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14.09.2018

EBEL-Prognose: Champion Bozen ist kein Außenseiter mehr

Am Freitag startet die EBEL-Saison. Das Motto diesmal: Cinderella hat jetzt die Hosen an.

Es hat ihr gut gepasst, das Kleidchen der Außenseiterin. Cinderella fühlte sich darin wohl, lullte alle mit ihrer Unschuldigkeit ein und war am Ende der umjubelte Star auf der großen Bühne der Erste Bank Eishockey Liga.

Die viel zitierte Cinderella-Story begann mit dem Titelgewinn des HC Bozen bei der ersten Liga-Teilnahme 2013/2014 und hatte mit der Aufholjagd vom letzten Platz bis zum Titelgewinn 2018 ein Happy End. Das Märchen ist zu Ende: Aschenputtel hat jetzt die Hosen an und seinen Platz bei den Favoriten der Liga eingenommen. Noch einmal wird Bozen nicht unterschätzt.

Für die heute beginnenden Meisterschaft der Fünf-Länder-Liga EBEL (siehe Grafik) versucht der KURIER einen Überblick über die Mannschaften zu geben.

Der Titelverteidiger

Mit Robustheit, der Defensivtaktik und großem Willen gewann Bozen den Titel. An diesen Eigenschaften wird sich nichts ändern. 13 Spieler haben den Meister verlassen, darunter Leistungsträger wie Smith, Halmo, De Sousa und Clark. 15 Neue kamen. Die Italiener zeigten ihre Stärke in der Champions Hockey League mit drei Siegen in vier Partien. Gespannt darf man sein, ob der Abschied von Austin Smith Folgen haben wird: Der 29-jährige Kanadier schrieb, dass er wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung die Karriere beenden muss. Im Play-off sei er gezwungen worden, zu spielen, obwohl er große Probleme mit den Symptomen hatte. Jetzt gehe es für ihn nur noch um die Rückkehr in ein normales Leben.

Die ewigen Favoriten

Sich österreichischer Meister, aber nicht EBEL-Champion nennen zu dürfen, ist ein Stachel im Fleisch von Red Bull. Salzburg hat nach wie vor das größte Portemonnaie. Erster Gegner ist heute der KAC, ein weiterer Kandidat auf den Titelgewinn. Salzburg tauschte die Torhüter aus: Statt Starkbaum und Gracnar sind jetzt Michalek (USA) und Herzog (zuletzt VSV) gefragt. Abgänge wurden durchwegs mit Spielern aus Nordamerika mit guter Visitenkarte besetzt.

Der KAC hat im Sommer viel geändert. Trainer Walker und Sportdirektor Kalt raus – Petri Matikainen und Sportchef Johannes Reichel rein. Die Ergebnisse in den Tests waren nicht gut, der Kader verspricht mehr. Vor allem die Linie Stefan Geier – Siim Liivik – Manuel Geier sollte dominant werden. Auch Petersen, zuletzt Play-off-Top-Scorer der DEL bei Berlin, hat seine Klasse gezeigt. Fraglich ist, wie der KAC startet, weil die ersten neun Spiele wegen des Neubaus der Kabinen alle auswärts stattfinden.

Zu den Favoriten zählen natürlich die Vienna Capitals. Die Wiener haben einen Relaunch gemacht: In der Abwehr gefällt Dorion (Linz) als Spielgestalter, Davis kann mehr als er zuletzt gezeigt hat. Clark bringt Robustheit. Die Offensivkraft von McKiernan (Düsseldorf), Fraser (VSV) und Brocklehurst (Linz) ist nicht ersetzt worden – eine Chance für Eigenbauspieler Hackl. Im Angriff soll DeSousa den Willen von Bozen mitbringen, Arniel seine Scoring-Qualitäten von Dornbirn. Der Star ist aber Trainer Dave Cameron. Der 60-jährige Kanadier war von 2011 bis 2018 Head und Assistant Coach in der NHL bei Ottawa und Calgary sowie mehrmals im Trainerstab von Kanada bei Weltmeisterschaften. Die Wiener starten heute in Linz (Sky, 19.15).

Der Herausforderer

Die Black Wings Linz sind im zweiten Jahr unter Coach Ward schwer einzuschätzen. Robert und Philipp Lukas haben ihre Karrieren beendet. Das Torhütergespann Ouzas/Kickert dürfte eines der besten in der Liga sein. Hofer (Ambri/SUI) und Spannring (VSV) sind adäquat nicht zu ersetzen. Dennoch bleibt der Angriff mit Lebler, DaSilva, Locke sowie den Neuen Umicevic (Köln), Hickmott (VSV) und Kearns (Binghamton/AHL) ein Prunkstück.

Die Mittelständler

Von den weiteren Teams aus Österreich wird Innsbruck (19.15 gegen Dornbirn) die beste Chance auf einen Platz in den Top 6 haben. Im Sommer wurden die Abgänge gut ersetzt, und mit Climie gibt es wohl einen besseren Tormann als zuletzt.

Viel Neues gibt es in Villach, wo Gerhard Unterluggauer Sportchef und Trainer ist. Er setzt auf altbewährte Legionäre wie Fraser, Pollastrone, Sharp (Caps) und auch auf Legionärstormann Bakala (Düsseldorf). Das Ziel, junge Österreicher zu entwickeln, wird man an den Einsätzen von Wolf, Maxa, Kromp und Lanzinger sehen.

Graz wird immer mehr zu einer Show-Truppe. Die Steirer waren umtriebig, sie verpflichteten 14 neue Spieler, darunter bekannte Namen wie André Lakos (37), den zweifachen Stanley-Cup-Sieger Dwight King (zuletzt Jekaterinburg), Oberkofler und Moderer aus Linz. Und möglicherweise für die Liga starke Legionäre wie Loney und Hamilton. Ein Play-off-Einzug wäre keine Überraschung, wenn Disziplin und Fitness hoch bleiben.

Dornbirn war 2018 im Viertelfinale und setzt heuer auf 14 Legionäre. Kontinuität herrscht nur bei Trainer Dave McQueen, der in seine siebente Saison geht. Das ist Rekord in der EBEL.

Die Außenseiter

Von den internationalen Teams – abgesehen von Bozen – dürfen Zagreb aufgrund der hohen Anzahl an Legionären Chancen auf einen Play-off-Platz eingeräumt werden. Fehervar und Znaim werden wohl gegen das Tabellenende kämpfen.