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09.03.2013

Hirscher Zweiter in Kranjska Gora

Der Salzburger baut seinen Vorsprung im Gesamtweltcup aus. Ligety gewinnt und sichert sich die kleine Kugel.

Fünf Rennen vor Saisonschluss hat Marcel Hirscher seinen Vorsprung im Gesamtweltcup gegenüber Aksel Lund Svindal auf 69 Punkte ausgebaut. Hirscher wurde hinter Ted Ligety Riesenslalom-Zweiter in Kranjska Gora. Dort, wo am Sonntag auch ein Spezialslalom mit allen Mitteln (und viel Salz) über die (Nassschnee-) Bühne gebracht werden soll. Und wo das slowenische Gelände in der Vergangenheit mit Werbung jener Kärntner Bank zugepflastert wurde, die jetzt ins Fadenkreuz der EU gerät.

Viel Kritik

Kranjskas Veranstalter mussten Ersatz für den ehemaligen Hauptsponsor finden. Gestern legten die Rennläufer Startnummern eines Vorarlberger Getränkekonzerns mit dem dominanten Schriftzug „Happy Day“ an. Die Mehrheit der 68 Starter aber war zunächst alles andere als glücklich: Zu hoch die Temperatur, zu tückisch der Haxenbrecher-Schnee, zu unrythmisch der erste Lauf.

Selbst ÖSV-Läufer kritisierten die Kurssetzung des ÖSV-Trainers Michael Pircher. Der Schladminger hatte es offensichtlich zu gut für Marcel Hirscher gemeint.

Auf einem extrem drehenden Kurs, so lautete die Überlegung, würde Hirschers athletischer Weltcup-Rivale Aksel Lund Svindal auf Grund seines Gewichtes Probleme bekommen. „Der Plan war gut. Wir haben angenommen, das wird eine größere Herausforderung für ihn sein. Aber das war ein falscher Gedanke“, sagte Hirscher, der Halbzeit-Vierte. Svindal schnaufte im Ziel zwar tatsächlich wie eine Dampflok, lag aber auf Rang fünf.

In Durchgang zwei bewies Hirscher, dass er taktische Tricks seiner Betreuer nicht notwendig hat. Auf dem – vom italienischen Franzosen-Trainer Lorant Buttafoghi – flüssiger ausgeflaggten Lauf raste er bereits zum 42. Mal in seiner Weltcup-Karriere auf’s Podium. Doch der zweite Rang reicht nicht, um sich mit beruhigendem Vorsprung von Svindal abzusetzen, zumal der norwegische Abfahrtsweltmeister Sechster wurde – bereits zum fünften Mal in dieser Saison.

Fragezeichen

In Lenzerheide (CH) sollen in der kommenden Woche noch vier Rennen in allen Disziplinen stattfinden. Sollen ...

Die Wetterprognose ist freilich nicht die beste. Und laut FIS-Regeln würden Final-Rennen im Falle von Absagen ersatzlos gestrichen. Aber Hirscher will weder von Petrus noch von Betreuertricks profitieren, sondern am liebsten schon heute (9.30/12.30 Uhr, ORF) mit einem Slalom-Sieg die Basis für die Titelverteidigung legen. Auch wenn dafür möglicherweise Wasserski-Können erforderlich sein wird.

Auch für seine Kollegen wurde der gestrige Rainy Day letztlich zum Happy-Day. Benjamin Raich (7.) gelang das beste Saison-Resultat im RTL. Und Philipp Schörghofer, der die Kurssetzung des ersten Durchgangs als „unnötig“ bezeichnet hatte, fuhr im zweiten Laufbestzeit.

Hirscher wehrt den Angriff ab

1/6

Aksel Lund Svindal of Norway clears a gate during

Marcel Hirscher

Second placed Marcel Hirscher of Austria reacts du

Ligety listens to the national anthem after the me

SLOVENIA ALPINE SKIING WORLD CUP

Combination photograph shows Dopfer of Germany cra

Ligety holt Riesentorlauf-Kugel

Ted Ligety war nach seinem Schladminger Triumphen noch nicht zuhause. Der US-Amerikaner wird vor seinem Heimflug allein schon wegen seiner zahlreichen Trophäen Übergepäck zahlen müssen: Seit Samstag ist dem Dreifach-Weltmeister von Schladming auch die kleine Weltcup-Glaskugel für den Sieg in der Diszplinenwertung Riesenslalom sicher. Die Pokal-Überreichung erfolgt am nächsten Sonntag in Lenzerheide (Schweiz).

