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Sport Wintersport
03/17/2020

Heute vor 20 Jahren: Der Skiflugweltrekordler aus dem Nichts

Am 17.März 2000 flog Thomas Hörl in Planica 224,5 Meter. Zwei Tage lang hielt der Salzburger den Weitenrekord im Skispringen.

von Christoph Geiler

Als der achtjährige Sohn von Thomas Hörl zuletzt zufällig auf die Liste der Skiflugweltrekordler stieß, ließ er einen Aufschrei des Erstaunens los: „Papa, da stehst ja du drin!“

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Thomas Hörl gegenüber seinem  skisprungbegeisterten Sohn niemals erwähnt, dass er einmal der König der Lüfte war. Wenn auch nur für wenige Stunden. „Das ist inzwischen ja auch schon so lange her“, sagt der Saalfeldner.

Ein Stück Sportgeschichte

Auf den Tag genau 20 Jahre sind vergangen, seit Thomas Hörl auf der mächtigen Schanze in Planica (Slowenien) ein Stück Sportgeschichte geschrieben hat. Wohlgemerkt ein ungewöhnliches. Denn in der langen Historie des Skifliegens ist wohl nie ein Weltrekordler so aus heiterem Himmel gekommen wie der Pinzgauer.

18 Jahre war Hörl, als er in Planica 224,5 Meter weit segelte und die Springerwelt auf den Kopf stellte. Österreich lag damals gerade im Goldi-Fieber und bejubelte Andreas Widhölzl, der in diesem Jahr die Vierschanzentournee gewonnen hatte. Mit dem Namen Hörl konnte kaum jemand was anfangen.

 

Der Pinzgauer stieß gerade vom Kontinentalcup zum Weltcupteam, Planica war erst sein zweiter Einsatz auf einer Skiflugschanze. „Ich hatte wenige Flugkilometer“, erinnert sich Thomas Hörl, „und eigentlich wollte ich nur einmal   200 Meter weit springen. Das war zu dieser  Zeit für einen Skispringer  das Nonplusultra.“

Hörl hatte bei seinem Weltrekordflug  das Glück der niedrigen Startnummer. Am ersten Trainingstag wurden die ersten Springer noch mit viel Anlauf über die Schanze gelassen. Das nützte Hörl aus und flog auf Anhieb 203 Meter weit. „Danach war ich so gehyped, mir wäre es egal gewesen, wenn wir aufgehört hätten.“

Der zweite Versuch sollte dann noch weiter gehen. Viel weiter. Thomas Hörl flog und flog, bis er irgendwann keine Weitenmarkierung  unter sich sah. „Da war auf einmal keine Linie mehr. Und da wusste ich, dass es wirklich weit war.“

224,5     Thomas Hörl (AUT/2000)

225        Andreas Goldberger (AUT/2000)

227,5     Matti Hautamäki (FIN/2003)

228,5     Matti Hautamäki (2003)

231        Matti Hautamäki (2003)

234,5     Björn Einar Romören (NOR/2005)

235,5     Matti Hautamäki (FIN/2005)

239        Björn Einar Romören (2005)

243        Johan Remen Evensen (NOR/2011)

246,5     Johan Remen Evensen (2011)

250        Peter Prevc (SLO/2015)

251,5     Anders Fannemel (NOR/2015)

252        Robert Johansson (NOR/2017)

253,5     Stefan Kraft (AUT/2017)

Mit seinen 224,5 Metern hatte der 18-jährige Nobody die Bestmarke des Norwegers Tommy Ingebrigtsen gleich um fünf Meter übertroffen. Danach brach der Wahnsinn über ihn herein und die Reporter über den Salzburger her.   Hörl musste Interviews geben, sein Rekord  ging um die Welt.

So schnell wie das Scheinwerferlicht aufgedreht war, so rasch ging es auch wieder aus. Zwei Tage später flog  Mannschaftskollege Andreas Goldberger im Bewerb 225 Meter und Thomas Hörl war seinen Weltrekord wieder los.


Der Weitenjäger hatte seinen kurzen Moment Ruhm, danach wurde es immer stiller um den Salzburger, der nicht gegen die Hungerkünstler und Leichtgewichte ankam, die zu dieser Zeit das Skispringen prägten.

Hörl versuchte zwar, diesen kranken Trend mitzumachen, musste aber bald einsehen, dass er mit seinem Körperbau nicht konkurrenzfähig war. "Ich hab' es mit viel Salat essen und Wasser trinken probiert, aber irgendwann kommt man an seine Limits", erzählt Hörl. "„Ein Blattl fliegt immer besser als ein Stein. Ich war halt eher ein steinigerer Typ“, sagt Hörl.

Erfolge als Servicemann

2003 beendete er schließlich seine Karriere, ein 18. Platz in Hakuba sollte sein bestes Weltcupergebnis bleiben. Das Skispringen hat den 38-Jährigen aber trotzdem nie los gelassen. Bis 2019 arbeitete Hörl neun Jahre lang als Servicemann bei den Norwegern und hatte großen Anteil an deren Höhenflügen.

Mittlerweile arbeitet der zweifache Familienvater in einem Bikeshop und hilft den Skisprung-Talenten aus Saalfelden auf die Sprünge. Auch die Weltcupsiegerin Marita Kramer erhielt Unterstützung vom 38-Jährigen.

Kapital konnte Thomas Hörl aus seinem Weltrekord keines schlagen.  „Dafür hatte ich ihn einfach zu kurz", sagt er. "Aber es ist schön, dass er Bestand hat und überall aufscheint.“

 

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