. Mirena Küng (SUI) +1,60
29. Elena Curtoni (ITA) +1,63
30. Lisa Magdalena Agerer (ITA) +1,68
Weiter:
31. Andrea Fischbacher (AUT) +1,69
39. Stephanie Venier (AUT) +2,09
40. Nicole Schmidhofer (AUT) +2,16
47. Mirjam Puchner (AUT) +2,49

Ausgeschieden: Tamara Tippler (AUT), Marie Marchand-Arvier (FRA)

Erstellt am 12.01.2013