Die gegenwärtigen Schneebedingungen in Mitteleuropa empfindet Ligety trotz seines gestrigen Sieges in Kranjska Gora als „Horror für einen Powder-Skifreak“. Schließlich liebe er nichts mehr als Pulverschnee.

Trotz seiner sensationellen Riesenslalom-Saison sieht Ligety, 28, seine Number-One-Position keineswegs ungefährdet. „Schließlich sind Marcel Hirscher und Alexis Pinturault um einige Jahre jünger als ich.“

Mister Nimmersatt

Ligety plant bereits für die Olympia-Saison. So war Mister Nimmersatt in der Vorwoche nach Sotschi geflogen, um anlässlich der russischen Meisterschaften die olympischen Pisten zu testen. Russen und US-Amerikaner (ihr Chef ist der Ötztaler Patrick Riml) haben sich zu einer Trainingsgemeinschaft entschlossen. Sie sieht vor, dass die Russen in Hinblick auf die WM 2015 in Beaver Creek eine permanente Abfahrtsrennstrecke in Colorado mitbenützen dürfen.

Und was macht Ted Ligety nach dem diesjährigen Ski-Weltcup-Finale? Alles andere nur keinen Urlaub vom Schnee. Er freut sich bereits auf seine Hauptrolle in einem Ski-Film, der im April in Grönland gedreht wird.

Hirscher: "Der Plan war gut"

Weiche Piste, Regen - wie schwierig war es heute zu fahren? Hirscher: "Es war definitiv für alle von uns sehr schwierig. Die 80 Punkte sind sehr wichtig für mich, ich bin immer noch im Rennen um den Gesamtweltcup. Jetzt hoffe ich im Slalom morgen auf die big points."

Im Slalomweltcup haben Sie 184 Zähler mehr auf dem Konto als Ihr erster Verfolger Felix Neureuther, das Kristall liegt für Sie praktisch zum Abholen bereit. "Ich habe eine gute Chance und will sie nützen, aber erwarten darf man nie etwas im Slalom. Wenn ich zweimal ausscheide und Felix zweimal gewinnt, hat er die Kugel."

Die Läufe heute waren sehr unterschiedlich gesetzt. Der erste war von Ihrem Trainer ausgeflaggt. Sie waren als Vierter nicht zufrieden. Was war los? "Der Plan wäre ein guter gewesen, aber es kam relativ wenig vom Schnee zurück an Feeling, im zweiten war es wesentlich härter. Wenn einmal mehr Läufer drüber sind, kommt eine feste Ideallinie raus. Im ersten war das nicht. Für den zweiten Durchgang haben wir auch wegen der veränderten Kurssetzung was umgestellt am Ski. Das war gut."

Die Kurssetzung im ersten Lauf war eigentlich gegen Svindal gerichtet, der mischte mit Platz fünf aber vorne mit. Waren Sie überrascht? "Der Plan war gut. Wir haben angenommen, das wird eine größere Herausforderung für ihn sein. Aber das war ein falscher Gedanke."

Wann werden Sie Ihr Programm für die Finalwoche in Lenzerheide festlegen? "In Lenzerheide. Jetzt möchte ich morgen einmal hier abschließen und schauen, was ich reißen kann und ob ich was reiße. Wenn das ganz gut ausgeht, dann schaue ich mir mal die nächste Wochenplanung an."

Wie groß ist der Vorteil, den Sie sich heute rausgeholt haben? "Das weiß ich nicht. Momentan sind es 69 Punkte, das weiß ich. Aber wie die nächsten Rennen ausgehen, das weiß ich nicht. Wäre schön, wenn ich es wüsste, dann wüsste ich, ob ich den Super-G fahre oder überhaupt morgen den Slalom fahre (schmunzelt). Es ist sicherlich positiv, mehr Vorsprung ist besser als weniger. Größer-Kleiner-Rechnung."

