Anna Fenninger hat es bei ihrem Trainingsunfall richtig hart erwischt.

© REUTERS/LEONHARD FOEGER

Ski alpin
10/23/2015

Das Knie der Ski-Nation bewegt den Weltcup

Der Saisonstart in Sölden steht ganz im Zeichen der schweren Verletzung von Anna Fenninger.

von Christoph Geiler

Dem kleinen Josef wurde keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Unter normalen Umständen hätte sich in Sölden alles um das Neugeborene von Marlies und Benjamin Raich gedreht, aber das drei Tage junge Baby war vor dem Weltcupauftakt nicht der letzte Schrei. Auch der lang ersehnte PR-Auftritt der amerikanischen Ski-Diva Lindsey Vonn ging diesmal unter. Von den rein sportlichen Diskussionen, wie sie gewöhnlich vor den ersten Rennen im Ötztal geführt werden, ganz zu schweigen.

Brennende Fragen

Nichts beschäftigt und bewegt den Ski-Weltcup seit Mittwoch mehr als die schwere Verletzung von Anna Fenninger, der besten Läuferin der vergangenen beiden Jahre: Was macht das Knie der Ski-Nation? Wird Anna Fenninger wieder ganz die Alte? War’s das vielleicht sogar mit der Karriere als Rennläuferin? Brennende Fragen nach dem Ausrutscher mit fatalen Folgen, der die 26-Jährige zumindest für neun Monate außer Gefecht setzt.

Christian Hoser, der Fenninger am Mittwoch in Hochrum zwei Stunden lang am völlig ramponierten rechten Knie operiert hat, war jedenfalls ein gefragterer Interviewpartner als die meisten Skistars, die gestern im Ötztal eintrudelten. "Anna kann mit ihren Schmerzen sehr gut umgehen", berichtete der Chirurg, "natürlich ist sie psychisch nach der schweren Verletzung angeschlagen."

Beschwerlicher Weg

Denn die Salzburgerin hat es bei ihrem Trainingsunfall richtig hart erwischt. Ein Kreuzbandriss allein ist für einen Skiläufer schon ein echter Horror, aber bei Fenninger ist auch noch das Seitenband gerissen, dazu kamen Verletzungen am Innen- und Außenmeniskus und eine gerissene Patellarsehne. "Es besteht die Hoffnung und realistische Chance, dass die Anna zum Skifahren zurückkehren kann", sagt Dr. Hoser.

Für Fenninger begann der beschwerliche Weg zurück bereits am Tag nach der Operation. Die 26-Jährige, die am Donnerstag von ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel besucht wurde, durfte bereits aufstehen, Lymphdrainagen und leichte Bewegungen machen den Anfang der Reha. Sollten keine Komplikationen auftreten, wird Fenninger Anfang der nächsten Woche die Klinik verlassen können.

Vier Kreuzbandrisse

Es ist für die Nummer eins der Welt nur ein schwacher Trost, dass sie sich in prominenter Gesellschaft befindet: Im Weltcup gibt es nur mehr wenige Läufer, die ihre Karriere ohne Knieverletzungen überstehen. Irgendwann wird fast jeder ein Opfer des aggressiven Ski-Materials. Lindsey Vonn? Wurde seit 2013 zwei Mal am Knie operiert. Tina Weirather? Hat gar schon vier Kreuzbandrisse hinter sich. Kjetil Jansrud, Benjamin Raich, Marlies Schild, Nicole Hosp – sie alle gingen während ihrer Laufbahn in die Knie. Marcel Hirscher ist einer der wenigen, der noch kein Kreuz mit den Kreuzbändern hatte.

Anna Fenninger wurde gerade operiert, als der Weltcup bereits den nächsten prominenten Ausfall zu beklagen hatte: Der Kanadier Dustin Cook, Vizeweltmeister im Super-G, war im Training im Pitztal gestürzt und musste ebenfalls am Knie operiert werden.

Mayers Pause

Glimpflicher verlief ein Trainingssturz von Matthias Mayer: Der Abfahrtsolympiasieger kam bei seinem Unfall mit Schuhrandprellungen davon. Auf einen Start in Sölden wird der Kärntner, der im Riesentorlauf-Training neben Hirscher den besten Eindruck hinterlassen hatte, allerdings verzichten. Denn: "Die Vernunft sagt Nein, ein Antreten hätte keinen Sinn."

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