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Sport Wintersport
09/05/2019

Reaktionen auf Marcel Hirschers Rücktritt

"Ich war einer der ersten, denen er es gesagt hat. Ich habe ihn nicht abgehalten", sagte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Reaktionen zum Rücktritt von Ski-Star Marcel Hirscher:

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: "Ich war einer der ersten, denen er es gesagt hat. Ich habe ihn nicht abgehalten. Marcel ist ein Mensch, der sehr genau überlegt, was er tut. Ich habe die Entscheidung akzeptiert. Es geht ihm jetzt sicher emotional viel besser als vorher. Es fällt ihm sicher ein Stein vom Herzen. Er hatte Riesendruck, den ist er jetzt los. Marcel ist einer der größten Athleten überhaupt, nicht nur im Skisport. Er ist ein Idol. Natürlich hinterlässt er eine Lücke, aber das gibt anderen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Marcel bleibt uns aber in der Jugend erhalten, mit seinem Papa verhandeln wir auch, ob wir eine Möglichkeit finden, mit ihm zu arbeiten."

Bundespräsident Alexander van der Bellen: "Wenn ein Jahrhundert-Skifahrer wie Sie seinen Rücktritt erklärt, dann ist das zuerst ein kleiner Schock. Uns allen werden die spannungsgeladenen Momente fehlen, die Momente, in denen Sie sich aus dem Starthaus katapultieren und mit einem Höllentempo dem Sieg entgegenfahren. Und auch ihre erfrischend offenen Interviews werden uns fehlen. Mehr als Sie erreicht haben, kann man als Skifahrer kaum erreichen. Wenn Sie jetzt, am Höhepunkt Ihrer Karriere, aufhören, kann ich das verstehen. Ein Jahrhundert-Skifahrer werden Sie immer bleiben, ein Teufelskerl zwischen rot und blau. Vielen Dank für die Spannung und die Freude, die Sie uns allen, die Sie Österreich geschenkt haben. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute für die Zukunft."

Hans Pum (ÖSV-Sportdirektor von 2010-2019): „Für Marcel war die Entscheidung sicher nicht leicht. Der Skisport ist sein Leben und seine Leidenschaft. Mit dieser Einstellung und Konsequenz war Marcel sicher einzigartig. Er hat nichts dem Zufall überlassen und hat den Sport 24 Stunden gelebt. Er ist ein Vorbild für alle Menschen, die im Leben etwas Großes erreichen wollen. Er hat so viel für den ÖSV, für Österreich und den gesamten Skisport getan hat, dafür möchte ich mich bei ihm bedanken. “

Pamela Rendi-Wagner (SPÖ-Bundesparteivorsitzende): "Danke für die spannenden Momente, die viele ÖsterreicherInnen stolz gemacht haben. Marcel Hirscher ist nicht nur sportliches Vorbild, sondern jemand, der für Zusammenhalt und Mitgefühl einsteht. Für morgen wünsche ich echt langen Schlaf und ein ausgiebiges Frühstück!"

Toni Giger (ÖSV-Sportdirektor, seit Juli 2019): „Marcels Erfolge sprechen für sich. In 269 Rennen im Weltcup, bei Olympischen Spielen und Skiweltmeisterschaften hat er Ski-Geschichte geschrieben und alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Mehr noch: Seine acht Gesamtweltcupsiege in Folge haben ihn weit über den Skisport hinaus zum Inbegriff für einen modernen Athleten gemacht, zu einem Sportler, der Akribie und Ambition, Talent und Technik, Motivation und mentale Stärke wie kein anderer in sich vereint hat. So wie mir hat Marcel der gesamten Ski-Community unendlich viele Gänsehautmomente geschenkt – oft unter extremem Erwartungsdruck. Als Mensch ist er ein Teamplayer, als Rennläufer hat er einen Ski-IQ von weit über 160. Ich bin froh und dankbar, wenn ich als Wegbegleiter einen kleinen Beitrag zu seiner Entwicklung leisten konnte. Marcel hat den Skisport geprägt und auf ein neues Level gehoben. Er hat gezeigt, was mit Commitment und Kompromisslosigkeit alles möglich ist – das bleibt, auch wenn er seine Karriere jetzt beendet hat. Und von diesem Spirit werden wir im ÖSV auch in Zukunft profitieren.“

Andreas Puelacher (Sportlicher Leiter ÖSV-Herren): „Das ist natürlich sehr schade. Ich verliere nicht nur einen großartigen Sportler aus unserer Mannschaft, sondern auch einen Menschen, der sehr positiv und professionell war, der immer ein Ziel vor Augen hatte und der sehr integer war. Für uns wird es sehr schwierig, diese Lücke zu füllen. Natürlich wird es schwer um den Gesamtweltcup mitzukämpfen. Einige Athleten sind noch nicht so weit, andere, die die Möglichkeit hätten, haben aufgrund ihrer sportlichen Ausrichtung fast keine Chance um die große Kugel zu kämpfen. Marcel wünsche ich für sein neues Leben nur das Beste.“