Wie schwierig wird bei diesen Verhältnissen der Slalom am Sonntag werden? "Die Wandln werden tiefer. Aber wenn man gut arbeitet und gut pusht und ein gutes Team hat, kann man auf jeden Fall ein Rennen fahren. Dass die Stangen halten, ist wichtig. Ich gehe davon aus, dass morgen ein Rennen ist und freue mich drauf."

RTL in Kranjska Gora

Endstand
1. Ted Ligety (USA) 02:35,4
2. Marcel Hirscher (AUT) 0,45
3. Alexis Pinturault (FRA) 0,77
4. Felix Neureuther (GER) 0,81
5. Thomas Fanara (FRA) 1,22
6. Aksel Lund Svindal (NOR) 1,3
7. Benjamin Raich (AUT) 1,77
8. Philipp Schörghofer (AUT) 1,99
9. Christoph Nösig (AUT) 2,08
10. Didier Defago (SUI) 2,1
11. Massimiliano Blardone (ITA) 2,14
12. Hannes Reichelt (AUT) 2,17
13. Davide Simoncelli (ITA) 2,31
14. Manfred Mölgg (ITA) 2,32
15. Ivica Kostelic (CRO) 2,34
16. Marcus Sandell (FIN) 2,4
17. Victor Muffat Jeandet (FRA) 2,46
18. Henrik Kristoffersen (NOR) 2,49
19. Steve Missillier (FRA) 2,7
20. Cyprien Richard (FRA) 2,96
21. Roberto Nani (ITA) 3,05
22. Marcel Mathis (AUT) 3,21
23. Gauthier De Tessieres (FRA) 3,22
24. Mathieu Faivre (FRA) 3,23
25. Andre Myhrer (SWE) 3,33
26. Sergej Majtakow (RUS) 3,41
27. Leif Kristian Haugen (NOR) 3,44
28. Elia Zurbriggen (SUI) 4,55
1. Lauf
1. Ted Ligety (USA) 01:22,2
2. Alexis Pinturault (FRA) 0,2
3. Felix Neureuther (GER) 0,22
4. Marcel Hirscher (AUT) 0,6
5. Aksel Lund Svindal (NOR) 0,99
6. Benjamin Raich (AUT) 1,33
7. Fritz Dopfer (GER) 1,5
8. Hannes Reichelt (AUT) 1,55
9. Manfred Mölgg (ITA) 1,59
10. Thomas Fanara (FRA) 1,66
11. Massimiliano Blardone (ITA) 1,83
12. Steve Missillier (FRA) 2,05
13. Marcus Sandell (FIN) 2,15
14. Victor Muffat Jeandet (FRA) 2,16
15. Christoph Nösig (AUT) 2,2
Weiter:
17. Marcel Mathis (AUT) 2,45
22. Philipp Schörghofer (AUT) 2,77
36. Romed Baumann (AUT) 4,2
2. Lauf
1. Philipp Schörghofer (AUT) 01:12,5
2. Didier Defago (SUI) 0,01
3. Davide Simoncelli (ITA) 0,09
4. Thomas Fanara (FRA) 0,34
5. Gauthier De Tessieres (FRA) 0,51
6. Marcel Hirscher (AUT) 0,63
7. Sergej Majtakow (RUS) 0,65
8. Christoph Nösig (AUT) 0,66
. Leif Kristian Haugen (NOR) 0,66
10. Ivica Kostelic (CRO) 0,71
11. Henrik Kristoffersen (NOR) 0,72
12. Roberto Nani (ITA) 0,77
13. Ted Ligety (USA) 0,78
14. Marcus Sandell (FIN) 1,03
15. Cyprien Richard (FRA) 1,06
Weiter:
19. Benjamin Raich (AUT) 1,22
22. Hannes Reichelt (AUT) 1,4
26. Marcel Mathis (AUT) 1,54