Wintermärchen am anderen Ende der Welt: So trainieren die ÖSV-Stars
Nina Ortlieb und Julia Scheib beim Training in Südamerika
Das Video, das Julia Scheib dieser Tage vom anderen Ende der Welt nach Österreich schickte, macht richtig Lust aufs Skifahren. Die beste Riesentorläuferin der Gegenwart zieht da einsam ihre Schwünge auf Naturschnee, die Berggipfel im Hintergrund sind angezuckert, so stellt sich ein Rennläufer das Paradies vor.
Die Suche nach dem Winter hat Julia Scheib und ihre ÖSV-Kolleginnen wieder einmal ins ferne Ushuaia am südlichsten Zipfel von Argentinien geführt. Die sogenannte WC3-Gruppe, der seit diesem Jahr auch Abfahrerin Nina Ortlieb angehört, bildet seit dem Wochenende die österreichische Vorhut.
Die österreichischen Ski-Teams bereiten sich in Chile und in Argentinien auf die kommende Saison vor
Nach und nach reisen die österreichischen Skistars nach Südamerika, insgesamt elf ÖSV-Teams, von der Weltcup-Speedgruppe bis hinunter zur Europacup-Truppe, werden sich bis Ende September in Südamerika auf die kommende Saison einstimmen.
4 Meter Schnee
„Die Camps in Südamerika sind vor allem für jene Läufer wichtig, die schon in Sölden in die Saison einsteigen. Aber auch Abfahrer bekommen dort die notwendigen Speedkilometer“, erklärt ÖSV-Alpinchef Christian Mitter.
Das österreichische Frauen-Team rund um Julia Scheib und Nina Ortlieb bei der Abreise nach Argentinien
Die Bedingungen, die die Österreicher und all die anderen internationalen Trainingsgruppen heuer in Südamerika vorfinden, könnten besser nicht sein.
La Parva in Chile, wo die Abfahrer rund um Vincent Kriechmayr ab heute ihre Zelte aufschlagen, vermeldet aktuell eine Schneehöhe von vier Metern. Dafür nehmen die Läufer gerne die lange Anreise in Kauf.
Zumal die Vorbereitung in Südamerika alternativlos ist. In den europäischen Alpen ist inzwischen der gesamte Skibetrieb eingestellt worden, weil die Gletscher nur so dahinschmelzen.
Am Samstag sperrte mit dem Stilfser Joch (3.450 Meter Seehöhe) in Italien das letzte noch offene Skigebiet zu. Zuvor hatten bereits Zermatt und Saas Fee in der Schweiz im Kampf gegen die hohen Temperaturen w. o. geben müssen.
„Wir sind mit unseren Teams relativ gut durchgekommen und haben nur wenige Skitage verloren“, erklärt Christian Mitter. „Wir werden uns aber darauf einstellen müssen, dass es im August weniger Möglichkeiten gibt und es schwieriger wird mit dem Skifahren.“
17 Tonnen Gepäck
Schon jetzt schickt der ÖSV den Nachwuchs vermehrt in die europäischen Skihallen, damit das Sommerloch nicht zu groß wird. In diesem Jahr geht auch das Slalom-Weltcupteam rund um den Olympiazweiten Fabio Gstrein diesen Weg und trainiert indoor.
Der ÖSV-Logistikpartner DSV karrt 17 Tonnen Material nach Südamerika
Für die elf Teams, die sich in Südamerika auf den europäischen Winter einstimmen, betreibt der Skiverband einen enormen Aufwand.
17 Tonnen Equipment wurden heuer nach Argentinien und Chile geschickt, die Hunderte Meter langen Sicherheitsnetze und sauschweren Ergometer hat der ÖSV aus Kostengründen vor einem Jahr überhaupt gleich dort gelassen. Immerhin muss der Verband diesmal keine eigenen Ärzte mitschicken, dank einer Kooperation mit einer Klinik in Santiago de Chile unterstützen lokale Ärzte die Skistars.
Ein teurer Spaß bleibt es trotzdem. Den Skiverband kosten die Südamerika-Camps eine stattliche sechsstellige Summe.
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