Philipp Schörghofer (Ex-Skirennläufer): "Es hat wenig Emotion gezeigt. Aber er hat selten Emotionen gezeigt. Aber man hat gesehen, dass er das loswerden wollte und dann erleichtert war. Er ist ausgelaugt. Jeder hat viel erwartet von ihm und er hat nur geliefert. Es interessiert ihn auch nicht, Zweiter oder Dritter zu werden. Das hat ihn nie interessiert. Aber zehn Jahre auf dem Level zu fahren, das musst du einmal aushalten." 

Annemarie Moser-Pröll (Ex-Skirennläuferin): "Marcel hat eine Karriere hingelegt! Lange Zeit wird es das nicht mehr geben. Er hat es sich sicher lange überlegt und mit der Familie besprochen."

Benjamin Raich (Ex-Skirennläufer): "Bis vor kurzem hätte ich nicht gedacht, dass er aufhört. Marcel ist ja noch jung und hätte noch einige Jahre fahren können. Auch der Rekord an Weltcupsiegen von Ingemar Stenmark wäre möglich gewesen. Es war eine mutige Entscheidung und für ihn die hoffentlich richtige. Jede Zeit hat ihre Stars, ich würde aber sagen, er ist der Größte."

Zu einem vorstellbaren Hirscher-Comeback wie einst bei Annemarie Moser-Pröll oder Niki Lauda meinte Raich: "Vom Alter und vom Können her wäre es möglich. Ich glaube es aber nicht. Marcel ist sehr konsequent bei seinen Entscheidungen."

Felix Neureuther (GER/ehemaliger, ebenso heuer zurückgetretener Konkurrent von Marcel Hirscher): "Servus Marcel, jetzt stehen wir also da wir zwei. Nichts mit Zicki-Zacki, Hutschi-Hutschi mit den Kindern ist auch etwas Schönes. Ich muss aber sagen, dass ich schon ein bisschen geschockt bin über deinen Rücktritt. Aber ich freue mich gleichzeitig, dass du für dich die Entscheidung getroffen hast. Es war für mich eine riesengroße Freude und Ehre, mit dir Skirennen zu fahren. Du weißt, du bist für mich der Allergrößte. Genieß die Zeit. Daher sage ich dir nicht Servus, sondern 'Bis bald mein Freund. Adios."

Jürgen Melzer (Tennisprofi): "Ich finde es natürlich schade, wenn so ein großer Sportler zurücktritt. Aber es ist eben uns überlassen, wann wir halt Servus sagen. Wenn das für ihn der richtige Zeitpunkt ist, dann muss man das komplett akzeptieren. Man kann ihm nur gratulieren zu der außerordentlichen Karriere, die er da hingelegt hat. Das wird natürlich im Winter jetzt anders sein ohne ihn. Er hat für das Land extrem viel Werbung betrieben und das fällt jetzt weg, wünsche ihm alles Gute und eine gute Pension."

Oliver Marach (Tennisprofi): "Es ist schade. Ich habe mir immer gerne seine Rennen angeschaut, er ist ein außergewöhnlicher Skifahrer. Man muss fast sagen, dass er den Herminator getoppt hat mit seinen Leistungen und es ist sehr hoch anzurechnen. Ich hätte ihn vielleicht noch ein, zwei Jahre gern fahren gesehen, wenn sie in Panama mal übertragen haben."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident und Vizepräsident der Österreichischen Bundes-Sportorganisation): "Im Namen des organisierten österreichischen Sports gratuliere ich Marcel Hirscher zu seiner einzigartigen Karriere, wünsche ihm und seiner Familie auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute und freue mich, dass er dem Sport in anderer Funktion erhalten bleiben dürfte! Die Konsequenz, mit der er seine Ziele verfolgt, aber auch sein stets menschliches Auftreten besitzen Vorbildwirkung – über den Spitzensport hinaus. Hirschers grandiose Leistungen waren für Tausende Kinder und Jugendliche der Anlass, mit einer Sportart zu beginnen. Dadurch hat er dem österreichischen Sport geholfen, seine facettenreiche Kraft – von der Gesundheits- bis zur Integrations-Komponente – besser zu entfalten."

Internationale Pressestimmen Hirschers Rücktritt :

DEUTSCHLAND:

Bild: "Ski-Gigant Hirscher hört auf."

Abendzeitung (München): "Eine Skilegende sagt Servus."

