Einst Rivalen, jetzt Partner: Henrik Kristoffersen und Marcel Hirscher

© Red Bull/Jörg Mitter

Sport Wintersport
07/15/2022

Sieg Nummer 68 ist das Ziel: Marcel Hirschers Team ist komplett

Der achtfache Gesamtweltcupsieger hat sich eine neue Aufgabe gestellt. Henrik Kristoffersen soll sie erfüllen.

Der eine holte seinen ersten von acht Siegen im Gesamtweltcup, der andere gab gerade sein Debüt auf höchster Ebene: Am 11. März 2012 trafen Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen erstmals aufeinander. In Kranjska Gora wurde ein Riesenslalom gegeben, der 23-jährige Salzburger schied im ersten Lauf aus, der 17-jährige Norweger verpasste die Qualifikation für den zweiten Durchgang um 24 Hundertstelsekunden - Platz 35.

Zehn Jahre später ist Hirscher Motorradpilot und Unternehmer ("Ich selber würde mich aber nie Unternehmer nennen"), und Kristoffersen ist sein erster Mitarbeiter. Der Norweger hat im Frühjahr seinem Langzeitausrüster Rossignol den Rücken gekehrt und ist zum Projekt Van Deer gestoßen, das nun um die Komponente Red Bull erweitert wird.

Gemeinsam gründete man die Van Deer-Red Bull Sport Equipment GmbH und übernahm den Ski-Produktionsstandort von Augment in Stuhlfelden. Augment - neu mit Speed-Ass Max Franz - bleibt als eigenständige Marke aber erhalten, und es sollen auch andere Wintersportgeräte entwickelt und produziert werden.

Der große Traum

"Projekt 68" lautet die Überschrift, und der frühere ÖSV-Sportchef Toni Giger ist auch ein Teil des Ganzen. Ziel ist nicht weniger als ein Weltcupsieg auf Hirscher-Skiern, nachdem es für den Athleten Hirscher zu 67 Erfolgen gereicht hat, soll Nummer 68 für den Unternehmer Hirscher folgen. Und ein Produkt sowohl für Profis als auch für Otto Normalskifahrer.

"Ich hatte immer die Vorstellung von einem Sieg auf meinem eigenen Ski", sagt Hirscher, der mit seinem Sinn für Tüfteln und Tunen seine Serviceleute auf Trab hielt, ebenso aber auch seinen Ausrüster Atomic. In stundenlangen Gesprächen über kleinste Details kann sich der 33-Jährige auch heute noch verlieren. Was also lag näher, als selbst in Forschung, Entwicklung und Produktion zu gehen?

Energiegeladene Voraussetzungen

Für Spannung ist jedenfalls gesorgt. Denn Henrik Kristoffersen ist keiner, der sich zurückhält. Legendär sind seine Wutanfälle und Klagereden, wenn etwas nicht so läuft, wie es sich der Norweger vorstellt. Sei es im Streit mit dem norwegischen Skiverband, sei es Ärger über das Material. Umgekehrt weiß Marcel Hirscher genau, was wann und wo er will - für Reibung ist gesorgt, die Frage ist nur, ob die dabei entstehende Energie produktiv genutzt wird.

"Wenn ich schon nicht mehr selbst gewinnen kann, dann soll es wenigstens ein Ski von mir tun", sagt Hirscher. "Ich hatte immer eine großartige Beziehung zu Henrik, und er wollte immer die besten Skier haben. Abseits der Piste waren wir immer Freunde, es war immer eine faire und freundliche Beziehung. Und jetzt ist es eine Arbeitsbeziehung."

"Hier treffen zwei Partner aufeinander, die im Sport alles erreicht haben und deswegen erfolgreich waren, weil sie für den Erfolg an jeder noch so kleinen Stellschraube drehen“, sagt Toni Giger, einer von zwei Geschäftsführern des Herstellers. "Es ist für mich eine spannende Herausforderung, mit Alpin- und Sprungskiern bereits im kommenden Weltcup-Winter um Spitzenplätze mitzukämpfen.“

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