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Sport Wintersport
01/12/2021

Snowboard-Star Benjamin Karl: „Die Jungen haben Angst vor uns“

Der 35-jährige Niederösterreicher ist im Weltcup immer noch eine Klasse für sich. Warum lassen die Oldies die Jungen so alt aussehen?

von Christoph Geiler

Bei seinem letzten Weltcupsieg kurz vor Weihnachten kam sich Benjamin Karl (35) fast wie ein junger Hupfer vor: Auf dem Siegespodest wurde er von seinem Teamkollegen Andreas Prommegger und Roland Fischnaller (ITA) flankiert, zwei Snowboardern in den Vierzigern.

115 Lebensjahre vereint auf einem Stockerl – in vielen anderen Sportarten würde so etwas jede Menge Aufsehen erregen, im Snowboarden freilich ist dieses Siegerfoto alles andere als ein Bild mit Seltenheitswert.

Die drei älteren Herren dominieren und prägen nun schon seit fast zwei Jahrzehnten das Alpinboarden, sieben WM-Titel, 55 Weltcupsiege und 14 Kristallkugeln gehen allein auf das Konto des rasanten Trios. „Wir sind die All-Time-Best“, sagt Benjamin Karl.

Trophäensammlung

Benjamin Karl (*16.Oktober 1985 in St.Pölten) ist einer der erfolgreichsten Alpinsnowboarder der Geschichte. Die Liste seiner Triumphe ist lang, seine Medaillensammlung beachtlich.

Von 2009 bis 2013 wurde er vier Mal in Folge Weltmeister, dazu kommen drei weitere WM-Medaillen und zwei Medaillen bei den Olympischen Winterspielen.

Je drei Mal gewann der Familienvater den Gesamtweltcup und den Parallelweltcup, aktuell hält der 35-Jährige bei 18 Weltcupsiegen.

Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass gerade in einer vergleichsweise jungen Sportart wie Snowboarden die Routiniers den Ton an- und das Tempo vorgeben. Benjamin Karl findet das keineswegs so verblüffend. „Die Jungen haben eben Angst vor uns“, glaubt der Niederösterreicher.

Nervenschlacht

Das Parallelformat, in dem natürlich auch heute und morgen beim Weltcup in Bad Gastein wieder die Gewinner ermittelt werden, ist wie geschaffen für so selbstbewusst auftretende Typen wie Karl, der nicht nur die Kurventechnik beherrscht, sondern auch das Nervenspiel. Im Kampf Mann gegen Mann spielt der Kopf oft eine wichtigere Rolle als die Beine. „Wir haben die Konstanz und die Routine, deshalb sind wir immer noch so schwer zu biegen“, meint Karl.

Natürlich hat auch er in der Vergangenheit die Kritiker und Nörgler vernommen, die teilweise kein gutes Haar an den Snowboardern ließen. Da wurde zum Beispiel an der Professionalität der Sportart gezweifelt, weil die Salzburgerin Claudia Riegler mit 45 noch ein Weltcuprennen gewann. Da wurde das Leistungsniveau in Zweifel gezogen, weil in den Ergebnislisten häufig dieselben Athleten vorne zu finden waren. „Wie der Hirscher noch gefahren ist, haben auch nur drei, vier Leute gewonnen“, entgegnet Benjamin Karl.

Imagekorrektur

Überhaupt, die Skiläufer: Was war nicht gespottet worden, als die Snowboard-Seriensiegerin Ester Ledecka plötzlich auch im Skiweltcup auftauchte. Spätestens seit dem Sensationssieg der Tschechin im Olympia-Super-G von Pyeongchang (2018) müssen sich die Boarder nicht mehr von der Seite anreden lassen. „Die Skifahrer haben alle geglaubt, bei den Boardern wäre es so einfach, zu gewinnen. Jetzt haben sie gesehen, was los ist. Sie wollten es einfach nicht wahrhaben“, sagt Karl.

Ein Spurwechsel wäre für den vierfachen Weltmeister nie in Frage gekommen. Dafür ist seine Leidenschaft für das Snowboarden viel zu groß. Vor allem aber stehen noch viel zu viele Aufgaben und Ziele auf seiner persönlichen To-do-Liste.

Benjamin Karl, der laut Eigendefinition mit 21 Jahren schon eine „Ausnahmeerscheinung war“, möchte die Snowboard-Geschichte umschreiben. „Ich will noch ein Exempel statuieren“, sagt der vierfache Weltmeister.

Übersetzt bedeutet das: „Wenn ich einmal aufhöre, dann sollten alle Rekorde gebrochen sein. Die meisten Weltcupsiege, die meisten Gesamtweltcupsiege, die meisten Medaillen – und natürlich Olympiagold. Genau das motiviert mich.“

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