Münchner Merkur: "Skifahren nur noch an schönen Tagen. Österreichs Alpin-Star Marcel Hirscher tritt zurück: Der Akku lädt mit 30 nicht mehr wie mit 18. ... Österreich am Bildschirm. Wegen des Skisports. Mitten im Sommer. Die Nation gebannt wie vor dem olympischen Abfahrtslauf von Franz Klammer am Patscherkofel."

Tagesspiegel: "Mit dem Gefühl des Gewinnens. Österreichs Skistar Marcel Hirscher beendet im Alter von 30 Jahren seine beeindruckende Karriere. Wenn das internationale Interesse am Skisport immer so groß wäre wie am Mittwochabend bei der Abschiedskundgebung von Marcel Hirscher, den Nachfolge-Generationen des Superstars wären Rampenlicht und Schlagzeilen gewiss."

ITALIEN:

Dolomiten: "Zieldurchfahrt der anderen Art. Es war um 20.23 Uhr, als gestern die Karriere des gemeinsam mit Ingemar Stenmark besten Skirennläufers aller Zeiten zu Ende ging."

Gazzetta dello Sport: "Der österreichische Skisport verliert seinen König. Die Größe dieses Ski-Meisters ohne Starallüren bezeugen die wahnsinnigen Resultate, die noch beachtenswerter sind, weil Hirscher im Slalom stets gewonnen hat, wo ein paar Zentimeter den Unterschied zwischen einer enttäuschenden Niederlage und einem außerordentlichen Erfolg machen."

Corriere dello Sport: "Hirscher, der Größte, verlässt den Skisport. Hirscher verabschiedet sich wie ein König. Der österreichische Kannibale, der einzige Skifahrer, der acht Mal die WM gewonnen hat, beendet mit 30 Jahren seine Karriere. Er verlässt den Skisport am Höhepunkt, nachdem er den achten Winter hintereinander die Skiwelt dominiert hatte."

La Stampa: "Trotz seines zurückhaltenden Charakters hat Hirscher dem Skisport Spannung ohne gleichen beschert. Einer der größten Skistars aller Zeiten schreibt das Wort Ende für eine glorreiche Karriere. Der Mann mit den acht Weltcup-Titeln hält Österreich mit der Ankündigung seines Karriere-Endes im Atem. Österreich nimmt von seinem Gladiator Abschied, der mit 30 Jahren frei von Training, Wettkämpfen und Verpflichtungen leben will."

Corriere della Sera: "Hirscher zieht sich zurück. Österreich feiert sein Ski-Mythos. Das Land verliert einen der größten Skifahrer aller Zeiten."

La Repubblica: "Hirscher zieht sich zurück und will ein neues Leben. Seine physischen Eigenschaften haben dem Slalom eine neue Technik und Geschwindigkeit gegeben. Keiner hat den Slalom so stark geprägt wie er."

SCHWEIZ:

Neue Züricher Zeitung: "Der Sommer ist zu kurz geworden. Marcel Hirscher, der erfolgreichste Skirennfahrer, fragte sich immer wieder aufs Neue, ob er aufhören soll - jetzt tritt er per sofort zurück. Es war, als sei noch einmal alles aus ihm herausgequetscht worden - seine Bekanntheit, das Interesse an ihm, an diesem Skirennfahrer, der sich Winter für Winter auspresste wie eine Zitrone. Am Mittwochabend hatte Marcel Hirscher den letzten Auftritt im alten Leben als Zitrone, und das Land sollte zusehen."

Blick: "Hirscher ist nicht der größte Skifahrer aller Zeiten. Marcel Hirscher verkörpert ... die seltene Kombination von einem gottbegnadeten Talent und einem knallharten Arbeiter. Das finale Ergebnis ist beeindruckend. ... Ist Marcel Hirscher deshalb der größte Rennfahrer der Alpin-Geschichte? Nein! Für diesen Titel fehlt dem Österreicher genau wie Stenmark ein Sieg in der Königsdisziplin Abfahrt. Im Gegensatz zu Pirmin Zurbriggen, der in allen Disziplinen mindestens zweimal gewonnen hat. Hirscher hat neben einem Abfahrtssieg auch noch etwas anderes vermissen lassen: den Unterhaltungswert neben der Piste."

LIECHTENSTEIN:

Liechtensteiner Volksblatt: "Hirschers erwarteter Rücktritt. Es würde immer noch einen Rekord hier und eine Bestleistung da geben, die Skistar Marcel Hirscher knacken könnte. Aber er will nicht mehr."

NIEDERLANDE:

De Telegraf: "Ski-Ikone Hirscher hört auf. Der 30-jährige Österreicher, der eine niederländische Mutter hat, gilt als einer der besten Skifahrer aller Zeiten."