Sport | Wintersport
09.03.2012

Gute Karten für Hirscher

Der Österreicher sieht sich vor dem finalen Dreikampf um den Gesamt-Weltcup erstmals zum Taktieren veranlasst.

Favoriten pflegen gern zu jammern über den medialen Druck. Anders Marcel Hirscher. Er genießt ihn. "Ich hoffe, dass beim Finale auch noch so viele Mikrofone rund um mich herum sind. Das wäre der Beweis, dass ich alles richtig gemacht hab."

Schladming wird nächste Woche Schauplatz des Finales sein. Am Wochenende aber macht der Weltcup in Kranjska Gora, 25 Autominuten von Villach entfernt, Station.

Marcel Hirscher sitzt im kurzärmligen Leibchen auf der Hotelterrasse den Reportern gegenüber. So angenehm warm strahlt die Märzsonne vom azurblauen Himmel. Und so richtig heiß ist der Salzburger auf die alpine Beuteverteilung.

Dreikampf um Gesamt-Weltcup

Sechs Rennen (vier Torläufe, zwei Speedbewerbe) stehen aus. Nur noch drei Mann können den Gesamt-Weltcup gewinnen:

Spitzenreiter Beat Feuz, der trotz bevorstehender Knie-Operation als Speedspezialist im heutigen Riesenslalom mit ein paar Punkterln spekuliert.

Ivica Kostelic, der einen Monat nach einer Knie-OP auf slowenischem Frühlingsschnee die letzte Chance für eine erfolgreiche Titelverteidigerin sieht.

Und Marcel Hirscher, dessen realistisches Saisonziel im Herbst es noch gewesen war, nach seiner Knöchelfraktur wieder den Anschluss zu finden. Das letztjährige Torlauf-Wochenende in Kranjska Gora hatte Hirscher nur mit bandagiertem Bein von der Couch aus verfolgt.

Keine Harakiri-Aktionen

Als Rennläufer wie als Zuschauer kommt’s ihm so vor, als sei Kranjska Gora der spektakulärste Riesenslalom-Hang überhaupt. Dort war er zum ersten Mal auf das Stockerl gefahren. Dort hat er schon gewonnen. Dort dürfe man von ihm aber heuer, wie er ankündigt, keine Harakiri-Aktionen mehr erwarten.

Einen Ausfall kann sich Hirscher nicht leisten. Die Punktekonstellation zwingt ihn zum Taktieren, zumal er Chancen sowohl auf die große Kristallkugel als auch auf die kleine hat. Im Disziplinenweltcup Riesenslalom führt er 132 Punke vor Ted Ligety, im Gesamt-Weltcup fehlen Hirscher 115 auf Feuz.

Der letzte ÖSV-Weltcup-Gesamtsieger Benjamin Raich (2006) glaubt, "dass es Marcel, wie der beinand ist, derpackt." Schützenhilfe (= alle vor Feuz, aber kein Teamkollege vor Hirscher) darf sich Hirscher allerdings nicht erwarten. "Erstens hat’s Marcel net notwendig. und zweitens ...", sagt der WM-Dritte Philipp Schörghofer ehrlich "ist Ski ein Einzelsport. Da fahrt jeder für sich selbst."

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