Goldjagd: Österreichs größte Stars ohne Olympia-Medaille
Kombinierer Lamparter, Skeleton-Fahrerin Flock und Skispringer Kraft.
Die Olympischen Spiele sind der große Sehnsuchtsort aller Sportler. Dabei sein ist alles? Mit dem traditionellen olympischen Motto kann nicht jeder etwas anfangen. Eine Medaille gewinnen, das ist alles – diese Devise gilt vor allem für jene hochdekorierten österreichischen Sportler, denen das olympische Edelmetall noch in der Trophäensammlung fehlt.
Stefan Kraft
13, 18, 10, 13 – kaum jemand würde darauf kommen, dass diese bescheidene Bilanz vom österreichischen Überflieger schlechthin stammt. Bei seinen bisherigen Olympia-Auftritten war Stefan Kraft in den Einzelbewerben nur in der Rubrik ferner sprangen zu finden. Das passt so gar nicht zur Karriere des 32-Jährigen, der es gewohnt ist, in anderen Sphären zu schweben.
Stefan Kraft ist dreifacher Weltmeister und dreifacher Gesamtweltcupsieger, er ist in der Geschichte des Skispringens der Sportler mit den meisten Podestplätzen (129) und Weltcuppunkten (16.117). Nur bei Olympia wollte es nicht klappen. Die letzten Auftritte im Weltcup nähren leider die Befürchtung, dass der Pongauer auch bei seinen dritten Spielen wieder im geschlagenen Feld landen wird.
Der Jungpapa nimmt inzwischen aber alles deutlich gelassener als in seinen ersten Jahren. „Eine Einzelmedaille wäre großartig, aber meine Karriere ist auch ohne dieses Resultat erfüllt“, betont der 32-Jährige. Und Olympiasieger ist er ja ohnehin, 2022 gewann er in Peking mit dem Team die Goldmedaille.
Vincent Kriechmayr
Der Oberösterreicher und sein langjähriger Speed-Spezl Matthias Mayer hatten sich die Großereignisse immer gut untereinander aufgeteilt. Mayer schlug bei Olympia die große Stunde (Gold 2014, 2018 und 2022), Kriechmayr schlug regelmäßig bei den Weltmeisterschaften zu (fünf Medaillen).
Mailand-Cortina sind die dritten Winterspiele für den Routinier, mit den Plätzen 5, 6, 7, 8 war Kriechmayr bisher zwar immer auf Tuchfühlung zur Medaille, den ersehnten Coup konnte er aber noch nicht landen.
Vielleicht kommen diese Spiele nun ja gerade recht. Die Abfahrtspisten in Korea und Peking waren nicht wirklich nach dem Geschmack des Edeltechnikers, 2026 wird in Bormio um Medaillen gefahren. Die berüchtigte Stelvio zählt zu den erklärten Lieblingspisten des 34-Jährigen: Sechs Mal landete Kriechmayr dort bereits auf dem Stockerl, 2022 gewann er die Abfahrt.
Janine Flock
Eines vorweg: Die Tirolerin trägt einen Titel, den ihr auch über diese Winterspiele hinaus niemand streitig machen wird: Grande Dame des Skeletonsports. Mit ihren 36 Jahren hat Janine Flock den Sport geprägt und fuhr mit der Konkurrenz regelmäßig Schlitten.
Die Erfolgsbilanz der Eiseiligen aus Rum kann sich sehen lassen: drei Siege im Gesamtweltcup, 15 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften, nur mit Olympia verbindet sie schmerzhafte Erinnerungen.
Janine Flock
Vor den Spielen 2014 erhielt das ÖOC einen Brief, in dem mit der Entführung von Flock und Bernadette Schild gedroht wurde.
Bei den Spielen 2018 in Korea ging Janine Flock als Führende in den vierten Lauf und rutschte noch aus den Medaillenrängen.
Für die Spiele 2022 wollte die Tirolerin nichts dem Zufall überlassen, übertrieb es dabei allerdings mit der Akribie und war schließlich völlig von der Rolle (Rang 10).
Warum es nun im vierten Anlauf mit der ersehnten Medaille klappen könnte? Vielleicht weil Janine Flock reifer und gelassener denn je wirkt und sich nicht mehr wie früher auf das große Ziel Olympia versteift. „Das würde die Karriere natürlich abrunden.“
Andreas Prommegger
Als der Pongauer 2006 sein Olympia-Debüt gab, waren manche Mitglieder des aktuellen österreichischen Olympia-Teams noch nicht geboren. Das zeigt, wie lange der Snowboarder seinem Traum von einer Olympia-Medaille schon hinterherfährt. Verdient hätte es sich der nimmermüde 45-Jährige allemal. Prommegger ist dreifacher Weltmeister und hat mehrmals den Parallelweltcup gewonnen.
Lisa-Theresa Hauser
Die 32-jährige Kitzbühelerin hat ihren Platz in den Geschichtsbüchern des österreichischen Sports längst sicher: Als erste – und wohl für lange Zeit einzige – Biathletin, die WM-Einzelmedaillen gewinnen konnte (Gold im Massenstart, Silber in der Verfolgung 2021), als erste Österreicherin, die eine kleine Kristallkugel gewinnen konnte (Einzelweltcup 2021); als eine von wenigen Biathletinnen, die in sämtlichen Disziplinen Weltcupsiege feiern konnte – eine Karriere wie ein Volltreffer. Bei Olympia fehlte Hauser der letzte Schuss Fortuna. 2022 in Peking war sie im Sprint als Vierte knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt, auch in der Verfolgung (Rang 7) war das Podest in Schussdistanz.
Johannes Lamparter
Doppelweltmeister mit 19, erster Weltcupsieg mit 20, Gesamtweltcupsieger mit 21 – in der Karriere des Nordischen Kombinierers ging alles blitzschnell. Verständlich, dass ein ehrgeiziger Athlet wie er mit dem Olympia-Debüt vor vier Jahren (Ränge 4 und 6) nicht zufrieden sein konnte. Die Enttäuschung von Peking habe ihn all die letzten Jahren angetrieben, betont er. Als Führender im Gesamtweltcup ist der 24-Jährige einer der Favoriten, und eine Medaille liegt für Österreich ohnehin zum Abholen bereit. Im Teamsprint (je zwei Athleten) müsste es mangels internationaler Konkurrenz schon mit dem Teufel zugehen, sollte das ÖSV-Duo nicht in den Top 3 landen.
Vanessa Herzog
Seit 1994 (Gold und Silber von Emese Hunyady) wartet Österreich auf eine Medaille im Eisschnelllaufen. Vanessa Herzog kam ihrem großen Ziel zwei Mal bis auf wenige Hundertstelsekunden nahe. 2018 wurde die 500-Meter-Weltmeisterin (2019) über ihre Paradedisziplin mit 0,17 Sekunden Rückstand Vierte, 2022 gab es abermals Blech, diesmal fehlten läppische 0,07 Sekunden. 2026 stehen die Vorzeichen noch schlechter. Ihre Rückenprobleme verhinderten am Mittwoch ein volles Training. Die Teilnahme über 1.000 Meter am Montag sei „eher unwahrscheinlich“.
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