Kitzbühel-Bilanz: Senkrechtstarter, Rekordquoten und Feller-Triumph

Die Drohnenshow in Kitzbühel
Tops und Flops des Ski-Spektakels. Wer fiel auf? Wer fiel durch? Eine Bilanz der 86. Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel.

Das Beste kam bei den 86. Hahnenkamm-Rennen zum Schluss. Der emotionale Sieg von Manuel Feller war aus österreichischer Sicht das Highlight von Kitzbühel, das Abfahrtsdebakel der Tiefpunkt. Die Tops und Flops von Kitz’.

+ Giovanni Franzoni

Am blanken Entsetzen und an der großen Enttäuschung von Marco Odermatt ließ sich ablesen, welcher Husarenritt dem 24-jährigen Italiener bei seinem Abfahrtssieg gelungen ist. Der Schweizer Superstar hatte nicht damit gerechnet, dass jemand noch schneller über die Streif rasen könnte.

Giovanni Franzoni hat in diesem Winter mit seinen Siegen am Lauberhorn (Super-G) und in Kitzbühel die Skiwelt auf den Kopf gestellt und im Rekordtempo die Herzen der Fans erobert.

Stellt sich nur die Frage: Wo sind eigentlich die österreichischen Franzonis?

+ Drohnen-Show

Kitzbühel stand traditionell auch für viel Schall und Rauch, wie alles bei den Hahnenkamm-Rennen war auch das Feuerwerk nach der Siegerzeremonie lauter und greller als anderswo im Weltcup. Mittlerweile geht nicht mehr der Rauch auf, eine Luftflotte von 1.000 Drohnen ersetzt die Raketen und zeichnet wunderbare, bunte Bilder in den Kitzbüheler Himmel – ein Lichtblick.

+ Stefan Babinsky

Der Steirer etabliert sich im Super-G an der Weltspitze, wie sein dritter Platz in Kitzbühel unterstreicht.

+ Christof Innerhofer

Der 41-jährige Südtiroler feierte heuer auf der Streif ein beeindruckendes rundes Jubiläum: Seinen 50. Start bei den Hahnenkammrennen. Im Jahre 2008 absolvierte Innerhofer seine Jungfernfahrt, im Super-G zeigte der nimmermüde Jubilar mit dem zehnten Platz auf.

+ ORF-Übertragung

1,68 Millionen TV-Zuseher bei der Abfahrt, ein Marktanteil von 92 Prozent bei der Altersgruppe der 12 bis 29-Jährigen – auch ohne österreichische Siege sind die Hahnenkamm-Rennen hierzulande ein Quotenhit. Für das Hochamt des Skisports betrieb der ORF wie jedes Jahr einen immensen Aufwand und setzte neue Maßstäbe. Nicht von ungefähr wurde ORF-Regisseur Michael Kögler auserwählt, bei Olympia die Herren-Skirennen ins rechte Licht zu rücken.

+ Fabio Gstrein

Der Ötztaler empfahl sich im Rennen der letzten Chance für einen Platz im elfköpfigen Olympia-Team. Gstrein verpasste als Elfter zwar die Top Ten, seine Laufbestzeit im zweiten Durchgang dürfte die ÖSV-Trainer aber überzeugt haben.

+ Adrian Sejersted

Der Norweger sorgte im Super-G für die Stunteinlage der Woche. Beim berühmten Seidl-Alm-Sprung verdrehten sich seine Skier bedrohlich, keiner weiß, wie es Sejersted geschafft hat, auf den Beinen zu bleiben und den Sturz zu verhindern. Trotz seines Patzers erreichte der Routinier im Super-G noch Rang fünf.

- ÖSV-Abfahrer

Es ist ein echter Jammer mit den österreichischen Abfahrern. Der 13. Platz von Vincent Kriechmayr bedeutete das schlechteste Abschneiden des ÖSV-Teams in der Geschichte der Hahnenkamm-Abfahrt. Die einstige stolze Abfahrtsnation verkommt in der Königsdisziplin mehr und mehr zu einem Niemandsland.

Dass Marco Odermatt in diesem Winter allein deutlich mehr Punkte gesammelt hat, als alle österreichischen Abfahrer zusammen, sagt alles aus. Dass Stefan Babinsky nach drei Abfahrten in Folge ohne Weltcuppunkt ein ernsthafter Kandidat für die Olympia-Abfahrt ist, verdeutlicht die Krise, in der sich das ÖSV-Abfahrtsteam zwölf Tage vor der Olympiaabfahrt befindet.

- Atle Lie McGrath

Der Norweger und der Ganslernhang werden wohl keine großen Freunde mehr. Beim Klassiker in Kitzbühel steht der zweifache Wengen-Sieger regelmäßig neben der Spur. In den letzten fünf Slaloms kam er nie ins Ziel.

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