Eishockey-Teamchef Bader: „Ein mulmiges Gefühl hatte ich durchaus“
Roger Bader (rechts) mit Assistent Christoph Brandner
Österreichs Eishockey erwacht in diesen Tagen aus dem Sommerschlaf. Bei vielen Vereinen wird wieder trainiert. Teamchef Roger Bader hat die WM in der Schweiz analysiert und die Vorbereitung für das Turnier 2027 minutiös geplant.
KURIER: Wie intensiv verfolgte der Eishockey-Teamchef die Fußball-WM?
Roger Bader:Sehr intensiv, aber aus Trainersicht. Es sind viele Dinge vergleichbar, wie zum Beispiel das Pressing. Ich schaue mir auch an, wie Coaches in Führungsfragen reagieren.
Wie lautet Ihr Fazit, wenn Sie auf die Eishockey-WM 2026 zurückblicken?
Ich muss sagen, dass es eine erfolgreiche WM für uns war. Es war Österreichs zweitbestes Resultat der letzten 20 Jahre. Wir haben neun Punkte erzielt. Im ersten Moment war ich zwar enttäuscht, dass uns gegen Deutschland (Anm. 2:6 nach 1:0-Führung) nicht mehr gelungen ist, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Angesichts der vielen Absagen auf der Mittelstürmer-Position haben wir das Optimum herausgeholt.
Hatten Sie kurz vor der WM, als die Absagen feststanden, Zweifel am Klassenerhalt?
Zweifel nicht, aber ein mulmiges Gefühl hatte ich durchaus. Ich habe mir zwar den Reflex angewöhnt, bei unbeeinflussbaren Ereignissen sofort nach vorne zu schauen, aber die vielen Absagen auf der gleichen Position haben mich schon beschäftigt. Vielleicht war es im Nachhinein sogar gut, weil es in der Mannschaft dazu geführt hat, dass die Spieler die Auftaktspiele gegen Großbritannien und Ungarn noch ernster genommen haben. Jeder war voll fokussiert.
Sie haben das Deutschland-Spiel angesprochen. Österreich hat bis ins zweite Drittel dominiert, und plötzlich war das Momentum weg. Was ist da passiert?
Ich war mit dem ersten Drittel sehr zufrieden, das war genau nach Plan. Wir sind in Führung gegangen, sie haben ausgeglichen, das kann passieren. Aber dann haben ihre vier NHL-Spieler den Unterschied gemacht. Es war auch ein Spiel mit einer ungewöhnlichen Häufung von Strafen, die wir sonst nie hatten, dazu ein Eigentor und ein Gegentor in doppelter Unterzahl.
Wollen Sie jemanden erwähnen, der Sie positiv überrascht hat, oder waren Sie von jemandem enttäuscht?
Es hat jeder performt. Normalerweise gibt es nach einer WM ein oder zwei Spieler, bei denen man die Selektion im Nachhinein hinterfragt – dieses Mal nicht. Die Stärke war wieder das Kollektiv. Besonders schön war, was Leon Kolarik (Anm. 18 Jahre) geleistet hat, der aus der kanadischen Juniorenliga kam. Auch Tim Harnisch hat uns positiv überrascht.
Sie waren bei der Finalniederlage der Schweizer in der Arena. Haben Sie als Schweizer sehr gelitten?
Ja, natürlich. Es war alles angerichtet für den WM-Titel. Die Schweiz war in allen sechs Kriterien – Torhüter, Powerplay, Unterzahl, Scoring-Effizienz, meiste Tore geschossen, wenigste kassiert – auf dem ersten Platz aller Teams. Dass sie das Finale dann gegen Finnland verloren haben, war bitter, auch wenn die Finnen sehr gut gespielt haben.
Dennoch war die Weltmeisterschaft in der Schweiz ein herausragender Erfolg ...
Von der Stimmung her absolut. Wenn man erlebt hat, wie 10.000 Leute dasselbe Lied singen – es war eine irrsinnige Stimmung. Das Klischee der zurückhaltenden Schweizer ist für den Moment verschwunden. Auch Spieler wie Barkov oder Tkachuk (Anm. Stars von Finnland und USA) haben gesagt, dass sie so etwas davor nie erlebt haben.
Wie geht es mit Österreichs Team weiter?
Im November nehmen wir wieder am Deutschland-Cup teil – ein super Turnier gegen Top-10-Nationen. Im Februar spielen wir ein Vier-Nationen-Turnier in Oslo gegen Norwegen, Dänemark und Ungarn. Ab April startet die WM-Vorbereitung mit fünf Camps. Neu ist, dass wir einen Zweijahresvertrag mit den Dänen haben: Diese Saison spielen wir zwei Spiele in Kopenhagen, dann kommen sie zu uns.
Dänemark und Norwegen machen nach den Semifinaleinzügen in den vergangenen Jahren Druck auf die Top 12. Bald kommen Belarus und Russland retour. Ihr Ziel war immer, Österreich als A-Nation zu etablieren. Wird das wieder schwieriger?
Nein, wir sind besser als früher. Wir sind die Nummer 12 der Welt. Bei den letzten fünf Weltmeisterschaften waren wir viermal in den Top-12, einmal auf Platz 8. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Dänemark und Norwegen profitieren von Ausnahmeergebnissen, aber für uns geht es darum, den Platz jedes Jahr zu sichern und aufzubauen. Wenn alles optimal läuft, ist ein Viertelfinale möglich.
Muss man sich Sorgen machen, weil in der ICE Hockey League drei der vier Semifinalisten nicht aus Österreich waren?
Nein, ganz und gar nicht. Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn es auch im Grunddurchgang so gewesen wäre. Aber da haben die österreichischen Teams die Plätze eins bis drei belegt.
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