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Sport Wintersport
12/18/2021

Gröden-Sensationssieger Bennett: Der Mann, dem keine Jacke passt

Der 2,01 Meter-Hüne aus den USA war auf der Saslong der beste Bodenwellenreiter. Ein Blick auf die Protagonisten einer spektakulären Abfahrt.

von Christoph Geiler

Sollte irgendwer am Samstag zufälligerweise das erste Mal Augenzeuge einer Abfahrt gewesen sein, er wird unweigerlich auf diesen Sport abfahren und verstehen, warum Klassiker wie Gröden, Wengen oder Kitzbühel die Menschen dermaßen in den Bann ziehen.

Bei der Abfahrt auf der berühmten Saslong wurde alles geboten, was diese Disziplin auszeichnet: Spektakel, Stürze, Schreckmomente, Sensationen und ein Siegespodest, mit dem wohl kaum einer im Vorfeld gerechnet hatte. Ein Blick auf die Hauptdarsteller der Abfahrt im Grödnertal.

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Der Bodenwellenreiter

Er riss die Ski in die Höhe, er schrie sich die Lust vom Leib und ließ sich im Zielraum feiern – nach seiner Siegesfahrt zog Bryce Bennett eine Show ab, wie man sie so nur von US-Amerikanern kennt. Mit dem langen Kerl (201 Zentimeter), der zuvor in seiner Karriere noch nie am Podest gestanden war, freuten sich alle.

„Ein Traum ist wahr geworden“, sagte der 29-jährige Kalifornier, der auf der unruhigen Piste mit den vielen kleinen Bodenwellen als bester Wellenreiter überzeugte. „Ich bin früher viel BMX gefahren, deswegen beherrsche ich das so gut.“

Mit seiner Größe überragt Bennet nicht nur all seine Abfahrerkollegen, er bringt ab und an auch sein Team in die Bredouille. Bei der Ausgabe des Trainingsoutfits fand sich dereinst keine geeignete Jacke in XXX-Large für den Hünen. Beim US-Skiverband behalf man sich damit, zwei große Jacken kurzerhand zu einer riesigen für Bennett umzunähen.

Rennläufer reloaded

Bedenkliche vier Sekunden Rückstand im ersten Training hatten Otmar Striedinger zu einem radikalen Schritt veranlasst: Der Kärntner tauschte sein gesamtes technisches Equipment aus und versuchte sich als Rennläufer reloaded. Der Kurswechsel bei der Materialwahl und -abstimmung führte Striedinger schnurstracks zurück in die Erfolgsspur.

Auch wenn ihm wieder einmal der erste Weltcupsieg vor der Nase weggeschnappt wurde. Vor einem Jahr hatte Striedinger in Val-d’Isère bis zur Startnummer 41 geführt. „Natürlich würde ich gerne den ersten Sieg feiern, aber ich werde mich jetzt nicht über den zweiten Platz beschweren.“

Die Zerreißprobe

Sollte Aleksander Aamodt Kilde tatsächlich noch irgendwelche Zweifel gehabt haben, ob sein operiertes rechtes Knie den hohen Belastungen standhält, dann dürfte er seit der Abfahrt endgültig beruhigt sein.

Das Kreuzband, das er sich erst im Jänner gerissen hatte, hielt der Zerreißprobe stand, als es dem Norweger bei einer Bodenwelle bedrohlich die Beine auseinanderriss und er am Tor vorbei fuhr. „Ich hatte wirklich Glück“, wusste Kilde, der schon wieder Richtung Sieg unterwegs war. Kurz vor dem Ausscheiden war er 86 Hundertstelsekunden vor Sieger Bennett gelegen.

Die Frustbewältigung

Die Abfahrt auf der Saslong und Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr – das wird keine Liebesbeziehung mehr. Der eine ist Doppelolympiasieger, der andere Doppelweltmeister, beide zählen zu den besten Abfahrern im vergangenen Jahrzehnt. Aber in Gröden wird das Erfolgsduo regelmäßig von der Konkurrenz und der Piste vorgeführt. Kriechmayr (14.) und Mayer (16.) landeten wieder einmal im geschlagenen Feld. „Ich weiß nicht warum, aber mir liegt das einfach nicht“, sagt Kriechmayr.

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