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Dominik Landertinger
12/07/2012

"Schießen und Laufen"

Dominik Landertinger über alte Sorgen, neue Ziele und den Vergleich mit anderen Sportarten.

von Christoph Geiler

Zwei Podestplätze, vier verschiedene Sportler in den Top Sechs, heimliche Nummer eins in der Herren-Nationenwertung – Österreichs Biathleten feierten beim Saisonstart in Östersund ein Schützenfest. Lokalmatador Dominik Landertinger (24) reiste mit einem zweiten Platz zum Heimweltcup nach Hochfilzen, der am Freitag mit dem Sprint (11.30 Uhr/live in ORFeins) eröffnet wird.

KURIER: Seien Sie ehrlich, haben Sie selbst mit so einem Saisonstart gerechnet?
Dominik Landertinger: Damit konnte man nicht rechnen. Bei mir war’s eher umgekehrt: Ich war vor der Saison komplett irritiert.

Irritiert! Warum?
Ja, ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie’s aussieht und wo ich stehe. Bin ich dabei, oder nicht? Sind wir auf dem richtigen Weg? Der letzte Winter hat uns alle verunsichert. Es ist das Schlimmste, wenn du hinterherläufst und nicht weißt, warum.

Klingt nach Selbstzweifel?
Zeitweise habe ich mir schon gedacht: "Hey, was ist eigentlich los mit dir? Wieso haut es nicht mehr so hin wie früher?"

Wissen Sie denn jetzt, was letzten Winter schiefgelaufen ist?
Ich sage: Wir haben es mit dem Training übertrieben. Wahrscheinlich haben wir zu viel Gas gegeben und viel zu viele Sachen ausprobiert, die im nachhinein sinnlos waren. Das haben wir verändert.

Heißt nun das Motto: Weniger ist mehr?
Wir sind jedenfalls wieder zurückgegangen zu den Wurzeln. Kein Hokuspokus mehr, nicht mehr so wissenschaftlich, sondern Schießen und Laufen, solides Biathlon-Training eben. Es ist schön zu sehen, dass es jetzt zu hundert Prozent wieder passt. Wir haben in Östersund vier Leute in die Top Sechs gebracht, das ist Wahnsinn.

Eigentlich unvorstellbar, dass dieselben österreichischen Biathleten im März bei der WM im Staffelrennen mit der besten Schießleistung aller Teams leer ausgegangen sind.
Ganz ehrlich: Das war zum Schämen. Normal musst du mit dieser Leistung Gold holen. Ungeschaut. Aber wir hatten damals einfach kein Benzin. Aber so ist der Sport, das muss dir bewusst sein. Wenn dich das fertigmacht, dann kriegst du über kurz oder lang ein Burn-out.

Macht Ihnen der Erfolgsdruck denn gar nichts aus?
Mit dem Druck musst du als Sportler sowieso leben. Du darfst dich nur nicht narrisch machen lassen. Wenn ich im Rennen bin, denke ich nicht daran. Ich kann jedenfalls nach dem zweiten Platz in Östersund befreiter starten. Weil ich weiß, dass ich vorne mitmischen kann.

Apropos mitmischen: Wie sieht es eigentlich mit Ihren Ambitionen aus, im Speziallanglauf zu starten?
Das ist immer noch ein Thema. Nur muss ich erst einmal schauen, dass ich bei den Biathleten der schnellste Läufer werde. Es macht keinen Sinn, bei den Spezialisten zu starten, wenn ich bei den Biathleten nur die 15. Zeit laufe. Da rennen mir die Langläufer um die Ohren. Heuer konzentriere ich mich nur auf Biathlon.

Wie sehen Sie denn überhaupt den Status Ihrer Sports?
Biathlon ist die Nummer eins im Wintersport. Hundertprozentig. In keinem anderen Wintersport ist die Dichte so groß. Nüchtern betrachtet können 60 Leute gewinnen. Das macht den Reiz aus. Bis zum letzten Schießen ist alles offen. Das macht Biathlon spannend. Das ist anders als im Skifahren.

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