Im Aufwind: Der Tiroler Thomas Lackner hebt bei der Tournee ab.

© GEPA pictures/GEPA pictures/ Oliver Lerch

Sport Wintersport
12/28/2020

Wie es der kaderlose Thomas Lackner zur Tournee schaffte

Den 27-jährigen Tiroler kannten bis vor wenigen Wochen nicht einmal ausgewiesene Skisprung-Insider.

von Christoph Geiler

Hätte es noch einen allerletzten Beweis gebraucht, dass Thomas Lackner ein durch und durch ungewöhnlicher Skispringer ist, dann lieferte ihn der Tiroler wenige Stunden vor seinem Tournee-Debüt. Wie er sich denn auf den Schanzenklassiker vorbereitet habe, wurde der 27-Jährige gefragt. „Mit einer Skitour“, lautete die verblüffende Antwort.

Thomas Lackner dürfte mit ziemlicher Sicherheit der einzige Tourneestarter sein, der sich so auf diesen Saisonhöhepunkt eingestimmt hat. Aber das passt wie vieles andere auch zu der besonderen Geschichte, die der Tournee-Neuling erzählen kann, den bis vor wenigen Wochen nicht einmal ausgewiesene Skisprung-Insider kannten.

Schwer zu finden

Wie denn auch? Thomas Lackner ist weder im 153-seitigen offiziellen ÖSV-Teamheft aufgelistet, noch ist sein Name überhaupt in einem Kader des österreichischen Skiverbandes zu finden. Der Mann aus Hall ist ein sogenannter Mittrainierer, wie jene Springer bezeichnet werden, die zwar immer noch im Trainingsbetrieb dabei sein dürfen, sich aber praktisch um alles selbst kümmern müssen.

Wie um alles in der Welt schafft es in einer Skisprungnation wie Österreich so jemand ins Tournee-Aufgebot und drängt dabei sogar den großen Gregor Schlierenzauer aus dem Team?

Erste Weltcuppunkte

„Weil ich es mir verdient habe“, sagt Thomas Lackner. Wegen der Corona-Fälle im Nationalteam musste der Tiroler kurzerhand beim Weltcup in Nischnij Tagil (Russland) einspringen und landete dort prompt auf dem vierten Platz – die ersten Weltcup-Punkte in der langen Karriere von Lackner.

Fast erstaunlicher als dieser unbeschwerte Auftritt in Nischnij Tagil ist, dass der 27-Jährige heute überhaupt noch über Schanzen springt. So verheißungsvoll 2011 die Laufbahn mit Junioren-WM-Gold im Teambewerb (an der Seite von Kraft und Hayböck) begonnen hatte, so schwierig gestalteten sich die Jahre danach.

Drei Mal musste er 2013 operiert werden, nachdem er sich bei einem Sturz in den USA an beiden Kniegelenken (Patellarsehnenriss) schwer verletzt hatte.

Danach plagte sich der Tiroler in den Niederungen des Kontinentalcups, ohne sich je für den Weltcup empfehlen zu können. Lackner bereitete sich deshalb schon vorsorglich auf die Karriere danach vor: Er begann ein Jus-Studium und arbeitet zudem bei einem Juwelier.

Eigene Wege

Erstaunlicherweise half ihm gerade diese Abwechslung auf die Sprünge. „Das hat mir persönlich extrem gutgetan. Wenn du sieben Tage die Woche immer nur ans Skispringen denkst, dann kannst du leicht verkopfen“, sagt er.

Thomas Lackner hat inzwischen einen anderen Zugang zum Skispringen. „Ich trainiere nur das, wovon ich glaube, dass es meinem Körper hilft.“ In seinem Fall ist das ein Sport, der keinem seiner Kollegen in den Sinn käme. „Ich war heuer 3.000 Kilometer Radfahren.“

Trotz der Tournee-Teilnahme ist Thomas Lackner übrigens noch immer kaderlos. Das bedeutet auch, dass er kein offizielles ÖSV-Outfit besitzt. „Die Jacke hat mir Stefan Kraft geschenkt“, erzählt er. Sein Helm stammt von Thomas Diethart.

Es gibt schlechtere Roben für einen Skispringer: Thomas Diethart und Stefan Kraft waren immerhin die beiden letzten österreichischen Tourneesieger.

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